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Je rapider sich die Umfragelage ändert, je eindeutiger der wachsweiche Laschet abstürzt, desto interessanter wird es, sich immer neu die Konsequenzen vorzustellen.
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Je rapider sich die Umfragelage ändert, je eindeutiger der wachsweiche Laschet abstürzt, desto interessanter wird es, sich immer neu die Konsequenzen vorzustellen.

Kolumne

Bundestagswahl 2021: Angst und Schweigen im Berliner Regierungsviertel

  • Richard Meng
    VonRichard Meng
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Klare Aussagen schmälern das Spektrum an Stimmen, die man im September gewinnen kann. Die Kolumne.

Berlin - Meistens ist es ungerecht, das Wort von der Berliner Blase. Die allermeisten im Regierungsviertel haben auch ein Leben außerhalb. Ein Restempfinden dafür inklusive, dass die Berliner Blase immer mal wieder angepikst werden muss. Damit so manches, was gerade noch als Thema hochgespült wurde, schnell wieder verpufft. Oder mühsam Weggeschwiegenes doch noch auftaucht.

Manche dieser Effekte lassen sich voraussagen. Vereinfachte Schulddebatten etwa, wie es sie heuer zuhauf gibt. Von Sommerflut bis Afghanistan wird da vor der Bundestagswahl 2021 da lustvoll über Staatsversagen gejammert, als ob wir nicht alle mitversagt hätten. Personalspekulationen als Pausenfüller gibt es auch immer. Insbesondere Koalitionsspielchen vor Wahlen je nach Umfragelage. Obwohl die Politik sich doch parteiübergreifend geschworen hat, nie nie mehr darauf einzugehen – und über Postenbesetzung natürlich auch nie nie vorab nachzudenken. Womit all das aus der Debatte genommen wäre, was so richtig interessant ist. Vorausgesetzt, man will vorher wissen, was kommt, wenn man was wählt.

In Interviews gibt es kaum präzise Antworten

Nun ist so ein Schweigeschwur eine Art professionelle Zwecklüge. Wahr ist, dass bei so viel Diversität in allen Lagern klare Aussagen in fast allen Fällen das Spektrum gewinnbarer Zustimmung schmälern. Wahr ist aber auch, dass es antiaufklärerisch ist, reale Fragen wegzutabuisieren. Die Öffentlichkeit lässt es wundersamerweise durchgehen, statt es anzuprangern. Sie akzeptiert jetzt sogar das allseitige Angstschweigen angesichts der verschärften Corona-Lage, zu der vor der Wahl niemand sich mehr konkrete Vorschläge zu machen traut.

Umso mehr kommt der typische Blasen-Effekt in Gang. In Interviews gibt es kaum präzise Antworten, im Hintergrund werden aber ständig alle Szenarien durchgespielt, zumal nun angesichts der Implosion der Laschet-Kandidatur. Aktiv angetrieben mit viel vergifteter Neugierde natürlich. Denn merke: Jede Spekulation, die anderen schadet, nützt einem selbst. Zumal, wenn es um Koalitionen geht.

Eine der Lieblingsfantasien zuletzt in Berlin: Die Deutschland-Koalition

Die alten Verwandtschaftsbündnisse, Schwarz-Gelb oder Rot-Grün, reichen ja nicht mehr. Bleiben Varianten, die offen zu diskutieren ziemlich toxisch ist. Eine der Lieblingsfantasien zuletzt in Berlin: Schwarz-Rot-Gelb, genannt Deutschland-Koalition. Geschäftsgrundlage: Weiter so, unter Unionsführung. Die Giftmotive liegen auf der Hand, zum Schaden der SPD. Aber so schnell geht das manchmal: Seit klar ist, dass die Menschen keinen Kanzler Laschet wollen, landet das Modell erst mal in der Ablage.

Die spannendere undiskutierte Frage bleibt ohnehin, was die Grünen und die FDP mit ihrer gewachsenen Zustimmung anfangen werden. Wie viel erpresserischen Druck die FDP aufbauen kann, falls sie alles andere als ein CDU-Bündnis verweigert. Und wie viel dieses Drucks dann die Grünen aushalten, bis sie auf Union und FDP einschwenken. Was aber alles Spekulation ist. Gift also, aus Wahlkampfsicht.

Zum Autor

Richard Meng ist freier Autor und Kuratoriumsvorsitzender der Karl-Gerold-Stiftung, Miteigentümerin der Frankfurter Rundschau.

Doch dieses Gift ist nun mal mindestens so ansteckend wie die Deltavariante von Corona. Je rapider sich die Umfragelage ändert, je eindeutiger der wachsweiche Laschet abstürzt, desto interessanter wird es, sich immer neu die Konsequenzen vorzustellen. Und wenn sie in der Berliner Blase nach und nach dann doch alle infiziert sein werden und direkt vor der Wahl die Spekulationen sich überschlagen, muss es nichts Schlechtes sein, dass sich auch mal jemand verplappert und Klartext redet. Aufklärerisch betrachtet. Vielleicht dann sogar wahltaktisch.

Nur, verehrtes Publikum: Wenn niemand anderes einfordert, bleibts bei der großen Eierei. Denn es ist generell etwas schief gelaufen mit der Art, das möglichst nicht anzusprechen, was heimlich alle beschäftigt. Hoffen wir also auf den nächsten Piks in die Blase. Mal sehen, von wem. (Richard Meng)

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