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Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel bei „Anne Will“
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Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel bei „Anne Will“

Kolumne

Regiert Deutschland stoisch nüchtern - deshalb ganz, ganz ehrlich: Danke, Merkel!

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Das Volk ist coronamüde und die Stimmung bisweilen aggressiv. Da ist es ein Segen, eine Kanzlerin zu haben, die sich von Emotionen nicht leiten lässt. Die Kolumne.

Berlin - Eigentlich sollte es ja reichen, etwas einmal zu schreiben. Das steht dann auf dem Papier und ist somit von immerwährender Gültigkeit – es sei denn, man ändert seine Meinung und widerruft es. So ist das eigentlich. Aus guten Gründen möchte ich nun aber etwas verfassen, das ich vor vielen Monden schon einmal so ähnlich kundtat.

Damals allerdings zaghafter, verklausulierter, mich etwas windend, meiner eigenen Einschätzung nicht so ganz vertrauend, gar über mich selbst ein wenig erschreckend. Das tut nicht Wunder. Schließlich hatte ich mich zu einer Behauptung durchgerungen, die für meine Verhältnisse geradezu revolutionär daherkam: Ich lobte die parteiübergreifende Arbeit der Mächtigen dieses Landes.

Berlin wurde kein Bergamo: Deutsche Bundesregierung hielt sich an Ratschläge der Fachleute

Meine Anwanzung ans politische Establishment hatte natürlich ihre Gründe. Die Pandemie war noch recht jung, die Angst davor noch klein und die Hoffnung auf eine baldige Beendigung noch groß – obwohl Impfstoffe dagegen nicht mal am fernen Horizont zu erspähen waren.

Und die Regierenden hielten sich strikt an die Ratschläge der Fachleute – mit der Folge, dass Deutschland fürchterliche Verhältnisse wie etwa in Bergamo erspart blieben. Was mir besonders imponierte, war die Transparenz, mit der die Ergebnisse der virologischen Forschung für die breite Öffentlichkeit nachverfolgbar gemacht wurde. Und was mich ärgerte, die Ignoranz vieler, die damit überfordert waren und lediglich „die sagen heute das und morgen das“ nölten.

Das Volk ist müde: gereizte Stimmung und verwirrte Versammlungen von Berlin bis Kassel

Damit ist es vorbei. Obwohl in Rekordzeit Impfstoffe erforscht und produziert wurden, obwohl eine Massenimmunisierung kurz bevorsteht, obwohl das Gröbste irgendwann im Laufe dieses Jahres überwunden zu sein scheint (sieht man von einer drohenden Mutation des Virus ab), ist das Volk müde und gerädert, die Stimmung gereizt bis aggressiv, und Versammlungen hilflos Verwirrter wie unlängst in Kassel erfahren mehr Zulauf denn je.

Begünstigt wird dies durch Ministerpräsidenten und -innen, die sich in zermürbenden Nachtsitzungen um Kopf und Kragen tagen und im Verbund oder alleine Kamikazeentscheidungen treffen wie einen Ruhetag zu Ostern, die Reisefreiheit nach Mallorca oder die Ernennung des Saarlands zu einem coronafreien gallischen Dorf. Das alles ist nicht gut.

Kaum Kamikazeentscheidungen - Merkel regiert Deutschland wie nüchterne Naturwissenschaftlerin

Es wäre jedoch bedeutend wirrer, hätten wir nicht eine Angela Merkel an der Regierungsspitze – und auf sie möchte ich denn auch mein heutiges Lob reduzieren. Es ist ein Segen, auf dieser Position eine Naturwissenschaftlerin sitzen zu haben. Einen Menschen, der mit dem Begriff „Exponentialkurve“ etwas anzufangen weiß und somit geradezu stoisch das einzig Richtige zu tun versucht, nämlich Entscheidungen bar jeglicher Emotionen und Verschwörungen treffen, auch wenn sie hart ausfallen – was übrigens laut Umfragen die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung auch begrüßen würde.

Merkel ist zwar eingebunden in den Reigen der Regierenden der Länder mit alle ihren regionalen Befindlichkeiten, doch man vermag sich nicht vorzustellen, was ohne sie da los wäre, auch wenn sie die törichte Osterruhe anfangs mittrug. Also schließe ich an dieser Stelle nüchtern und ausgeschlafen und im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte mit einem aufrichtigen, vollkommen hämefreien und ernst gemeinten „Danke, Merkel!“

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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