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Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet, die Kanzlerkandidaten der SPD, Grüne und Union stellten sich bei drei Fernseh-Triellen den Fragen der Moderator:innen.
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Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet, die Kanzlerkandidaten der SPD, Grüne und Union stellten sich bei drei Fernseh-Triellen den Fragen der Moderator:innen.

Kolumne

Bis Montag

  • Richard Meng
    VonRichard Meng
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Der Wahlkampf weckt ein ungutes Gefühl. Alles und jedes wurde angetippt, nichts wurde auf den Punkt gebracht. Die Kolumne.

Vorbei das Getöse, am Sonntag gibt es Fakten. Aber ist im Wahlkampf davor auch nur ein einziges Thema im Streit auf den Punkt gebracht worden? Vielleicht sollte man es gar nicht erwarten. Doch das, ein Ende der Erwartungen, wäre der Sieg der Antidemokraten.

Wenn man nun also einen Strich unter den Wahlkampf zieht, bleibt ein ungutes Gefühl. Alles und jedes wurde angetippt, nichts stand länger im Mittelpunkt. Nur die taktischen Spielchen und Spekulationen rund um Meinungsumfragen und Nebensächlichkeiten. Befeuert aus dem Nirgendwo, beispielsweise von einer übergriffigen Staatsanwaltschaft in Osnabrück.

In den Fernsehformaten wurde wieder so getan, als könne einer/eine der drei mittigen Kanzlerkandidaturen künftig allein bestimmen, wie es weiter geht. Wenn das mal nicht kulturprägend ist. Zumal jetzt, da machtpolitisch in der Tat für die künftige Politikrichtung wohl ausschlaggebend sein wird, wer die stärkste Fraktion stellt.

Königswahl also. Alles andere, beteuern die TV-Profis, sei fürs Publikum zu kompliziert. Welch Befund. Immer wieder Hecheln quer durch alle Themen, Hauptsache mit Promis im Studio und Gemenschel auf dem Bildschirm. Beim Triell die Politikpalette zusammenhanglos in maximal 90 Minuten. Danach weitere 90 Minuten fürs Gequassel darüber, wer gewonnen hat. Ansonsten meist Proporzdiskurs – damit niemand sagen kann, jemand sei benachteiligt. So ist sie geworden, die mediale Wahlkampfkultur.

Nirgends wurde die allgemeine Eierei deutlicher als beim Thema Impfen. Führt Demokratie wirklich dazu, dass niemand sich mehr traut, offen für die Pflicht zum Gesundheitsschutz zu argumentieren, die in einer solidarischen Gesellschaft doch selbstverständlich sein sollte?

Der andere Tiefpunkt: Nie war die Welt mehr im Durcheinander, nie war das in einem deutschen Wahlkampf so egal. Europas Dauerkrise, der Aufstieg der Potentaten, das drohende generelle Scheitern einer wertegebundenen Außenpolitik: auch das zu kompliziert? Oder einfach nur zu unlösbar zum gefälligen Fragen und Antworten. Zu weit weg vom deutschen Wir: Das Gift der Reduzierung auf die nationale Perspektive träufelt immer weiter.

Irgendwann in diesem Wahlkampf hat ein Oberst a. D von der CDU es offen ausgesprochen. In Zukunft müsse außenpolitisch mehr auf deutsche Interessen geachtet werden, in Sachen Afghanistan sei es leider zuerst um Solidarität gegangen. Interessen statt Solidarität, das hat es in sich. Da hat einer zu viel USA verinnerlicht. Aber dem Mann darf man unterstellen, dass er tatsächlich denkt.

Bezeichnend auch, dass einer das sagen kann und keine Gegenwelle damit auslöst. Schon weil es Debatten über mehr als einen Tag hinaus kaum gibt. Rede und Gegenrede und nochmal Rede und nochmal Gegenrede: Nur der traurige Kanzlerkandidat der Union hat in höchster Not zu dem Rezept gegriffen, so etwas zu provozieren. Nicht über Inhalte natürlich. Über alte Reflexe gegen die ewige linke Bedrohung, damit wenigstens der Stammtisch wieder CDU wählt.

So dümpelt die Republik der neuen Zeit entgegen. Angela Merkel sei Dank, dass wenigstens der Kanzlerinnenabgang unvermeidbar bleibt. Was dann tröstet, ist der Blick auf die Wahlkämpfe 1969 und 1998. Beide Male kam danach etwas Neues, mehr oder weniger überraschend. Und die Auguren stellten schon bald ratlos die Frage, warum all das, was nach den Wahlen Thema wurde, vorher so weit weg schien. Es mag menschlich sein, dass es läuft, wie es wieder läuft. Armselig ist es trotzdem. Dann bis Montag.

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