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Ein Arbeiter trägt Baumaterialien, die aus den Trümmern von Gebäuden recycelt wurden und die während des Konflikts zwischen der Hamas und Israel zerstört wurden.
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Ein Arbeiter trägt Baumaterialien, die aus den Trümmern von Gebäuden recycelt wurden und die während des Konflikts zwischen der Hamas und Israel zerstört wurden.

Kolumne

Aufbruchstimmung in Israel

  • Inge Günther
    vonInge Günther
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Wohin die Reise der künftigen Regierung geht, entscheidet sich unterwegs. Die Kolumne.

Möget Ihr in interessanten Zeiten leben.“ Das klingt nach Konfuzius, was aber nicht belegt ist, genauso wenig wie eine chinesische Urheberschaft. Auch gehen die Meinungen auseinander, ob die Zeile als netter Wunsch zu verstehen ist oder doch eher als Fluch.

Journalistisch gesehen sind Flauten, in denen sich wenig tut, nicht gerade ein Highlight. Nach den Non-Stopp-Dramen der jüngsten Zeit freue allerdings auch ich mich, Jerusalem mal wieder mit dem vergleichsweise beschaulichen Berlin eintauschen zu können.

Der Strudel turbulenter Ereignisse jedenfalls hatte es in sich: Wahlen in Israel, die sich vieldeutig wie das Orakel von Delphi auslegen ließen, abgesagte Wahlen in Palästina, die im Volk für Frust und Enttäuschung sorgten. Aufmärsche jüdischer Ultranationalisten, parallel zu arabischen Protesten wegen Räumungsklagen im Ost-Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah sowie blutige Zusammenstöße an heiligsten Stätten.

Dann elf Tage eines erbarmungslosen Kriegs, bombastisch provoziert von der Hamas, samt Raketenalarm bis hin nach Tel Aviv sowie in Asche und Rauch aufgehende Hochhäuser in Gaza. Das Ganze begleitet von innerisraelischen Unruhen. Schließlich eine Waffenruhe ad hoc, die den Horror beendete, aber nichts nachhaltig gut gemacht hat. Woraufhin im Jerusalemer Koalitionspoker die Karten wieder neu gemischt wurden. Diesmal unter Ausschluss von „Bibi“, alias Benjamin Netanjahu.

Bisweilen wähnten wir uns in einem Film mit überfrachtetem Drehbuch. Aber passiert ist all das im echten Leben binnen Wochen. Entsprechend verbreitet ist das Bedürfnis allenthalben nach einem unaufgeregten „normalen“ Alltag jenseits von Corona-Krise, Gaza-Krieg und politischer Machtkämpfe.

Wenn man nur wüsste, dass es ohne „Bibi“ besser wird. Die palästinensischen Erwartungen an einen Regierungswechsel in Jerusalem sind denkbar gering. Bemerkenswert höher sind sie unter liberalen Israelis, die den beiden Premierministern in spe, Naftali Bennett und Jair Lapid, feste die Daumen drücken nach dem Motto: Möge die Ablösung Netanjahus gelingen. Verrückte Zeiten fürwahr! Wer hätte sich noch vor kurzem vorzustellen vermocht, dass ein nationalreligiöser Siedlerlobbyist wie Bennett im Verein mit politischen Kräften von links über die Mitte bis rechts-außen plus einer Handvoll islamischer Realos die Macht im Staate Israel übernimmt?

Und noch während die Hoffnungen auf diese multiple Koalition hochfliegen, schleicht sich im Hinterkopf der Gedanke ein, womöglich nur einer Projektion aufzusitzen. Einer Illusion von gleichberechtigtem Miteinander, die verkennt, wer in diesem widersprüchlichen Regierungsbündnis das größere Gewicht besitzt. Die Wippe, auf der es die Balance halten muss, ist mit Bennett und Co eben doch ziemlich rechtslastig.

Den palästinensischen Konflikt glaubt man zwar ausklammern zu können. Aber der Status quo heißt eben auch Fortdauer der Besatzung. Schon ein provokatives Siedlervorhaben könnte für Krach im Kabinett sorgen. Es sei denn, die Linken von Labour und Meretz lassen sich mit Rücksicht auf den Koalitionsfrieden einwickeln.

Mit weiterhin bewegten Zeiten in Nahost ist so oder so zu rechnen. Immerhin, ein erster Schritt ist getan (vorausgesetzt, das Bennett/Lapid-Team passiert am Sonntag das zur Amtsübernahme nötige Knesset-Votum), der Aufbruchstimmung erzeugt. Wohin die Reise geht, entscheidet sich unterwegs.

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