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Kolumne

Antirassismus als „Geschäftsmodell“ und Gefahr für die Pressefreiheit? – Thema verfehlt 

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Die Pressefreiheit wird in der Regel nicht von Journalistinnen und Journalisten bedroht, sondern von Rechten und Rechtsextremen. Die Kolumne.

  • Eine Autorin des „Tagesspiegels“ meint: Antirassisten sind eine Gefahr für die Pressefreiheit.
  • Faschisten Contra zu geben, sei mittlerweile ein „Geschäftsmodell“.
  • Dabei geht unter, woher die eigentliche Gefahr kommt. Die Kolumne der FR.

Es fing alles mit einem Artikel an, dem man seine Geschichtsvergessenheit bereits im ersten Satz anmerkt: „Als Liz Taylor 1963 als Königin Kleopatra im Kino zu sehen war, hat niemand die Frage öffentlich diskutiert, ob Taylor eine Fehlbesetzung ist, weil sie weiß ist.“ Bei der Neuverfilmung des Stoffs, so Fatina Keilani, Autorin des Berliner „Tagesspiegels“, zickten die Leute jedoch herum, obwohl es eigentlich niemanden jucken sollte, welche Hautfarbe Kleopatra hat: Ob sie „weiße, braune oder grüne Haut hat, Hauptsache, sie kann die Rolle“.

Eine grüne Kleopatra wäre also genehm? Kaum, es ist wohl nur ein Witzchen der Autorin über die Unterdrückung von Schwarzen in einer von Rassismus durchzogenen Welt. Dass Schwarze sich ihre kulturelle und politische Sichtbarkeit hart haben erkämpfen müssen beziehungsweise dies nach wie vor tun, ist in dem Text, der zahlreiche Pro- und Contra-Reden provoziert hat, gar nicht Thema. Auch nicht, dass diese Diskussion Anfang der 1960er Jahre schon deshalb nicht geführt wurde, weil Betroffene eher damit beschäftigt waren, „nicht gelyncht“ (Stephan Anpalagan) zu werden.

Rassismus in sozialen Medien: Antirasstische Botschaften bloß „Geschäftsmodell“?

Hier werden Inhalte, so scheint es, auf rechts gedreht. Eine ernsthafte Debatte um kulturelle Aneignung findet nicht statt, weil der Text so nicht angelegt ist. Benutzerinnen und Benutzer sozialer Plattformen werden vielmehr gezielt diskreditiert mit der Unterstellung, ihre antirassistischen Tweets und Botschaften als „Geschäftsmodell“ zu platzieren. Übersetzt: Kritik an reaktionär-antiemanzipatorischen, rassistischen und extrem rechten Inhalten wird als kapitalistisches Kalkül diffamiert.

Die Bedrohung der Pressefreiheit kommt seit Jahren aus der extrem rechten Ecke, die mit nichts anderem beschäftigt ist, als Journalistinnen in Rechtsstreitereien zu verwickeln, um sie genau damit einzuschüchtern.

Doch nicht nur das. Die Autorin bezeichnet in einem weiteren Text diese „meinungsstarke Gruppe“ als eine „Gefahr für die Pressefreiheit“, die eine „ungeheure Diskursmacht“ entwickele, „mit der sie tief in die öffentliche Meinungsbildung“ eingreife. Und das ist eine durchaus bemerkenswerte Aussage.

Rassismus: Pressefreiheit wird von Rechten bedroht

Halten wir zunächst fest, dass der „Tagesspiegel“ nicht gerade eine Hinterhof-Klitsche ist, aus dessen Raum sie eine Bedrohung der Pressefreiheit behauptet. Und ergänzen wir deshalb, dass die Bedrohung der Pressefreiheit seit Jahren aus einer völlig anderen Ecke kommt. Nämlich aus der extrem rechten Ecke, die bei gefühlt jedem Kommafehler in einer Bildunterschrift eine Klage raushaut. Die mit nichts anderem beschäftigt ist, als Journalist:innen in Rechtsstreitereien zu verwickeln, um sie genau damit einzuschüchtern. Die Frauen via Faceshaming beleidigt, damit sie bloß ihre Klappe halten.

Zur extremen Rechten dürfte übrigens auch Ellen Kositza zählen, natürlich alles eine Frage der Definition, die unter anderen sehr positiv auf den Keilani-Text reagiert hat. Klar kann man sich seine Fans nicht aussuchen, zu sich heranführen kann man sie durchaus. Konsequenterweise auch mit solch einem Satz: „In meinem Text schreibe ich, dass man es aus Sicht der Antirassisten als Weißer nicht richtig machen kann.“

Rassismus-Debatte: Weiße Macker:innen regieren die Welt

Das ist schlicht unwahr und eine Dauererzählung konservativer und extrem rechter Kräfte. Warum wird das ständig behauptet? Wohl um zu verschleiern, dass die weißen Macker:innen natürlich nach wie vor die Welt regieren – und die zur Statusaufrechterhaltung jede Kritik an ihrem Habitus in „Hetze“ umdeuten. Gleichsam wird der Vorwurf des Rassismus zurückgespielt an die Betroffenen, die sich angeblich an der eigenen Bedrohung bereichern.

Mir wurde übrigens bislang noch kein Rassismus vorgeworfen. (Katja Thorwarth)

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/dpa

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