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Unfassbar, wie viele Menschen Verschwörungstheorien anhängen und wie egal ihnen bei deren Statements und Demonstrationen die Nähe zu den Rechtsextremen war.
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Unfassbar, wie viele Menschen Verschwörungstheorien anhängen und wie egal ihnen bei deren Statements und Demonstrationen die Nähe zu den Rechtsextremen war.

Kolumne

Jahresrückblick 2020: Was bleibt außer Corona und Hass?

  • Anetta Kahane
    vonAnetta Kahane
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Der Rückblick in diesem Jahr 2020 fällt nicht so leicht wie zuvor, unter anderem, weil wir die Corona-Pandemie nicht haben kommen sehen. Die Kolumne.

Auf das Jahr 2020 kann man nicht einfach so zurückblicken wie auf jedes andere in unserem Leben. Es hat uns etwas verdeutlicht, was seit vielen Jahrzehnten nicht mehr zu unseren persönlichen Erfahrungen gehört.

Jahresrückblick 2020: Was bleibt außer Corona und Hass?

Es gibt Dinge außerhalb des Üblichen, so furchtbar es auch jeweils sein mag, mit denen wir nicht gerechnet, die wir uns nicht haben vorstellen können. Die Pandemie haben wir nicht kommen sehen. Und von allen Dingen, die am Corona-Jahr so ermüdend sind, ist der Schreck darüber, etwas Unvorhergesehenem ausgeliefert zu sein, wohl besonders anstrengend.

Manche Jahre sind voller dramatischer Ereignisse, manche trudeln so dahin. Die Jahresrück- und Ausblicke in den Rundfunk- und Fernsehanstalten kennen seit langem auch nur Variationen der gleichen Ereignisse. Klimaveränderungen und ihre dramatischen Folgen hier oder in Australien, Flüchtlingskatastrophen, lokale Kriege, Machtwechsel in verschiedenen Ländern, Terroranschläge, Rassismus, Antisemitismus. Das alles hat auch 2020 geprägt. Die globale Pandemie kam oben drauf.

Verschwörungstheorien, Corona und Hanau: 2020

Ich mag diese Rückblicke gar nicht anschauen, sie sind so voll von Unrecht, Tod und Katastrophen. Manches davon geht mir direkt unter die Haut, anderes lässt mich nur hilflos zurück. Das ist auch dieses Jahr so.

In Deutschland war es für mich der Anschlag von Hanau im Februar, bei dem ein Rechtsextremist zehn Menschen ermordete. Er war ein Rassist, Verschwörungsideologe und Frauenhasser. Es hat lange gedauert, bis die Behörden die Gründe für seine Tat ernst nahmen. Vielleicht, wären die Opfer weiße Deutsche gewesen, wäre es schneller gegangen und deutlicher skandalisiert worden.

Später im Jahr, bei den Corona-Protesten, hat mich getroffen, wie viele Menschen Verschwörungstheorien anhängen und wie egal ihnen bei deren Statements und Demonstrationen die Nähe zu den Rechtsextremen war.

Jahresrückblick 2020: Möge die Corona-Pandemie bald hinter uns liegen

Genauso erschüttert hat mich der Antisemitismus vieler Demonstrierenden, die schuldige Eliten ausmachen wollten und sich zynisch der Symbolik des Holocausts bemächtigten. Hier ist sichtbar geworden, wie groß die Bereitschaft über die unterschiedlichsten Milieus hinweg bereits ist, sich aggressiver Unvernunft hinzugeben, die rücksichtslos ist und in Kauf nimmt, dass Menschen ihretwegen sterben könnten. Das muss man erstmal bringen.

Ich habe mal versucht, den Jahren meines Lebens einen Namen zu geben, wie das Jahr, als ich aus dem Kindergarten fortlief, das Jahr als meine Mutter starb, das Jahr, als mein Kind geboren wurde, das Jahr, als ich eine Stiftung gründete, das Jahr als die Mauer gebaut wurde und das, als sie fiel, das Jahr als ich einen Ausreiseantrag aus der DDR stellte, das Jahr als ich zum ersten Mal in New York war, das Jahr als die Hasswelle mich zu überrollen drohte und das, als die Geflüchteten kamen. Die Jahre dauern an, doch dieses 2020 wird für mich das Jahr des Unvorhersehbaren sein.

Dieses 2020 hat mir gezeigt, wie verwundbar wir Menschen sind. An oder mit der Pandemie starben weltweit bisher fast 1,8 Millionen Menschen. Sie ist in jedem Land und wir teilen die Erfahrung mit der ganzen Welt.

Ich wünsche mir, dass die Pandemie bald hinter uns liegt, doch dass wir den Blick auf die Welt außerhalb unserer eigenen Geschichten und Tragödien beibehalten. (Anetta Kahane)

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