Vegan-Koch Attila Hildmann spricht mit Gasmaske vor dem Berliner Reichstag
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Vegan-Koch Attila Hildmann radikalisiert sich immer mehr.

Vegan-Koch dreht frei

Attila Hildmann sagt: „Ich bin der Gute“ und träumt von der Todesstrafe

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Vegan-Koch Attila Hildmann hangelt sich von einer kruden Verschwörungstheorie zur nächsten. Ein Kommentar als Fortsetzungsgeschichte.

Richtig, nicht jeder extrem Rechte verdient Aufmerksamkeit. Einer wie der Vegan-Koch Attila Hildmann durchaus. Weil man den nicht nur als irre, sondern möglicherweise auch als gefährlich einstufen kann. Aber lesen Sie selbst:

Attila Hildmann, Teil 6 vom 20. Juli 2020

Attila Hildmann, rechtsgedrehter Pseudo-Revolutionär, kennt keine Sommerpause. Man sollte ja meinen, der Mann, der dank Corona die traurige Berühmtheit eines freigedrehten Kochs erlangt hat, müsse auch mal ein bisschen verschnaufen. Müsse innehalten ob der zahlreichen Auftritte vor dem Berliner Reichstag, den gefühlt 88 Posts pro Minute auf Telegram, den Erklärbärvideos bezüglich Kommunisten-Merkel oder der linksfaschistischen Lügenpresse - also einfach mal die Seele baumeln lassen bei einem leckeren Vegan-Drink aus der eigenen Giftküche.

Weit gefehlt, aber dann wäre er ja auch nicht Attila. Am Samstag (18.07.) fuhr er gar mit einem weiß-grünen Werbeporsche zu seiner Kundgebung vor, den Arm lässig aus dem Fenster gelehnt, und natürlich nicht, ohne den Motor publikumswirksam und krass männlich mehrfach aufheulen zu lassen.

Attila Hildmann stellt sich ungeniert zur Schau

Männern, die mit lautem Motorengeräusch die Blicke auf sich ziehen, sagt man eigentlich kein besonders ausgeprägtes Selbstbewusstsein nach, in puncto Hildmann dürfte dies getrost als unzutreffend abgehakt werden. Kaum einer stellt sich so ungeniert zur Schau, macht aus jedem Denkunfall, der durch sein Hirn geistert, einen Post in den sozialen Netzwerken und schämt sich auch nicht dafür, zwischen rechtsnationalen Revolutionsaufrufen seine Accounts mit Eigenwerbung zuzukleistern. In dieser Konsequenz praktiziert das nur Hildmann, der die Reichskriegsflagge 1933-35 wedelt und stolz darauf ist, ein „ultra Rechter" zu sein. Das hatte er vor einigen Wochen noch weit von sich gewiesen.

Geschenkt, „Attila, Attila, Attila“ rief ihm die Menge vor dem Reichstag voller Ehrfurcht zu: ein Mann, ein Volksheld und einzig diskreditiert durch die grünversifften Medien. „Wenn ich Reichskanzler wäre, dann würde ich die Todesstrafe für Volker Beck wieder einführen, indem man ihm die Eier zertrete ...“, schmetterte er in den blauen Sommerhimmel, „wacht auf, wacht auf“ folgte aus der Menge als inhaltliche Replik. Dass Hitler ein Segen im Vergleich zu Merkel gewesen sei, hatte er in der Vergangenheit bereits formuliert, dies musste dennoch erneut Erwähnung finden, damit bloß nicht die Verharmlosung der Shoa zu kurz komme. Das weitere Geschwurbel bezüglich Corona-„Lüge“ und Bill Gates und Medien und „Bolschewiken-Republik Deutschland" bleibt an dieser Stelle unerwähnt. Interessant ist hingegen, dass sich Hildmann einen Tag später bemüßigt sah, seinen Angriff auf Volker Beck in ein anderes. sprich sein Licht zu rücken.

Attila Hildmann warnt die deutsche Lügenpresse

„Ich möchte mal eine Ansage machen an die deutsche Lügenpresse und alle Menschen, die meinen, dass sie das Recht haben, schlecht über Attila Hildmann zu sprechen.“ Sagt’s, und pocht unterstreichend mit dem rechten (sic) Zeigefinger auf die Tischplatte. Alles sei nur „billigste Hetze“, die ihn nicht davon abhalte, seine Meinung zu sagen. Das trompetet tatsächlich der Mann, der von der Todesstrafe gegenüber politischen Gegnern träumt. Aber das hat er natürlich alles nicht so gemeint, war ja ein Konjunktiv, wie Hildmann einordnet. Gleichsam hätte er „das Wort Reichskanzler benutzt“ und sich eben nicht als Bundeskanzler imaginiert. „Und dann formuliere ich eben das, was ich formuliert habe, und dann zeigt mich Volker Beck an.“ Entsprechend sei er jetzt Thema anstatt Volker Beck und der „pädophile Antifaschismus“. Parallel warnt er die Presse - „wie könnt ihr es wagen ...“ -, weil diese dafür sorge, dass „die Menschen immer mehr aufwachen“. Ach, und ich dachte, der Attila Hildmann ist derjenige, der die Massen wachrüttelt und aus einer Herde Schlafschafe stolze aufgeweckte Patrioten macht.

Was er alles für das Land getan habe, referiert er in einem kurz vorher veröffentlichten Video, inszeniert als eine wahrlich famose Selbstabfeierei. Er habe die Menschen an ein gesünderes Leben herangeführt, habe ein „sehr gutes Herz“ und viele hätten abgenommen durch IHN, die „Fernsehpersönlichkeit“ (Hildmann) - doch all das sei mittlerweile vergessen. Dabei sei immer gefährlich gewesen, was er tat, Attila, der Held ohne Furcht und Tadel aka brauner Robin Hood. Als Berliner Junge habe er eine Firma hochgezogen, das hätten viele versucht, erfolglos, selbstredend. Arbeitsplätze hätte er geschaffen, Bäume gepflanzt etc. pp. Niemand habe das Recht, „schlecht über ihn zu schreiben“ oder zu sprechen. „Ich bin der Gute hier.“

Attila Hildmann posaunt faschistoiden Käse unters Volk

Ok, halten wir in einem vorläufigen Fazit fest: Attila Hildmann hat sich in seinem ihm impliziten Extrem von der Küche auf die Politik verlagert. Davon versteht er nur leider nicht so viel, weshalb es ihm vermutlich nicht einmal bewusst ist, was für einen faschistoiden und den Nationalsozialismus verharmlosenden Käse er unters Volk posaunt. Offensichtlich gibt es tatsächlich einige Verirrte, die dem Mann, den man sich als wandelndes Klischee nicht besser ausdenken könnte, inhaltlich sogar folgen. Das ist bisweilen verstörend, sollte aber nicht davon ablenken, seinen Einfluss durchaus ernst zu nehmen.

Und auch wenn die Lösung so einfach wäre, Hildmann auf den schrägen „Irren“ zu reduzieren und zu pathologisieren, wird ihm nicht gerecht. Teils kommt er zwar naiv daher, wenn er mit einem Dackelblick von den „Interessen des deutschen Volkes" schwadroniert. Tatsächlich verbreitet er übelst nationalistische Thesen, wie sie in völkischen Erziehungslagern auch nicht radikaler formuliert werden dürften. Entsprechend ist Hildmann eine wandelnde Zeitbombe, mit der sich endlich einmal die Staatsanwaltschaft näher befassen sollte. Fortsetzung folgt.

Attila Hildmann, Teil 5 vom 28. Juni 2020

„Wir demonstrieren für Grundrechte, Menschenrechte, gegen die Pharmamafia … ihr denkt, ihr seid Antifaschisten? Ihr seid Faschisten“, alles klar, Attila Hildmann. „Wir werden eure Namen finden, und dann gucken wir weiter“. „…Ihr Tastaturgangster – ich weiß genau, wer ihr seid“. Uiuiui, ist ja schon schweres Geschütz, das der ehemalige „Let’s Dance“-Teilnehmer auf der Demo in Berlin aufgefahren hat. Seine Fans haben schließlich auch einen Pressevertreter angegangen. So ganz vegan sind seine Anhänger auch nicht, oder was hat es mit dem „King of the Grill“ auf sich (siehe Screenshot)?

