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Die unter der Anhängerschaft von Beitar Jerusalem besonders zahlreichen wie berüchtigten Hooligans stimmen vor jedem Match stolz den Schlachtruf an: „Hier kommen wir, das rassistischste Team im Land.“
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Die unter der Anhängerschaft von Beitar Jerusalem besonders zahlreichen wie berüchtigten Hooligans stimmen vor jedem Match stolz den Schlachtruf an: „Hier kommen wir, das rassistischste Team im Land.“

Kolumne

Abseits

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Der israelische Fußballverein Beitar Jerusalem hat aus Prinzip keine arabischen Spieler, aber seit neuestem einen reichen Scheich vom Golf als Teilhaber. Die Kolumne.

Von Fußball an sich habe ich wenig Ahnung. Was Abseits ist, weiß ich bis heute nur so in etwa – zum Leidwesen eines guten alten Frankfurter Freundes, der behauptet, es mir schon hundert Mal erklärt zu haben.

Mir werden die neunzig Minuten, die so ein Spiel ja mindestens dauert, schnell etwas lang, vor allem, wenn wenig Tore fallen. Aber was nicht unmittelbar auf dem Platz geschieht, sondern sich auf den Rängen tut, dem Drum-und-Dran aus Leidenschaften, Vereinsliebe, Politik und Geld, fasziniert selbst eine Fußballbanausin wie mich. Womit wir beim Thema wären, das hier in Israel für Schlagzeilen und noch mehr Gesprächsstoff sorgt.

Es geht um Beitar Jerusalem, der einzige Club der ersten Fußball-Liga, der aus Prinzip keine arabischen Spieler im Team erlaubt. Eigentlich ein Nachteil. Jedes Kind weiß, dass multikulturell besetzte Mannschaften meist auch die erfolgreicheren sind.

Nicht von ungefähr ist Beitar Jerusalem derzeit lediglich auf dem elften Platz in der Tabelle. Dennoch stimmen die unter seiner Anhängerschaft besonders zahlreichen wie berüchtigten Hooligans vor jedem Match stolz den Schlachtruf an: „Hier kommen wir, das rassistischste Team im Land.“

Das allerdings hat einen reichen Scheich vom Golf nicht abgehalten, einen Anteil von fast 50 Prozent an Beitar Jerusalem zu erwerben. Überdies will Scheich Hamad Bin Khalifa, Öl-Milliardär und Mitglied der königlichen Familie in Abu Dhabi, in den nächsten zehn Jahren 300.000 Schekel (rund 75 Millionen Euro) in den Club investieren, um ihn mit besseren Spielern in die oberen Tabellenränge zu führen. Die ultrarechte Fangemeinde kann das Ungemach nicht fassen, einem arabischen Co-Präsidenten womöglich einen Aufstieg verdanken zu müssen.

Die Zeiten scheinen vorbei, in denen es für die Jungs von „La Familia“, ihrer militanten Hardcore-Truppe, zum Ritual gehörte, nach einem Heimspiel im Jerusalemer Teddy-Stadion in der nahegelegenen Shopping-Mall ein paar Palästinenser aufzumischen.

Der israelische Bitcoin-Millionär Mosche Hogeg, Beitar-Chef seit zwei Jahren und weiterhin Hauptaktionär, möchte dem Club ein zivilisierteres Image verpassen. Er selbst sei „ein jüdischer Araber“, schlug Hogeg unter Verweis auf seine aus Marokko und Tunesien eingewanderten Eltern ganz neue Töne an.

Misrahim, orientalische Juden, sind zumeist auch die Anhänger von Beitar Jerusalem, dem Traditionsclub der „Underdogs“. Zurecht fühlten sie sich einst von der europäischen Staatsgründerelite ins gesellschaftliche Abseits gedrängt. Ein Selbstbild, das viele kultiviert haben, aber so schon länger nicht mehr stimmt. Der von ihnen bevorzugte politische Club, Netanjahus Likud, ist schließlich nicht erst seit gestern Regierungspartei. Manche sagen, Beitar und Likud seien zwei Seiten der gleichen Medaille.

Für Scheich Hamad Bin Khalifa dürfte das den Ausschlag gegeben haben, sich, wenn schon, denn schon, in den Verein mit besten Kontakten zur herrschenden Klasse einzukaufen. Die Abraham-Abkommen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten haben den Weg dazu frei gemacht.

Den rassistischen Sprücheklopfern droht nun verdientermaßen die rote Karte. Na ja, offen ist, ob sich Premier Netanjahu deshalb im nächsten Wahlkampf seine anti-arabische Stimmungsmache verkneifen kann.

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