Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mikrofon von Bild-TV
+
Der neue Sender „Bild-TV“ geht an den Start.

Kolumne

„Bild-TV“: Volkspädagogik mit Julian Reichelt - direkt aus der Hölle

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
    schließen

Darauf hat Deutschland nun wirklich nicht gewartet: den Start von „Bild-TV“. Unsere Autorin hat es sich angeschaut. Die Kolumne.

„Taliban drohen uns mit Krieg … Die Angst vor einem 11. September … Ganz schön viele Liebes-News …“ Was da am 24. August klang wie ein journalistisches Schattenreich kurz vor dem Fegefeuer, ist der real gewordene Traum des „Bild“-Chefs Julian Reichelt: „Bild-TV“, die audio-visuelle Ausgabe des Springer-Blättchens.

Entsprechend wird die Seite 1 künftig nicht mehr nur am Kiosk vor sich hindümpeln, sondern erfährt die Weiterverwertung als Dauerschlagzeile in der Glotze. Im Fall des 24. August ist es eine angebliche Kriegsdrohung gegen „uns“. Nun wird aber eine Falschbehauptung auch im hauseigenen Sender als Dauer-Repeat nicht wahrer, hatten doch die Taliban von „Konsequenzen“ im Falle eines verzögerten Abzugs aus Afghanistan gesprochen. Aber Krieg macht natürlich viel mehr Bäm, und aufgeheizte Stimmung war schon immer gut fürs Springer-Geschäft.

Bild-TV: News-Sender mit Julian Reichelt? Zum Gruseln

Gruselig ist dennoch, dass „Deutschlands News-Sender“ Meinung, Boulevard und personalisierte Nachrichtenvermittlung als „Breaking News“ unters Bild-Volk jubelt. Daher folgt auf die „Taliban-Hölle“ auch ein lustiger Bericht über einen „Promi-Muskelprotz“, der sich beim Tauziehen mit einem Tiger misst, bevor es dann „leider wieder ernst“ wird.

Julian Reichelt, Chefredakteur „Bild“, steht im Studio des TV-Senders „Bild“. Der neue TV-Sender „Bild“ des Medienkonzerns Axel Springer geht erstmals am 22. August auf Sendung.

Bierernst, denn es geht um die Bundestagswahl und die „große Kandidatennacht“, an der sich die Mehrfachverwertung besonders hübsch nachvollziehen lässt. Olaf Scholz und Armin Laschet wurden am Sonntag im TV zum Stelldichein gebeten, und Montag war das Blättchen voll von der „großen Debatte“. Dienstags wird die Story mit der „ersten Umfrage nach der Kanzlernacht“ weitergedreht, wobei die Grünen-Hasser von der „Bild“ Annalena Baerbock da schon per Vokabular wegmoderieren. Die hauseigene INSA-Umfrage – „Deutschland, wie geht’s Dir?“ – schenken wir uns; vielmehr interessiert, was von den Herren Kandidaten hängen geblieben ist. Zumindest so viel, dass Scholz bei der Nationalhymne eine Gänsehaut bekommt und es mit dem „emotionaleren“ Laschet „nie wieder“ einen Lockdown geben werde.

Bild-TV: Die personalisierte Deutschlandfixiertheit nervt

Das sind doch Aussagen ganz nach dem Geschmack der „Bild“, alter wie neuer Prägung: Schmieriger Patriotismus auf der einen, populistische Nonsensstatements auf der anderen Seite. Da kann man Baerbock beglückwünschen, nicht dabei gewesen zu sein.

Btw. nervt diese personalisierte Deutschlandfixiertheit im TV noch mehr als im Blättchen. Auf diesem Konstrukt eines deutschen „wir“, dem ein ausgegrenztes, nichtdeutsches Gegenüber implizit ist, basiert bei „Bild“ generell die Konsumentenbindung – was zu lesen schon klebrig genug ist. Aus dem Bild-Studio aka „Schlachthaus light“ (wie der Berliner „Tagesspiegel“ es tituliert) penetrant herausgeplärrt, vermittelt es jedoch ein Leben in einer rot-weiß gehaltenen Hölle.

Bild-TV: Schmerzen nach drei Stunden zuschauen

Die setzt sich im Mitmach-Format – „machen Sie mit uns Deutschland sicherer“ – weiter fort, wenn im Sinne einer Springer’schen Volkspädagogik an die Blockwartmentalität appelliert wird. Oder wenn sich schließlich Heiko Maas einem „Afghanistan-Verhör“ stellen soll, wobei kaum verwundert, dass sich die „Bild“ mal fix als Gerichtsbarkeit markiert. Immerhin passt es zu ihrer gnadenlosen Selbstüberhöhung und zum „Bild Live“-Chef Claus Strunz, der dem „Kreuzverhör“ gar etwas „Sternstundenhaftes“ andichtet, ohne rot zu werden. Respekt.

Fazit: „Bild-TV“ ist so sehr eine Nachrichtensendung wie Franz-Josef Wagner Anwärter auf den Pulitzer-Preis ist. Doch damit Sie sich nicht auch noch Augen und Ohren mit Seife auswaschen müssen, habe ich drei Stunden lang zugeschaut. Jetzt müssen Sie das nicht mehr tun. (Katja Thorwarth)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare