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KOLUMNE

Antibiotika statt Tierwohl

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Arztpraxen können etwas gegenMassentierhaltung und für das Klima tun. Und für die menschlicheGesundheitsowieso.

Das klingt doch erst mal ganz gut. Verschiedene Behörden für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Europa haben festgestellt, dass der Einsatz von Antibiotika in der Haltung und Zucht von Tieren, die der menschlichen Ernährung dienen, rückläufig ist. Selbst die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) sieht das so.

Rückläufig ja, aber von welchem Niveau? Offenbar von einem, das viel zu hoch ist. Wie sonst wäre es erklärbar, was die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gerade bei Testkäufen festgestellt hat? In mehr als einem Viertel der untersuchten Packungen mit Putenfleisch sind antibiotikaresistente Keime festgestellt worden.

Wundern darf einen das nicht, solange Aldi, Lidl und andere Discounter nicht mit Qualität werben, sondern mit Tiefstpreisen. Bei diesen Preisen ist es nicht möglich, eine artgerechte Haltung der Tiere zu gewährleisten. Man könnte etwas stärker utilitaristisch auch sagen, es ist unmöglich, Fleisch von lebenden Tieren in einer Art und Weise zu produzieren, dass dem Tierwohl Genüge getan wird. Antibiotika sind unverzichtbar.

Geredet wird viel vom Tierwohl, gerade jetzt im Wahlkampf will das Bundeslandwirtschaftsministerium mit der Ankündigung von Verbesserungen punkten. Bisherige Kennzeichnungssysteme und die Freiwilligkeit der Maßnahmen haben, die neuesten Untersuchungen zeigen es deutlich, viel zu wenig gebracht, eigentlich fast nichts.

Politikerschelte ist angebracht, aber sie greift zu kurz. Offenbar haben noch viel zu wenige Verbraucherinnen und Verbraucher realisiert, dass es beim Tierwohl um ihr eigenes Wohl geht. Ob das jetzt anders wird? Denn endlich erhebt einmal jemand die Stimme, der es wissen muss und von dem man bisher vor allem seine Meinung zu Pandemien und Corona schätzte.

Frank Ulrich Montgomery ist unter anderem Vorsitzender des Vorstands des Weltärztebunds und höchst besorgt. Denn er muss feststellten, dass sogar solche Antibiotika im Putenfleisch gefunden wurden, die eigentlich als letzte Hilfsmittel dienen sollten, wenn Keime auf die üblichen Medikamente in der Behandlung erkrankter Menschen nicht mehr ansprechen.

Was geschieht stattdessen? Diese sogenannten Reserveantibiotika und andere Bakterientöter werden breit in der Tierhaltung eingesetzt. Viel zu breit. Eigentlich sollten und müssten sie aus der Tierhaltung ganz verschwinden und der Gesundheitsversorgung in der Humanmedizin vorbehalten sein.

Stattdessen werden sie genutzt, um Missstände in der Tierhaltung zu verdecken. Beziehungsweise um diese Billigproduktion von Fleisch überhaupt erst zu ermöglichen. Eben Masse statt Klasse.

Langsam hat sich herumgesprochen, dass Massentierhaltung ein Problem für die so gehaltenen Tiere darstellt und dass sie dem Klima schadet. Eigentlich sind das schon genug Gründe, um weniger Fleisch zu konsumieren, aber das Verbraucherverhalten hat sich noch zu wenig geändert.

Vielleicht kommt die Botschaft eher an, wie schädlich Massentierhaltung und Billigfleisch sind für unsere eigene Gesundheit und was wir uns selbst einbrocken mit dem nach wie vor üppigen Einsatz dieser Antibiotika in der Tierproduktion. Und dem üppigen Konsum von Fleisch. Solche Botschaften könnte jede Hausärztin, jeder Hausarzt verbreiten. Bei jeder und jedem, der eine Arztpraxis aufsucht.

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