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Ordensträger Andreas Gabalier. 

Karl-Valentin-Orden

„Servus Andreas, willkommen im Club“

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Die Liste der mit dem Karl-Valentin-Orden Ausgezeichneten lässt mich ins Grübeln geraten. Die Kolumne.

Eigentlich – das muss ich gestehen – kannte ich diesen Preis kaum. Gelegentlich hatte ich schon davon gehört, von diesem „Karl-Valentin-Orden“, doch Genaueres wusste ich nicht. Grundsätzlich war mir diese Auszeichnung sympathisch, genauso wie das Wesen und Schaffen des knorrigen Münchners mit dem schrägen, subtil-hintergründigen Humor.

CD-Cover in „Stürmer“-Ästhetik

Umso erschütterter war ich, als ich erfuhr, dass der diesjährige Preisträger der österreichische Trivialträllerer Andreas Gabalier sein soll. Ich stand nicht alleine mit meiner Empörung. Schnell regte sich Widerstand im ganzen Land. Zu Recht. Da kann Gabalier noch so oft beteuern, er werde immerfort missverstanden: Wenn einer ein CD-Cover in fürchterlichster „Stürmer“-Ästhetik gestalten lässt und gleichzeitig in unschöner Regelmäßigkeit rechtspopulistische und schwulenfeindliche Tiraden sowie vorgestrige Frauen-an-den-Herd-Visionen verbreitet, gebühren ihm alle Zweifel dieser freien Welt.

Es half alles nichts, der Mann hat den Orden bekommen. Ein Skandal? Nun ja. Als ich mich etwas mehr mit dem Thema beschäftigte, stieß ich auf eine Liste mit den bisherigen Trägern des seit 1967 von der Faschingsgesellschaft Narrhalla verliehenen Preises, die diesen übrigens nicht als Karnevalsjux versteht, sondern als Ehrung verdienter Persönlichkeiten, die sich durch ein Humorverständnis im Sinne Karl Valentins hervorgetan hätten.

Heino und Til Schweiger geehrt

Und wer waren die bisher? Erst mal fast nur Männer. Unter den 48 bislang Geehrten finden sich lediglich fünf Frauen. Noch mehr verwunderte mich, wen ich unter den Bedachten so entdeckte. Loriot, Ephraim Kishon, Emil Steinberger, Hape Kerkeling, klar, da kommt kein Zweifel auf. Auch Norbert Blüm, Thomas Gottschalk und Christian Ude gehen durch.

Ins Grübeln könnte man schon bei Fußballer Philipp Lahm geraten, Schauspieler Til Schweiger und den Haubrüdern Klitschko. Ob sich denen Humor attestieren lässt, sei dahingestellt. Aber immerhin sind sie politisch einigermaßen unverfänglich.

Aber wie ist das dann mit dem vor vier Jahren geehrten Heino? Auch wenn nun altersmilde – wie weit ist der weltanschaulich von Gabalier entfernt? Ungefähr so wie „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ vom Liedgut der Nationalsozialisten.

Hardliner für Recht und Ordnung

Und was ist mit Horst Seehofer? Wollte der Bundesinnenminister nicht unlängst noch die „offene rechte Flanke“ zur sogenannten Alternative für Deutschland schließen? Oder mit Günther Beckstein, dessen Humorverständnis sich in Sätzen wie „Ich bin lieber ein Hardliner für Recht und Ordnung, als ein Weichei für Unrecht und Unordnung“ ausdrückte?

Oder Edmund Stoiber? Ja, ein Gaudibursch ohne Frage. Aber er soll auch über Oskar Lafontaine gesagt haben, der wolle „eine multinationale Gesellschaft auf deutschem Boden, durchmischt und durchrasst“.

Und was mit dem Übervater aller Preisträger, dem hochwohlgeborenen Franz-Josef Strauß? Ein fehlendes Humorverständnis ist ihm gewiss nicht vorzuwerfen, er fand für jede Situation unterhaltsame Worte. So antwortete er doch auf die Frage Michail Gorbatschows, ob er denn das erste Mal in Russland sei: „Nein, das zweite Mal. Das erste Mal kam ich aber nur bis Stalingrad.“

Ich kann mir nicht helfen, aber je mehr ich über diesen bayerischen Orden weiß, desto mehr drängt sich mir die Aussage auf: „Servus Andreas, willkommen im Club.“

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