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Kolumne

1700 Jahre Juden in Deutschland: Ein neues jüdisches Selbstbewusstsein

  • Anetta Kahane
    vonAnetta Kahane
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Es ist an der Zeit, zu zeigen, was das Jüdische bedeutet und wie sehr es Teil des modernen Lebens ist. Die Kolumne.

Immer um 18 Uhr beginnt das „Das jüdische Quartett“ mit Teilnehmerinnen aus Frankfurt, Hannover und Berlin. Vier wunderbare Jüdinnen treffen sich hier nun das vierte Mal, um klug, witzig, eloquent, über die Herausforderungen jüdischen Lebens in Deutschland zu sprechen. Ich freue mich jedes Mal riesig darauf, meine Freundinnen und Kolleginnen dort zu treffen.

Laura Caszes arbeitet in der Frankfurter ZWST, dem jüdischen Wohlfahrtsverband. Rebecca Seidler wurde gerade erst zur neuen Gemeindevorsitzenden der liberalen, jüdischen Gemeinde in Hannover gewählt. Dalia Grinfeld vertritt die Menschenrechtsorganisation ADL in Berlin und nicht zuletzt Sharon Adler, unsre Moderatorin, die seit vielen Jahren als Journalistin die feministische Plattform Aviva betreibt. Und ich, als die älteste in der Runde, die sich dieses Format ausgedacht hat.

Ein Chanukka-Leuchter steht vor dem Rathaus in Erfurt, Thüringen.

Die 1700 Jahre Juden in Deutschland als Jubiläum zu besprechen ist seltsam, denn jubeln können wir nur über die Tatsache, dass wir all das überlebt haben. Und zwar nicht, weil die Juden etwa „so große Beiträge“ zur deutschen Kultur geleistet hätten, wie es oft heißt, sondern weil wir trotzdem noch da sind.

Juden in Deutschland: Eine Soap mit 1700 Folgen?

Die großen Beiträge haben über die vielen Jahrhunderte keineswegs davor geschützt, vertrieben und ermordet zu werden. Nun wird dies als Jubiläum in Deutschland gefeiert und wir sind gespannt darauf, wie das gelingen kann. Vielleicht als eine Soap mit 1700 Folgen unter dem Titel: „Gute Zeiten, schlechte Zeiten – jüdisches Leben zwischen den Pogromen“. Oder aber als Möglichkeit, hier und heute ein paar ganz echte Juden zu treffen und mit ihnen über „typisch Jüdisches“ zu sprechen? Vielleicht über Klezmer, Mazzeballweitwurf, Schläfenlockendrehen?

Oder aber ihnen endlich mal mitzuteilen, was schon immer gesagt werden musste? Zum Beispiel über Israel. Oder die Bitte an Juden, einen Gang durchs KZ zu organisieren, damit irgendwelche Nazihools danach geläutert sind? Wie also jubiliert in einer Zeit, in der Antisemitismus überall – auch in Deutschland – seine Zähne zeigt und gleichzeitig bestritten wird?

Aber was wären wir Jüdinnen ohne unseren Optimismus? Jede von uns erzählte Geschichten darüber, wie vielfältig das jüdische Leben heute aussieht. Russisch, argentinisch, levantinisch, rumänisch, amerikanisch, äthiopisch, deutsch mit vielen Identitäten, Berufen, mit oder ohne religiöse Bezüge.

1700 Jahre Juden in Deutschland: „Wir sind keine Genies wie Einstein“

Vielfalt und das Gemeinsame gehören heute zum jüdischen Leben. Wir sind eine winzige Gruppe, gerade 100000 Gemeindemitglieder und vielleicht noch ein paar tausend, die es nicht sind. Wir sind keine Genies wie Albert Einstein, Heinrich Heine oder Sigmund Freud, um deren Verlust für Deutschland so gern ganz große Tränen zelebriert werden.

Wir sind Laura, Sharon, Anetta, Dalia und Rebecca. Wir leben hier, engagieren uns, sagen, was uns besorgt und wütend macht, sagen, woran wir Spaß haben. Wir zeigen, dass gerade in den letzten Jahren, ein neues jüdisches Selbstbewusstsein entstanden ist. Wir sind keine Objekte der Geschichte mehr, denen Dinge widerfahren. Eigentlich waren wir es ja auch nie.

Es ist nun an der Zeit, zu zeigen, was das Jüdische bedeutet und wie sehr es Teil des modernen Lebens ist. Wir sind es, im Quartett, jüdische Frauen, die sich auf die nächsten 1700 in Deutschland freuen.

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Rubriklistenbild: © Martin Schutt / dpa

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