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„Springer-Deutscher“ – der Homo sapiens der „Bild“ 

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Von: Katja Thorwarth

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Die Springer-„Bild“ konstruiert eine Zwei-Klassen-Welt: „Wir“ und „ihr“.
Die Springer-„Bild“ konstruiert eine Zwei-Klassen-Welt: „Wir“ und „ihr“. © IMAGO/Michael Gstettenbauer

Man kann den Youtuber Reichelt aus der „Bild“ entfernen, das ändert nichts an teils rassistischen Ressentiments des Blattes. Die Kolumne.

„1,8 Millionen Ausländer – Hier für Hartz IV“. Das war die „Bild“-Schlagzeile am 17. November. Was macht dieser Satz mit Ihnen? Was suggeriert er? Und vor allem: Was hat er potenziell für Folgen?

Festzuhalten ist, dass die „Bild“ des Springer-Verlags eine Zwei-Klassen-Welt konstruiert, indem sie bedürftige Menschen subtextuell in Springer-Deutsche und Springer-„Ausländer“ unterteilt. Das Recht auf lebensnotwendige Unterstützung haben die einen also mehr als die anderen. So weit, so rassistisch.

„Bild“ und Springer: Dass „wir“ und „ihr“ Kern von Rassismus und Anfeindungen sind – wann ist das endlich Allgemeinwissen?

Doch was wird alles ausgeblendet? Zum einen die globale Verantwortung eines der reichsten Länder der Welt, das Ursachen für Flucht und Vertreibung mitträgt, wenn man sich allein den CO2-Verbrauch anschaut. Niemand will mit allgemein bekannten Dingen langweilen, aber ginge es nach der „Bild“, würde vermutlich um dieses Land eine Grenze bis zum Himmel gezogen – frei nach dem Voting ihrer Leserschaft.

Zum anderen denke jede:r einmal über die Wirkung solcher Titelzeilen nach. Und zwar über die reale Wirkung für die Menschen, die nicht als Springer-Deutsche gelesen, aber mit „Sozial-Schmarotzern“ assoziiert werden.

Ganz nach dem allseits beliebten Schema, die einen gegen die anderen auszuspielen, wobei es immer darum gehen muss, dass „die“ einen zu „uns“ kommen, um „uns“ – den Springer-Deutschen – etwas wegzunehmen. Dass „wir“ und „ihr“ Kern von Rassismus und Anfeindungen sind – wann ist das endlich Allgemeinwissen?

Springer-Redaktion: Hass und die Ignoranz erfahren eine Legitimation

Die Folgen solcher Assoziationsketten scheinen in den Springer-Redaktionen keinen zu jucken, erinnert sei dennoch an sie: Kinder, die migrantisch gelesen werden, wachsen mit weniger Bildungschancen auf, Familien werden angefeindet, Wohnorte für Geflüchtete angegriffen – um nur einen Bruchteil zu nennen.

Warum ist das so? Weil der Hass und die Ignoranz eine Legitimation erfahren, indem man das Gemeinsame negiert und das Trennende asozial auf die potenziell andere Herkunft runterkocht. Moralischer Kompass konnten sie noch nie bei der „Bild“, also warum aufregen? Weil es schlicht Menschen explizit gefährdet.

Julian Reichelt, Youtuber und Ex-„Bild“-Chef, ist ein Paradebeispiel für Typen, denen jenseits ihrer Karriere alles andere egal scheint. Also einer von denen, die Journalismus als Plattform ihrer Agenda, und Hetze als variabel einsetzbares Spielzeug betrachten.

Julian Reichelt freut sich auf Twitter über „Poster-Boy“ einer extremen Rechten

Hatte er sich bei der TV-Show „Chez Krömer“ im Gesprächsduell erstaunlich wenig im Griff, behält er die Coolness auf Twitter deutlich besser. Dort feierte er unlängst nun diejenigen ab, die Elon Musk wieder mithetzen lässt. Das ist neben Donald Trump zum Beispiel auch Jordan Peterson: „So great to have jordanbpeterson back on Twitter. Die Gedanken sind frei!“

Ja, die Gedanken sind frei, nur wer ist Peterson? Ein „Poster-Boy für die aufsteigende transnationale extreme Rechte“ sei der kanadische Psychologe, der „misogynen Antifeminismus mit Gemeinplätzen des islamophoben Rassismus“ vermische, formuliert es etwa der Politikwissenschaftler Ben Whitham. Das passt zu sehr zu Reichelt, als dass man sich seine Freude nicht bildlich vorstellen könnte. Und die der „Bild“ natürlich auch.

Es ist dieses Egomane, das nicht bereit ist, andere Lebensformen und Kulturen wertzuschätzen. Und es ist auch exakt diese kollektive Befeuerung, die Menschen dazu bewegen kann, Gewalt gegen andere auszuüben. Dass Hetze tötet, können Sie jeden Tag in der Zeitung lesen. Vermutlich aber nicht in der „Bild“. (Katja Thorwarth)

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