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Teile der Presse reagieren verschnupft auf den Ausstieg von Harry und Meghan aus royalen Verpflichtungen.

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Harry und Meghan zeigen dem Boulevard den Stinkefinger

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Meghan und Harry machen sich unabhängig vom britischen Boulevard. Das tut weh - vor allem denen, für die Missachtung der Privatsphäre zum Geschäftsmodell gehört. Der Kommentar.

Nun heulen sie, die britischen Boulevardmedien. Nennen den Rückzug von Prinz Harry und Herzogin Meghan aus der ersten Reihe der Königsfamilie „egoistisch“ und phantasieren einen „Krieg der Windsors“ herbei. Sie heucheln Mitgefühl mit der Queen, weil der Ausstieg von Enkel und Schwiegerenkelin aus den royalen Repräsentationspflichten der greisen Monarchin „Schmerz und Enttäuschung“ bereite. Gefühlsregungen, die wohl vor allem in den Redaktionsstuben der Regenbogenpresse herrschen.

Was ist passiert? Die Nummer 6 in der Thronfolge und dessen Frau haben etwas gewagt, das für Normalsterbliche eine Selbstverständlichkeit ist: Sie entscheiden sich für ein selbstbestimmtes Leben. „Wir wollen als ,ranghohe‘ Mitglieder der Königsfamilie zurücktreten und arbeiten, um finanziell unabhängig zu werden“. Keine große Sache eigentlich. Kommt in den besten Familien vor.

Harry und Meghan steigen aus - auch aus dem Medienzirkus

Der Ausstieg inklusive Teil-Umzug nach Nordamerika, wo Meghans Familie zuhause ist, ist es aber gar nicht, was die Yellow Press auf der Insel so aufbringt. Sie ärgert sich vor allem darüber, dass das royale Paar versucht, unabhängiger von ihnen zu werden.

Dass die beiden, wie andere Prominente auch, sich künftig verstärkt über soziale Netzwerke direkt an die Öffentlichkeit wenden, fuchst die Yellow Press ebenso wie ihre Entscheidung, aus dem Royal-Rota-System aussteigen, einer Vereinbarung, die allen an diesem Pool beteiligten Medien Zugang zu Geschichten über Veranstaltungen mit Mitgliedern der Königsfamilie verschaffte. Meghan und Harry wollen sich künftig gezielt auswählen, mit welchen Medienvertretern sie sprechen. Die, bei denen Übergriffigkeit zum Geschäftsmodell gehört, werden vermutlich nicht darunter sein.

Auch Harrys Verweis an seine Mutter Diana half nicht viel

Das haben sich die Kolleginnen und Kollegen selbst zuzuschreiben. Unnachgiebig stellen Vertreter der Zunft den Mitgliedern der Königsfamilie nach, allen voran den jüngeren Generationen, verdienen ihr Geld damit, möglichst viel Privates an die Öffentlichkeit zu zerren und, wenn das nicht reicht, „Zickenkriege“ zwischen den Ehefrauen der Windsor-Brüder auszurufen.

Harry und Meghan haben in der Vergangenheit einiges versucht, dem Treiben Einhalt zu gebieten – und mussten feststellen: Weder der Appell Harrys an die Empathiefähigkeit von Journalisten mit Verweis auf den tragischen Tod seiner von Medien gehetzten Mutter noch das Bemühen der Gerichte bringen den gewünschten Grad an Privatsphäre. Daraus ziehen sie ihre Konsequenzen – und zeigen dem Boulevard den Stinkefinger. Zu Recht.

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