Aber Spaß beiseite. Kann sich endlich mal die Justiz um diesen Typen und seine Anhänger kümmern? Merci.

Attila Hildmann, Teil 4 vom 26. Juni 2020

Wer denkt, dass es um Attila Hildmann mittlerweile ruhig geworden ist, der täuscht sich gewaltig. Kürzlich erst hat er erklärt, dass Kanzlerin Merkel, diese „Kommunistin“, schlimmer sei, als Adolf Hitler: „HITLER WAR EIN SEGEN FÜR DEUTSCHLAND IM VERGLEICH ZU MERKEL DIESER KOMMUNISTIN.“ 

Das sagt einer, der sich stets von der extremen Rechten - eigenlogisch erfolglos - zu distanzieren versucht. Sich allerdings, man könnte sagen manisch, an China abarbeitet. Dort würden „eine Millionen Menschen in Konzentrationslager“ eingesperrt und gefoltert. Ach. Und was, Herr Hildmann, hat Hitler gemacht? 

Attila Hildmann und das Coronakillervirus

Geschenkt, die Fakten basierte Ratioebene ist dem Mann fremd, der „Mein Kampf“ gleich mal als Slogan für sich adaptiert hat. Nur, welchen Kampf führt er? Das Coronavirus, das er „Zwinker Zwinker“ in einer Rede in Berlin ironisch als  „Coronakillervirus“ abtut, ist, kommt dieser aus China, gleich eine ganz andere Nummer: Von dort wird Corona zum „leisen Angriffskrieg ... auf die Freie Welt“. Und aufgrund eines „neuen Ausbruchs“ - nein, er meint nicht Tönnies, sondern Peking - müssten Flugverbindungen zu China nach dem Vorbild Donald Trumps „gekappt“ werden. Eben wegen eines „schlimmen Killervirus“. 

Herr Hildmann, ja was denn jetzt? Schlimm oder ein linksversiffter Merkel-Fake? Seine Anhänger scheint das nicht zu irritieren. Ach ja, Lufthansa, demnächst vermutlich umbenannt in „Merkel-Airline“, fliegt wohl bald rot lackiert und mit gelben Sternchen - cool.

Corona-Lockdown - und alles nur wegen China

Und natürlich nur nach China, um die „im Herbst geplante, zweite Viruswelle“ zu legitimieren. Weil, ey Leute, der Lockdown für alle mit der Virusinvasion aus dem kommunistischen China gerechtfertigt wird. Nächster Logik-Bruch. Warum sollte China-Merkel ihre eigenen Strippenzieher schlecht machen?       

Weiß Hildmann vermutlich selbst nicht, aber was er ansonsten betont ist, kein Antisemit zu sein. Was er hingegen postet, ist beispielhaft ein Text mit folgendem Inhalt: „Merkel – Zionistische Jüdin – Mitglied des B’nai-B’rith-Ordens “ ist der Artikel übertitelt, der sich auf den längst wiederlegten „Kalergi-Plan“ bezieht. Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, der die Utopie eines „Paneuropa“ entwarf und gegen den Judenhass anschrieb, floh bereits 1938 aus Deutschland. Was er wollte, war eine europäische Völkerverständigung, schlicht, um Kriege zu verhindern. 

Attila Hildmann im Verschwörungsnebel

Die extreme rechte Verschwörungskaste, die es mit dem Frieden so gar nicht hat, jubelte ihm schnell einen Plan unter, der dem völkischen Rasse-Ideal entgegensteht. Da wird Völkerverständigung gerne mal in einen bürgerkriegsähnlichen Kontext gestellt - von wegen UNSER VOLK STIRBT AUS. Auf dem Ticket fährt auch Hildmann. „Ich habe mit keinem Wort gesagt, ich hätte etwas gegen Juden!“, nein, Attila Hildmann, müssen Sie auch nicht explizit. Hitler zu verharmlosen, reicht völlig aus. 

Immerhin will er „nicht Bundeskanzler werden“, und seine Distanzierung zum Nationalsozialismus kann man sich auch nicht ausdenken: „Nazi heißt doch ‚Nationalsozialist‘. ...Das bin ich nicht. ich bin kein Kommunist und kein Sozialist. Ich bin deutscher Nationalist.“ Na, wenns weiter nichts ist, können wir Schlafschafe ja zurück unters Deckchen und zu Bill Gates aka Christian Drosten beten.

Hildmann verliert gegen Antifa  

Derweil versucht Hildmann, mit einem selbst ernannten Panzergrenadier, einem richtig stolzen Deutschen, der „jeden Befehl von Schwarz-Rot-Gold“ verweigere,und dem Urenkel des letzten deutschen Kaisers, die US-Botschaft für einen Systemwechsel zu gewinnen. Dass der Reservist ein Fake ist, hat t-online herausgearbeitet. Leider ist es der US-Botschaft unangenehm, als Hoffnungsträger für Verschwörer à la Hildmann überhaupt auf dem Zettel zu stehen. Der setzt halt auf Trump, da müssen sie durch. 

Eine knallharte Niederlage, das muss man ihm zugute halten, kommuniziert er offen: „Sieg der ANTIFA gegen ATTILA HILDMANN“, die den „Tierschützer und Kämpfer für Gerechtigkeit MUNDTOT“ gemacht hat„... und das im „tiefroten Kommunistenstaat“. Offensichtlich ja nicht. Also wieder ein Logikprob... Ach, lassen wir das. 

Attila Hildmann, Teil 3 vom 09.06.2020

Was bisher geschah, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Attila Hildmann, Vegan-Koch, Restaurantbesitzer und ehemaliger „Let’s Dance“-Kandidat (Platz 12) scheint innerhalb kurzer Zeit seine berufliche Existenzgrundlage gegen die Wand zu fahren. Das Coronavirus trägt daran lediglich eine Sekundär-Schuld. Primär hangelt sich der Mann seit Wochen von einer kruden Verschwörungstheorie zur nächsten, um sich parallel zum Deutschland-Retter aufzublasen. Denn eins haben die Hildmanns, Naidoos, Munds und Jebsens gemein: Ihr Kernauftrag ist der Nationalismus.

Attila Hildmann veröffentlicht neues Video: Der Dritte Weltkrieg ist im Gange 

Aber zurück zu Hildmann und dessen neustem Werk vom 4. Juni 2020, das er als das „wichtigste Video seines Lebens“ markiert. Die schlechte Nachricht zuerst: Der Dritte Weltkrieg ist im Gange. Und wer ist schuld? Corona aka „Eliten gemachte Pandemie“ und, logo, Angela Merkel. Wer hätte das gedacht. Hildmann hatte von Tag 1 an ein „Bauchgefühl“, machte sich „auf die Suche“ nach der Wahrheit und „weiß“ immerhin jetzt, was passiert. 

Attila Hildmann dreht mal wieder an der ganz großen Schraube.

Lockerungen seien „Zuckerbrot und Peitsche“, mindestens „18 Monate Lockdowns“ seien vom „Regime“ geplant gewesen; doch vor lauter Angst vor den „Menschen, die für die Freiheit Deutschlands auf die Straße“ gehen, sei dieser Plan erst einmal ad acta gelegt worden. Ach, wegen den paar Hanseln ändert die „Elite“ ihr teuflisches Vorhaben?

Attila Hildmann: Die „neue Achse des Bösen“ dreht sich um Merkel

Natürlich nicht, alles Teil einer „Agenda“. Schließlich durften wegen Corona „bis vor Kurzem die Frauen nicht ins Kosmetikstudio“, für Hildmann ein erwähnenswert dramatischer Punkt. Ebenso die „Insolvenz“ bzw. „Verstaatlichung“ von Lufthansa. Liest der Mann denn gar keine Zeitung? Nein, ist ja alles Lügenpresse, die einer von der „Pharmamafia gelenkten Regierung“ nach dem Mund schreibt. Beziehungsweise der „neuen Achse des Bösen“, die sich um die Person Merkel dreht, die „seit 16 Jahren“ Deutschland „finanziell aussaugt“ und „eure Steuergelder“ verteile. Insbesondere verteilt sie die natürlich nicht in „Deutschland“, sondern – bäh – angeblich selbstlos in der EU. Da sollte er mal die Griechen fragen, was die von dieser steilen These halten.

Das Kernproblem sind jedoch ihre „Kontakte nach China“. Merkel war im September 2019 in der Millionenstadt Wuhan, kurz danach brach die Pandemie aus – und dann sei auch noch die Chefin der WHO Chinesin. Stimmt halt nicht, Margaret Chan wurde 2017 vom Äthiopier Tedros Adhanom Ghebreyesus abgelöst. Ist aber auch alles wurscht, weil Merkel eben ganz dicke mit, logo, Bill Gates ist und nie „ihre kommunistischen Prinzipien verriet“. Geht da nicht noch mehr? Klar doch, denn „Merkel sieht sich als Führerin eines neuen europäischen kommunistischen Reichs nach dem Vorbild Chinas“. Wow.

Angela Merkel macht aus Europa einen kommunistischen „Ameisenstaat“ – sagt Attila Hildmann

Darum geht es also, Coronavirus, alles ein Fake, damit Merkel aus Europa einen kommunistischen „Ameisenstaat“ (A.H.) machen kann. Analog zu China, wo die Menschen selbst nix eigenes reißen, weil die ganze „Wirtschaftsmacht“ aus Ländern wie dem glorreichen Deutschland, dem „Land von Dichtern, Denkern, Wissenschaftlern und Erfindern“ kommt. Das ist halt Rassismus auf den Punkt, da kann Hildmann sich distanzieren, wie er Zeit hat.  

Weiter folgt das übliche Geschwurbel des angeblichen Besatzungsstaats (hat er das bei Naidoo abgeschrieben?), Chips, die den Menschen unter die Haut gespritzt werden („Transhumanisten“) und einem Deutschland, das sich angeblich noch im Zweiten Weltkrieg befindet. Angesprochen werden „deutsche Patrioten“, die vermutlich auch ein Kerninteresse daran haben, dass Frauen ins Kosmetikstudio gehen. 

Die fixe Idee des Attila Hildmann

Merkel („Kommunistin“ gegen die „freie Welt der Amerikaner“) und China - das ist die fixe Idee eines Attila Hildmann, der ansonsten ziemlich Deutschland-fixiert ist. Und scheint’s seinen Führungsanspruch von sich auf andere projiziert, denn immerhin befinden „wir uns im Dritten Weltkrieg“. 

Da jauchzt das Nationalistenherz, denn schließlich geht es in diesen Kreisen um nichts anderes, als eine Unfreiheit eines Landes zu behaupten, um sich gleichsam als Freiheitskämpfer in Stellung zu bringen. Billiger Trick, den die Identitären und teils auch die AfD ähnlich praktizieren, denn Angst- und Panikmache ist genau deren Geschäft. Nur nicht ganz so irre, wie es Hildmann betreibt.

Attila Hildmann, Teil 2:  Bill Gates und die große Corona-Verschwörung

Die gute Nachricht zuerst: Entgegen der Ankündigungen von Attila Hildman, in der Riege der Verschwörungstheoretiker berühmt gewordener Vegan-Koch, hat sich das Land seit dem 15. Mai 2020 nicht spürbar verändert. Zumindest nicht dahingehend, wie es Hildmann auf allen ihm zur Verfügung stehenden sozialen Medien orakelt hat. 

Die „bösen Mächte“ aka Regierenden haben nicht ihre „Masken“ abgenommen und der bundesrepublikanischen Demokratie im Zuge der Corona-Krise ein Ende bereitet. Auch wenn er in einer Rede vor dem Berliner Reichstag am Samstag von dieser Vision nicht ablassen wollte. 

