KOLUMNE

Koalition der Kinder

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Ein Blick auf die politische Lage zeigt: Besser als die Erwachsenen können es die Jungen allemal. Jetzt müssen sie nur noch an die Macht.

Eigentlich wird ja um vieles viel zu viel Gewese gemacht. So kann doch zum Beispiel die Erziehung von Kindern so schwierig nicht sein, wird sie doch seit Jahrtausenden immerhin so erfolgreich praktiziert, dass man sich um den Fortbestand der Gattung Mensch nie sorgen musste.

Wanderfalken – um nur ein Beispiel zu nennen – schicken in regelmäßigen Abständen auch ohne Geburtsvorbereitungskurse, Zeitschriften namens „Eltern“, Mutter-Kind-Yoga oder psychoanalytischen Beistand prächtig flügge Abkömmlinge hinaus ins Leben. Ihr Erziehungsrezept ist so schlicht wie genial: Am Anfang werden die Kleinen ein wenig gefüttert, dann gucken sie sich das Taubenschlagen von den Alten ab, den Rest kriegen sie schon von alleine hin.

Bei den Menschen ist das anders, zumindest in den „hochzivilisierten“ Gesellschaften. Dort müssen Kinder häufig so lange unter den Verhaltensauffälligkeiten ihrer Eltern leiden, bis sie selbst einschlägige Symptome entwickeln.

So ist es wissenschaftlich nicht nachweisbar, dass in der Genetik des Menschen verankert ist, mit einem Geländewagen in die Schule gefahren zu werden. Kurz gesagt: Man sollte Kinder viel öfter selbst entscheiden lassen. Sie handeln vernünftiger, als man denkt. Sang doch einst schon Herbert Grönemeyer: „Kinder an die Macht“.

Ein interessanter Ansatz. Schließlich befinden wir uns seit langer Zeit in einer politisch immer auswegloser erscheinenden Situation, die die Volksvertreter zunehmend hilfloser erscheinen lässt und dadurch die Bürger umso mehr verunsichert und verdrießt. Man sehnt sich nach Übersichtlichkeit und verlangt nach einfachen Lösungen. Nicht wenige wenden sich deswegen den Spaltzungen von der AfD zu, was wiederum die Regierenden noch mehr lähmt. Es ist ein Teufelskreis.

Dabei haben wir für das einfache Denken jede Menge Fachleute: Kinder. Sie stellen intuitiv die richtigen Fragen und ziehen die richtigen Schlüsse. Weiß man doch seit Jahrhunderten, dass ihr Mund Wahrheit kundtut. Warum also diese Fähigkeiten nicht nutzen?

Natürlich wäre ein Parlament aus Erstklässlern dem Volke nur schwer zu vermitteln, auch im Ausland dürfte es der Akzeptanz Deutschlands kaum dienlich sein. Aber wie wäre es mit einer stärkeren Einbeziehung von politisch engagierten Halbkindern, also den Jugendorganisationen der Parteien? Sie sprechen schon jetzt einen klareren Text als ihre Altvorderen, sie trauen sich mehr, beziehen eindeutigere Positionen, und zwar in alle politische Richtungen.

Hätte zum Beispiel die SPD nach der letzten Bundestagswahl auf die Jungsozialisten gehört, wäre ihr und uns der peinliche Koalierkniefall erspart geblieben, und die Regierung hätte womöglich so etwas wie ein Rückgrat. Und aus Kreisen der Jungen Union sind seit geraumer Zeit schroffe Tendenzen nach ganz weit rechts zu vernehmen, nach einer Politik, die die Mutterpartei gerne machen würde, aber sich nicht so richtig traut.

Also hört auf die Jungen, zeigt klare Kante. Konkret heißt dies: Die CDU/CSU koaliert mit der AfD, die SPD mit den Grünen und der Linken, die FDP lassen wir im Fastnichts. