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Alt sein heißt also noch lange nicht, automatisch dumm zu sein.
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Alt sein heißt also noch lange nicht, automatisch dumm zu sein.

Kolumne

Alt werden und weise sein

  • Michael Herl
    vonMichael Herl
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Wer denkt, die AfD sei eine „Alternative für Deutschland“, der kauft auf einer Busfahrt ins Sauerland auch vier Heizdecken für 900 Euro. Die Kolumne.

Eigentlich könnte man das Ganze hier abkürzen und schlicht konstatieren: Wer schon in jungen Jahren bescheuert war, wird im Alter nicht zwingend heller. Umgekehrt heißt das: Wer als Rentner doof ist, war schon als Jugendlicher blöd. Diese These hielte wohl auch einer wissenschaftlichen Überprüfung stand, denn auch jugendliche Leichtfertigkeit wird durch altersbedingte Fahrigkeit wieder aufgewogen. Unterm Strich bleibt also alles, wie es ist.

Oder denken Sie, Frauen lesen evolutionsbedingt ab dem Alter von 60 Jahren automatisch Gazetten wie „Die Goldene Post“ oder „Das Glück der Frau“? Dass sie sich hormonell bedingt plötzlich dafür interessieren, welcher Thronfolger Hornhaut hat und ob irgendeine Halbkönigin den Rosenkohl gerne weich gekocht mag?

Nein. Die haben nun höchstens mehr Zeit dafür, nachdem sie diesen pseudojournalistischen Schwachsinn schon ihr ganzes Leben lang beim Friseur oder der Friseurin, bei der Doktorin oder dem Doktor verschlangen.

Das Leugnen von Corona oder das Wählen der AfD sind mutwillige Weltfremdheit

Apropos, liebe Ärztinnen und Ärzte: Euer hippokratischer Eid, greift der nicht schon im Wartezimmer? Aber warum fördert Ihr dann Dämlichkeit und Hirnverkrümmung schon mit dem Auslegen solcher Blätter?

Erst kognitive Intelligenz torpedieren, dann altersbedingten Scheintod heilen wollen. Das haben wir gerne. Das erinnert frappierend an die Verabreichung gemeingefährlicher Industriekost in Krankenhäusern. Erst Gift füttern, dann die Intoxikation behandeln.

Doch zurück zum eigentlichen Thema. Denken wir doch mal an die Opfer des sogenannten Enkeltricks. Was veranlasst eine alte Frau, irgendeiner Claudia, angeblich im Auftrag irgendeines Jürgens mit irgendwelchen finanziellen Problemen (übrigens das einzig nicht Gelogene an der Geschichte), ihr gesamtes Erspartes in eine Plastiktüte zu stopfen und vorne an der Bushaltestelle neben den Papierkorb zu stellen?

So die Dame nicht unter Demenz oder einer ähnlichen Erkrankung leidet, sind die Beweggründe für ein solches Handeln die gleichen wie jene, die Jüngere zum Leugnen von Corona veranlassen oder dem Wählen der AfD – nämlich mutwillige Weltfremdheit, verursacht durch ausgeprägte Bescheuertheit.

Das Alter hat einen Vorteil: Man muss nicht jeden Scheiß mitmachen

Wer der „Goldenen Post“ glaubt, der glaubt auch Alexander Gauland. Anders ausgedrückt: Wer denkt, die AfD sei eine „Alternative für Deutschland“, der kauft auch auf einer Busfahrt ins Sauerland vier Heizdecken für 900 Euro – und freut sich, dass er dazu noch ein Mischbrot bekommt.

Alt sein heißt also noch lange nicht, automatisch dumm zu sein. Ganz im Gegenteil. Das kann nämlich auch Umsicht und Weisheit bedeuten. Etwas, das man nicht erlernen, sondern nur erfahren kann.

Eine Auswirkung davon wäre etwa, nicht jeden Scheiß zu machen, nur weil ihn alle machen. So kenne ich zum Beispiel jede Menge betagter Menschen, die sich bewusst allem verweigern, was mit Internet, Facebook und Ähnlichem zu tun hat. Denn es ist ihnen nicht zu kompliziert, sondern schlicht nicht geheuer.

Das hat überhaupt nichts mit irgendwelchen Verschwörungstheorien zu tun, sondern ist schlicht gesund. Eine ganz natürliche Reaktion, die uns Jüngeren meist abhanden gekommen ist. Daran sollten wir denken. Zum Beispiel, wenn wir einem 85-jährigen in einer Impfbenachrichtigung schreiben: „Weitere Informationen erhalten Sie unter folgendem Link.“

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