Attila Hildmann: Bill Gates und die Corona-Diktatur

„Liebe Freunde der Demokratie“, begrüßte der Koch jene Anhängerschaft, die - Applaus Applaus, „große Sorgen um die Zukunft dieses Landes“ hätte - „und diese Sorgen sind berechtigt.“ 

Was dann folgte, war das übliche Geschwurbel von einer „Pharmamafia“, die das Land regiere, von „kleinen Eliten“, die nur „Böses“ vorhätten. Natürlich auch von den düsteren Plänen eines Bill Gates und eigenlogisch von Meinungen, die man angeblich nicht sagen dürfe - obwohl insbesondere Hildmann seit Wochen nichts anderes tut. 

„Wir sind schon mitten im Faschismus und in der Diktatur“, zog er seine Schlüsse. Wäre dem so, hätte er seinen kleinen Vortrag keine zwei Minuten halten können. Aber Widersprüche zu erkennen, war noch nie die Kernkompetenz von Verschwörungstheoretikern. 

Attila Hildmann, Teil 1: In Corona-Zeiten dreht Koch Attila Hildmann frei

Attila Hildmann ist Koch und Autor von Beruf. Zahlreiche Bücher über die vegane Küche hat er bereits veröffentlicht, sein Werk „Vegan for Fun“ wurde 2012 vom Vegetarierbund Deutschland als „Buch des Jahres“ ausgezeichnet.

Mit dem Erfolg kamen auch die TV-Auftritte: „Menschen bei Maischberger“, TV total und im „Nachtcafé“ war er zu Gast. Selbst bei „Let‘s Dance“ durfte er 2016 ran und belegte einen beachtlichen 12. Platz.

Doch in Corona-Zeiten dreht Hildmann völlig frei. Wer sein Profil auf Facebook scannt, kommt zu dem Schluss, dass der Begriff der „Verschwörungstheorie“ seine Agitation nur unzureichend beschreibt.

„Unsere Telegram Gruppe ist Hüter der Wahrheit in einer Welt der Lüge und Manipulation! Es ist eure Pflicht sie zu verbreiten! Schickt den Link an ALLE KONTAKTE! “, forderte Hildmann am 30. April, also mitten in der Corona-Krise und obwohl er noch am 27. des selben Monats dazu aufgerufen hatte, mit „absolut ruhiger Sachlichkeit“ zu überzeugen.

Attila Hildmann: Verwies Olympia 2012 bereits auf Corona 2020?

Was er darunter versteht, sieht man beispielsweise an diesem „Telegram“-Beitrag: „Eröffnungsfeier Olympia 2012! Zufall? Oder lange geplant und hier als Zeremonie angekündigt, was kommen wird? Schaut es euch zumindest an! Verstörend!“ Gemeint ist die Eröffnungssequenz in London, die den National Health Service mit Kindern in Krankenbetten inklusive Gesundheitspersonal feiert – wobei dies nun nicht das Bild ist, das zur aktuellen Corona-Pandemie passt.

Weiter könnte nach Einschätzung (sic) der Bundesbildungsministerin Karliczek ein regulärer Schulbetrieb erst dann möglich sein, wenn große Bevölkerungsgruppen gegen das Coronavirus geimpft seien. Diese Einschätzung muss man nicht teilen, doch was macht Hildmann daraus? „Unsere Kinder sollen dran glauben.“

Coronavirus: Am 15.5. ist Stichtag - sagt Koch Attila Hildmann  

Beziehungsweise verloren sind wir eigentlich alle und zwar bereits am 15. Mai: „Sind meine und Theorien (und die) anderer korrekt dann werden wir von den dunkelsten Mächten regiert und am 15.5 Mai nach dem INKRAFTTRETEN der Gesetzesnovelle werden SIE ALLE IHRE MASKE ABNEHMEN und ihr wahres Gesicht zeigen!“ Wer die dunkelsten Mächte der Weltverschwörung sind? Vermutlich neben Bill Gates und der Rockefeller Foundation auch die Bilderberger – „Googelt alle Regierenden und dazu das Wort ‚Bilderberger‘ ... ES SIND ALLES FEINDE UNSERER DEMOKRATIE!“. Also die üblichen Verdächtigen, die stets bei Verschwörungstheorien rund um radikale Impfgegner und Querfrontler herhalten müssen. Das galt vor der Corona-Krise und das gilt auch währenddessen.

