Palmöl: Unglaublich artenreiche Lebensräume, die Heimat auch von menschlichen Bewohnern, werden rücksichtslos und unwiederbringlich ausgerottet.
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Palmöl: Unglaublich artenreiche Lebensräume, die Heimat auch von menschlichen Bewohnern, werden rücksichtslos und unwiederbringlich ausgerottet.

Kolumne

„Biodiesel“, der Klimakiller

  • vonManfred Niekisch
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Die zuständige Ministerin will Palmöl als Treibstoff verbieten. Das passt der Industrie gar nicht, allen gesicherten Erkenntnissen zum Trotz. Die Kolumne.

Biodiesel kommt ins Gerede. Dafür ist es höchste Zeit! Dabei war die Grundidee gar nicht so schlecht, Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen statt aus fossilen Energieträgern. Die Nachfrage nach Palmöl stieg deswegen explosionsartig an.

Heute landet mehr als die Hälfte des Palmöls, das vor allem aus Südostasien in die Europäische Union importiert wird, im Energiesektor und hier vor allem als Beimischung im Biodiesel. In Deutschland sind das um die 200 000 Tonnen jährlich.

Inzwischen hat sich aber wohl bei jedem herumgesprochen, dass für den Anbau der Ölpalmen, aus deren Früchten die gelbliche Flüssigkeit gewonnen wird, riesige Flächen tropischer Wälder abgehackt und verbrannt wurden und werden. Dass unsere Generation das Aussterben der Orang-Utans, dieser charismatischen Menschenaffen Borneos und Sumatras, miterlebt, liegt vor allem an der Ausbreitung der Ölpalmenplantagen.

Unglaublich artenreiche Lebensräume, die Heimat auch von menschlichen Bewohnern, werden rücksichtslos und unwiederbringlich ausgerottet. Die Folgen dieser Zerstörungsorgien haben für die Menschen vor Ort und für das Weltklima dramatische Ausmaße erreicht. Palmöl ist zu einem globalen Problemfall geworden. Und es erweist sich: Biodiesel ist alles andere als Bio.

Diese Wahrheiten gefallen den Vertretern der Biodiesel-Industrie nicht. Ihr Hinweis auf die Zertifizierung des Palmöls kann jedoch keinesfalls über die humanitären, ökologischen und klimatischen Konsequenzen hinwegtäuschen.

Im vergangenen Jahr hat die Europäische Union beschlossen, dass Palmöl als Beimischung zum Biodiesel bis 2030 auslaufen soll. Gut so! Doch noch besser: Die Mitgliedstaaten der EU haben die Möglichkeit, schärfere Maßnahmen schon früher zu ergreifen. Folglich hat das Bundesumweltministerium einen Gesetzesentwurf erarbeitet, mit dem dies sogar schon 2026 erreicht werden soll.

Der Referentenentwurf dazu liegt kaum auf dem Tisch, da reagiert die Branche schon höchst nervös. Der Verband der Biokraftstoffindustrie ging sofort zum Angriff über und behauptet dreist: „Das Bundesumweltministerium verabschiedet sich vom Klimaschutz im Verkehr.“ So als ob ihr Biodiesel ein Beitrag zum Klimaschutz sei.

Dabei produziert Diesel aus Pflanzenöl mehr Treibhausgase als fossiler Diesel, von den übrigen Umweltfolgen einmal ganz abgesehen. Eine Analyse der internationalen Dachorganisation Transport & Environment und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zielt in die gleiche Richtung wie die Initiative aus dem Hause von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Die Argumente sind so klar, dass der Biokraftstoffverband eigentlich nicht daran vorbeikommt, Wille zur Einsicht vorausgesetzt.

Es stört die Branche offenbar noch immer nicht, dass Palmöl ein höchst schmutziger Rohstoff ist für die Herstellung von Biodiesel. Sie ist wohl eher besorgt, dass ihr eine extrem billige Quelle abhanden kommt. Die erscheint allerdings nur so lange günstig, wie man die Kollateralschäden des Anbaus und der Verwendung von Palmöl als Treibstoff einfach ausblendet.

Also Schluss damit! Darin kann man die Bundesregierung nur unterstützen. Dem Druck der Biodieselindustrie kann und muss sie locker standhalten.

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