Andere Protestformen auf dem Aktionsplan von Fridays for Future
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Kolumne

Die neuen Zwanzigerjahre 

  • vonManfred Niekisch
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Die Zeichen stehen anders als in den einst Goldenen 20er Jahren. Globale Umwälzungen brauen sich zusammen, und niemand kann behaupten, nichts gewusst zu haben. Die Kolumne.

Nun beginnen sie wieder, die 20er Jahre. In jenen des vergangenen Jahrhunderts wurden existenzielle Fragen aufgeworfen, musikalisch und mit Schwung. Etwa die Frage, wer den Käse zum Bahnhof gerollt hat oder was Herr Maier am Himalaya macht.

Doch die damaligen Goldenen 20er begannen keineswegs golden. Die verheerenden Folgen des ersten Weltkriegs, Trauer über die Gefallenen, Kriegsversehrte und von den grausamen deutsch-französischen Materialschlachten traumatisierte Soldaten, Hunger und Hyperinflation prägten ihren Beginn. Und die Ermordung des deutschen Außenministers Walter Rathenau durch Rechtsextremisten im Jahr 1922.

Mit Einführung der Reichsmark im Jahre 1924 begann der wirtschaftliche Aufschwung und die Lebenslust schäumte über. Nicht nur in Städten wie Berlin schossen Cabarets aus dem Boden. Schon wenige Jahre später mussten viele Künstlerinnen und Künstler dieser übermütigen Zeit, so bekannt sie auch waren, aus ihrer Heimat fliehen, um den Nazischergen zu entgehen. Nicht allen gelang das.

Klimawandel und Erwärmung

Die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts stehen zumindest in Europa unter deutlich anderen Vorzeichen. Grund zur Entwarnung ist das nicht, zu viele internationale Probleme sind ungelöst. Mit Klimawandel und Biodiversitätsverlust brauen sich globale Umwälzungen zusammen, die den Frieden gefährden. Europa kann sich glücklich schätzen, seit Jahren keine militärischen Auseinandersetzungen auf eigenem Boden zu erleiden. Doch Armut und gewalttätige Konflikte lassen sich nicht in ihren Herkunftsländern eingrenzen. Die Flüchtlingsströme werden mit rechtlichen und migrationspolitischen Mitteln allein nicht zu stoppen sein.

Vor hundert Jahren dachte niemand daran, dass bald ein weiterer Weltkrieg vom Zaun gebrochen werden würde mit vielen Millionen Toten und unendlichem Leid. Das muss man heute kaum befürchten, trotz allen – früher hätte man gesagt – Säbelrasselns.

Neue 20er Jahre mit Folgen von Kriegen

Heute bekommen wir vor allem die Folgen der Kriege zu spüren, die seit mehreren Jahrzehnten gegen Klima und Umwelt geführt wurden, ohne militärische Absicht. Aus Fortschrittsglauben, Unwissen, Gewinnsucht, Rücksichtslosigkeit.

Völlig aus der Kontrolle geratene Feuer vernichten Leben und Lebensgrundlagen in Australien, Amazonien, Indonesien. Die Brände bringen ganz neue Phänomene hervor, Blitze, die von der Hitze aus den Feuern provoziert werden und zu weiteren Feuern führen. Tornadoartige Feuerstürme, wie sie früher nur einmal beobachtet worden waren, lokal begrenzt, aber katastrophal, bei der Bombardierung Dresdens.

Es gibt genug Stimmen, welche die aufziehenden globalen Katastrophen als Folgen der Umwelt- und Klimaänderungen ziemlich exakt vorhersagen, ganz wissenschaftlich, ohne Panikmache. Und es gibt genug Erkenntnisse, was dagegen zu tun möglich und nötig ist.

Die, welche diesen Stimmen nicht glauben, dürfen zwar weiter zweifeln, aber sie können später nicht sagen, sie hätten es nicht ahnen können oder gar von nichts gewusst. Solche Ausreden kennen wir aus der Zeit, als die Goldenen Zwanziger im Menschenhass versanken. Schon damals waren sie nicht glaubwürdig.

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