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Folgen wir doch mal Alice Schwarzers Logik und denken das zu Ende.
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Folgen wir doch mal Alice Schwarzers Logik und denken das zu Ende.

Transphobie

Alice Schwarzer, „Emma“ und der geballte Unfug

  • VonJoane Studnik
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Um Rechte von trans* Personen zu beschneiden, versuchen radikale Feministinnen, Gesetze zu kippen. Alice Schwarzer („Emma“) verleiht ihnen eine schrille Stimme. Die Kolumne.

Es war ein trübselig-verregneter Tag, als ich die aktuelle „Emma“ am Kiosk für 9,90 Euro erwarb, diese einstmals wunderbare Frauenzeitschrift, die keine Diäten und Modediktate anpreist. Mit Lust zur Kontroverse hatte Herausgeberin Alice Schwarzer 1977 eine Startauflage von 200.000 Exemplaren drucken lassen. Zuletzt verkaufte „Emma“ nach eigenen Angaben noch um die 25.000 Hefte.

Mit existenzbedrohendem Auflageschwund kämpfen fast alle Printmedien, auch solche, die um ihre Leserschaft mit harten Recherchen und exklusiven Themen mühen. „Emma“ hat sich auf einen anderen Weg begeben. Sie überspitzt Reizthemen, attackiert gnadenlos und buhlt um Applaus aus rechtextremen Kreisen.

„Emma“ beruft sich auf Desinformationskampagne

Zehn Seiten widmet sie nun dem Thema Transsexualität, erklärtermaßen, um die „sich anbahnende Katastrophe“ zu verhindern. Gemeint ist die überfällige Reform des teils verfassungswidrigen Transsexuellengesetzes (TSG). Gefeiert werden Erfolge transphober Vorkämpferinnen in England und Schweden, die Initiativen für Selbstbestimmung und eine adäquate medizinische Versorgung von trans Jugendlichen zu Fall brachten.

Ohne Wimpernzucken beruft sich „Emma“ auf eine perfide, längst widerlegte Desinformationskampagne des britischen Revolverblatts „Daily Mirror“ zur angeblichen Bedrohung von Frauen durch transidente Sexualtäter. Wahrheitswidrig wird daherfabuliert, eine standesamtliche Änderung des Geschlechtseintrags sei gleichbedeutend mit einem „Anspruch“ von trans Jugendlichen, sich auf Kosten der Krankenkasse die Brüste entfernen zu lassen. Ganz so, als gäbe es keinen Medizinischen Dienst, der entsprechende Anträge zu begutachten hat.

Lachen möchte man über den geballten Unsinn, der die eingeübten Pseudo-Argumente sogenannter radikaler Feministinnen wiederkäut. Trans Exclusionary Radical Feminism (Terf) heißt die Bewegung, die ihre größten Erfolge unter der Trump-Regierung feierte.

Trans Exclusionary Radical Feminism ebenso im linksliberalen Milieu

Unterstützt von der britischen Boulevardpresse, angefeuert von der Autorin J. K. Rowling, gelang es Terf-Aktivistinnen, die Tory-Regierung unter Druck zu setzen, eine geplante Gesetzesreform zur rechtlichen Stärkung von trans* Personen zu kippen.

Als im Deutschen Bundestag durchsickerte, dass die große Koalition an einer Art Selbstbestimmungsgesetz für trans* Personen arbeitete, ließ „Emma“ den umstrittenen Jugendpsychiater und Gutachter Alexander Korte schrill vor einem vermeintlichen „Transhype“ warnen. Die CDU lud Korte später als Sachverständigen, der Unionsabgeordnete mit kruden Außenseiter-Ansichten verunsicherte, was letztlich zum Scheitern des bereits detailliert ausformulierten Gesetzentwurfes führte.

AfD im Kampf gegen „Gender-Ideologie“

Die rechtextreme AfD will den Kampf gegen „Gender-Ideologie“ zum Wahlkampf-Schlager machen, selbst im linksliberal geprägten Milieu versuchen Terf-Aktivistinnen, Eltern von trans Jugendlichen zu verunsichern. So ruft Grünen-Kandidatin Eva Engelken dazu auf, „Elterninitiativen, Mütterblogs, Jugendorganisationen, Gewerkschaften“ mit einem Musterbrief „Den Trans Train stoppen“ zu behelligen.

Was die Terf-Kampagne anrichtet, berichtet die Hamburger Psychologin Cornelia Kost: Therapeutinnen und Therapeuten, Medizinerinnen und Mediziner seien zunehmendem Druck ausgesetzt, wenn sie einfach nur ihren Job machen und trans Jugendlichen zu helfen, ihr Leben zu leben, ja im Wortsinne, zu überleben. (Joane Studnik)

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