Wer sich nicht impfen lasse, verliere seine Grundrechte, Bundeswehreinsätze im Innern werden herbeifabuliert und zwar nicht in ihrer unterstützenden Funktion, wie das in der Corona-Krise bereits der Fall ist, sondern: „Dann kann auch der Bundesrat ausgehebelt werden. Demokratie wird zur Diktatur! AN DAS DEUTSCHE VOLK: erhebt euch!“ Ja, hier ist wirklich „Alarmstufe rot“ in ihrer kompletten Ausgestaltung, wobei der Adressat eindeutig formuliert ist: Das deutsche Volk. Was ist denn mit all den Nicht-Deutschen? Werden die quasi als Schlafschafe erst gar nicht mitgedacht? 

Vegan-Koch Attila Hildmann sieht im Corona-Virus die große Verschwörung.

Attila Hildmann in der Corona-Krise: „Maske ist das neue Hakenkreuz???“

Aber er kann noch mehr: „Maske ist das neue Hakenkreuz“???“, setzt er selbst in Anführungszeichen, ohne jedoch zu formulieren, von wem er diese famose Aussage hat. Wenn auch mit drei Fragezeichen versehen, verharmlost dies so ganz nebenbei den Nationalsozialismus.

Dazwischen Bilder von Attila H. in martialischer Aufmachung: einmal in altertümlicher Rüstung mit Schwert, grimmig zur Seite blickend, ein anderes Mal mit Knarre in der Hand, wohl um zu suggerieren, dass er damit ja eigentlich gar nichts am Hut hat („und hier noch ein paar Waffenbilder...“).

Könnte man tatsächlich ignorieren, täten diese Posen nicht einfach verdammt gut zu seinen Posts passen à la: „Gehe ich im Kampf für unsere Freiheit drauf, dann nur mit Waffe in der Hand und erhobenen Hauptes! Aber es war es dann wert, denn die Wahrheit wurde aufgezeigt! … Andererseits: dieser Kampf kann uns jetzt auch die politische Macht bringen wenn wir es klug angehen!“

Corona-Krise: Attila Hildmann auf den Spuren von Xavier Naidoo?

Und langsam wird aus dem ganzen Irrsinn ein Schuh. Ist doch das Ziel der Querfrontler nicht neu, die Grenzen von rechts und links zu überwinden, um schließlich den demokratischen Staat ins Wanken zu bringen – mit einem Konglomerat aus Verwörungstheoretikern, Rechtsextremen und Reichsbürgern. 

Das haben sie bereits erfolglos 2014 versucht, als die sogenannten Mahnwachen jeden Montag den Frieden predigten und gleichzeitig den Staat in seiner Jetzt-Form in Frage stellten. Seinerzeit war bereits Xavier Naidoo mit von der Partie, der sich den Reichsbürgern angedient hatte. In diesem Mix will sich also nun der Vegan-Koch aus Berlin als Frontfighter etablieren. Wenn es nicht so gruselig wäre, es wäre einfach nur zum lachen. 

Die fehlenden Satzzeichen in den Zitaten wurden nicht ergänzt, weil eventuell eine weitere Aussage dahinter stecken könnte. (KT)

Nach wiederholten Lynch- und Morddrohungen des Corona-Leugners und veganen Kochs Attila Hildmann gegen den Grünen-Politiker Volker Beck hat dieser Anzeige erstattet.

Der Vegan-Koch Attila Hildmann ist in der Corona-Krise mit Verschwörungstheorien aufgefallen. Seine Tiraden haben nun Konsequenzen.

Nun sorgt auch Benedikt Kuhn, Gründer des Unternehmens „Bembel with Care“ mit einem rechtsideologischen Post als „Apfelweinbaron“ für Empörung. Eine Erklärung der Kontroverse.

In der Pandemie sieht eine Gruppe von Bischöfen eine Weltregierung am Werk. Die Kirchenmänner bedienen sich klassischen Corona-Verschwörungstheorien. Es ist wichtig, angebliche Verschwörungen zu analysieren und Argumente gegen sie zu finden. Dann überzeugen Verschwörungstheorien nicht mehr. Die Kolumne.

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