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Kolumne

Armin Laschet: Eine rätselhafte Entscheidung der CDU

  • Richard Meng
    VonRichard Meng
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Armin Laschet kommt nicht gerade sympathisch rüber. Trotzdem stellte ihn die Union bei der Bundestagswahl 2021 an die Spitze. Warum machen Parteien so etwas? Die Kolumne.

Berlin - Modernität geht immer. Seit Kickers Offenbach vor fast 50 Jahren die modernste Flutlichtanlage Europas einweihte und Berlin 2011 den modernsten Flughafen der Welt nicht eröffnete, gibt es für die Verwendung des Begriffs modern keine Grenzen mehr. Demnächst nun, aller Voraussicht nach: die modernste Koalition überhaupt. Soziales und Umwelt und Wirtschaft versöhnt in einem Kabinett. Wenn das mal nicht Fortschritt ist (und die FDP es nicht noch verhindert).

Ob es so weit kommt und wie viel echten Fortschritt die Ampelkoalition bringen wird, wissen wir nicht. Aber kurz nach Wahlen gilt immer das Prinzip Hoffnung, ist die sonst so verbreitete Skepsis zurückgedrängt. Alle wollen bei den Siegern sein, was ja auch die Meinungsumfragen danach immer belegen. Also erleben wir ein paar Wochen, in denen Volkes neuer Geschmack über allem steht und viel Eifer darauf verwendet wird, diesem Geschmack möglichst zu huldigen.

Warum Armin Laschet? Es bleibt ein Rätsel.

Armin Laschet: Alles andere als sympathisch

So kommen auch allerlei billige Erkenntnisse zustande, die vor der Wahl nicht ausgesprochen wurden. Dass etwa die CDU denkfaul geworden ist, wie Christdemokrat Friedrich Merz befand. Oder dass junge Männer, die FDP wählen, nach Corona so etwas wie Freiheit im Sinn haben. Oder dass, so jetzt ausgerechnet die AfD-Jugend, „ein sympathischeres Kandidatenfeld“ dringend nötig wäre.

Es bleibt eines der letzten großen Rätsel des Politikbetriebs, wie es passieren kann, dass Parteien Leute wie Armin Laschet an die Spitze setzen, die nicht als sympathisch rüberkommen. Sehr oft war das so, diesmal eklatant bei der CDU. Ein anderes weniger großes Rätsel: Immer wieder werden Parteien nur nach ihren Umfragedaten taxiert. Stehen sie schlecht da, traut man ihnen wenig zu, hält sie gerne für gestrig und überaltert. Die SPD erlebt gerade, wie sich optische Täuschungen auflösen können, aus denen fast schon Selbstwahrnehmung geworden war.

Ampelkoalition: Schon im Frühjahr bei den Landtagswahlen droht der Verteidigungskampf

In dieser Geschmacksverstärkerphase ist auf grüner Seite vom historischen Moment die Rede. Eine Art Epochenwandel also, etwas Großes. Die wahre Herausforderung ist profaner. Unterstellt, dass die Ampelkoalition zustande kommt und sich sogar hohe Ziele setzt, zum Beispiel klimapolitisch: Dann droht schon im Frühjahr bei den Landtagswahlen der Verteidigungskampf. Saarland, Schleswig-Holstein, NRW – die CDU hat noch viel zu verlieren, was aktuell ihre Hühnerhaufenperformance erklärt.

Umso massiver wird sie jeder Berliner Ökoregierung vorhalten, an den Energiepreisen schuld zu sein und kein Gefühl zu haben für die kleinen Leute. Von Entzauberung werden sie sprechen, ganz wie 1998/99 nach dem Start von Rot-Grün. Wer am härtesten draufhaut, wird die größte Resonanz haben – wie damals der hessische Christdemokrat Roland Koch. Damit vorausschauend umzugehen: So was heißt heutzutage Erwartungsmanagement. Rot-Grün-Gelb wird sich die Tonlage beim Modernitätsversprechen gut überlegen müssen.

Ampelkoalition: Ohne Leitidee kippt die Stimmung schnell

Zu billig ist, aus Angst vor dem Gegenwind aus der Bestandsichererecke lieber gleich nur als pragmatische Macherkoalition anzutreten. Was zwar noch kein automatisches Scheitern wäre, solange eine neue Politik Substanz und Ergebnis hat. Trotzdem: Mehr als eine schöne Überschrift werden sie brauchen. Ohne Leitidee kippt die Stimmung umso schneller.

Episode oder Epoche? Sie sind gemein, diese großen Fragen. Aber Neues bleibt nie lange neu. Aus der Laune des Geschmacks etwas Dauerhaftes zu machen, erst das ist erfolgreiche Politik. So gesehen: Es bleibt gar nichts anderes übrig, als auf den Begriff zu bringen, was heutzutage sozialökologischfreiheitliche Modernität ist. Gewiss nichts Konservatives. (Richard Meng)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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