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Der russische Staat lässt sich Auslandspropaganda etwas kosten – und dem deutschen Publikum fühlt sich die Zentrale in Moskau besonders verbunden.
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Der russische Staat lässt sich Auslandspropaganda etwas kosten – und dem deutschen Publikum fühlt sich die Zentrale in Moskau besonders verbunden.

Kolumne

RT DE: Alternative Fakten

  • Klaus Staeck
    VonKlaus Staeck
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Russland finanziert RT DE. Das Medium soll anders berichten als die hiesigen„Systemmedien“. Die Kolumne.

Erst einmal die gute Nachricht: Am Standort Berlin werden Bewerberinnen und Bewerber für rund 200 Stellen im Mediengeschäft gesucht. TV-Redakteure, Korrespondenten, Kameraleute, Grafikdesigner, technische Leiter, ein Chef für die PR und sogar einer fürs Personal. Alles gut bezahlte Jobs, von monatlich 2500 Euro bis zu jährlich 80.000 Euro.

Das will was heißen, denkt man an die vielen fest-freien Medienschaffenden, deren Verträge auf der Kippe stehen oder die schon gekündigt wurden. „Wenn du beim Programm der öffentlich-rechtlichen Sender einnickst und bei den privaten am liebsten wegschauen würdest — dann bist du bei uns genau richtig“, heißt die verlockende Botschaft. Die Redaktion suche Verstärkung, weil man die „führende alternative Nachrichtenquelle“ bleiben und sich zu einem dynamischen TV-Sender entwickeln wolle, der demnächst live auf Sendung geht.

Wer hier den Mund so voll nimmt und offenbar über unerschöpfliche finanzielle Quellen verfügt, hat schon seit 2014 einen deutschen Internetauftritt. Der Name wechselte von „Russia today“ über „RT Deutsch“ zu „RT DE“.

Der Eigentümer blieb derselbe, nämlich der russische Staat, der sich die mehrsprachige Auslandspropaganda etwas kosten lässt. Und dem deutschen Publikum fühlt sich die Zentrale in Moskau besonders verbunden. Der in Berlin residierende Chefstratege Ivan Rodionov will zu den hiesigen „Systemmedien“ eine „Gegenöffentlichkeit“ schaffen, deren „kontinuierliche kritische alternative Sichtweisen und Berichte“ deutschen Journalistinnen und Journalisten ein Beispiel geben sollen. Man denke an Bachmanns Pegida-Auftritte, die über RT Deutsch im Livestream verbreitet wurden. Auch AfD-Höcke konnte sich schon mal für den Support bedanken.

Am vergangenen Wochenende erinnerte RT DE mit Berichten von allen aktuellen Aktionen gegen die Corona-Maßnahmen an die ersten Proteste gegen die „Corona-Diktatur“, die vor einem Jahr in der Berliner Friedrichstraße begannen, über Stunden per Internet verbreitet wurden und es erst so zu medialer Bedeutung brachten.

Kein Plakat wurde ausgelassen und selbst der perfide Missbrauch des „Liedes der Moorsoldaten“ diente dem TV-Team der Agentur „Ruptly“ zur Begleitung der Hetzkampagne. „Ruptly“ hat seinen Sitz in der Lennéstraße nahe am Tiergarten. Die Direktorin Dinara Toktosunova erscheint in gleicher Funktion auch im Impressum von RT DE, das in Adlershof auf die neuen Beschäftigten wartet.

Bei den Berichten vom letzten Samstag aus Stuttgart, Düsseldorf und Dresden ließ man einfach die Kameras laufen, zeigte die Akteure und die Polizistinnen sowie Polizisten, darauf vertrauend, dass sich die Ordnungskräfte, indem sie ihre Arbeit taten und zum Teil ungenehmigte Aufzüge beendeten, für die Betrachter ins Unrecht setzen. Selbst ein Mann im roten Anorak, der sich aggressiv auf einen Polizisten stürzt und dann, was er offenbar bezweckte, vor der Kamera zu Boden gebracht wird, dient der Legende von den aggressiven „Bullen“, die schlicht ihre Haut retten müssen.

Allein in Dresden wurden zwölf von ihnen verletzt. Die Bilder geben nur das Geschehen wieder, weil sich RT DE auf mehr als 1200 Kommentare aus der Internetgemeinde verlassen kann, die RT den kollektiven Dank abstattet: „Helft uns im Kampf der Gerechtigkeit!“ „Der Faschismus kehrt zurück!“ Der kommende Bürgerkrieg wird beschworen, Polizisten als „Leibstandarte“, „GESTAPO“, „Terrorsöldner“, „SS“ diffamiert. RT DE lässt in seinem Beitrag zur hybriden Kriegsführung der Herde freien Lauf. Viel Spaß mit diesem Arbeitgeber.

Klaus Staeck ist Autor und Grafiker.

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