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Theater und Kinos sind weiterhin geschlossen.
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Theater und Kinos sind weiterhin geschlossen.

Kolumne

Augen geradeaus auf die Bühne

  • Manfred Niekisch
    vonManfred Niekisch
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Die Politik vernachlässigt in der Corona-Krise die, denen die Bretter Lebensunterhalt und Welt bedeuten. Frisuren scheinen von höherer Priorität zu sein. Die Kolumne.

Das glaubt man Markus Söder sofort. Er würde gern wieder einmal zum Friseur gehen. Seit wenigen Tagen steht es fest: Am 1. März dürfen die Haarkünstlerinnen und -künstler wieder öffnen. Damit ist schon einmal die Gefahr gebannt, dass Deutschland erstmals einen Kanzlerkandidaten mit ungebändigter Mähne oder gar mit Zopf in den Wahlkampf ziehen sieht. Die Figaros und ihre Kolleginnen in den Frisiersalons können sich freuen, dass sie bald den Betrieb wieder aufnehmen dürfen.

Andere Figaros sind da nach wie vor schlecht dran, nämlich die, welche auf die Bühnen wollen, um endlich wieder Arien von Mozart und Rossini zu schmettern. Sie teilen ihren Frust mit allen Mitgliedern der Ensembles der großen und kleinen Theater, mit den Orchestern und dem Personal hinter der Bühne.

Nicht nur, dass sie nicht agieren dürfen, nein, sie spielen – so wie in den Ankündigungen nach den Konferenzen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten – schlichtweg keine Rolle. Widersinniger Wortwitz, dass gerade die, die auf die Bühne gehören, keine Rolle spielen.

Man verlautbart, wer bald wieder öffnen darf, dass Gastronomie und Hotellerie sich weiterhin in (existenzgefährdender) Geduld üben müssen, wie man mit den Sportveranstaltungen umzugehen gedenkt, wie viel Kundschaft in die Läden darf. Doch kein Wort über den Theaterbetrieb beziehungsweise den Theater-Nichtbetrieb. Und das in einem Land, das sich als Kulturnation begreift.

Dabei sitzt das Publikum im Theater mit den Augen geradeaus nach vorn gerichtet, tuschelt allenfalls, bevor die Vorstellung beginnt, und streut, brav und stumm sitzend, weniger Aerosole als in einer Kneipe oder beim Friseur. Eine wenige Tage alte Studie der Technischen Universität Berlin belegt, dass Theater und Opern zuunterst rangieren auf der Liste der Ansteckungsrisiken.

Die Intendantinnen und Intendanten, die Belegschaft und ihre Betriebsräte haben Hygienekonzepte. Und könnten Kreativität zeigen mit virusfeindlichen Inszenierungen. Ob all das der erforderlichen Risikominimierung entspricht, müssen die Gesundheitsbehörden entscheiden. Das ist gut so. Dass aber die Politik die Künstlerinnen und Künstler und alle, welche den Kulturbetrieb leben und beleben, kaum für erwähnenswert hält und ihnen keine Perspektive gibt, ist, um im Genre zu bleiben, ein Trauerspiel. Und nicht gut so.

Die Pandemie stellt alle, die politische Verantwortung tragen, vor neuartige Probleme, und man muss Prioritäten setzen. Eben, genau das. Es kann doch nicht sein, dass das die Pressekonferenzen bestreitende Merkel-Müller-Söder-Trio die, denen Bretter zumindest den Lebensunterhalt, wenn nicht die Welt bedeuten, mit keinem Wort erwähnt und damit signalisiert: Für Euch sehen wir erst einmal keine Lösung, schon gar nicht in nächster Zukunft; jetzt kriegt ihr erst einmal ordentlich Frust, aber irgendwann in der Zukunft sollt ihr uns dann wieder mit schönen Stimmen und packendem Spiel erfreuen. Was ist das für eine Haltung?

Die Forderung an die Politik muss lauten: Augen geradeaus, auf die großen und kleinen Bühnen gerichtet, gerade so wie einst die derzeit darbenden Theaterfans, und Kultur wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Dann ist der Applaus gewiss, von einem ordentlich frisierten Publikum.

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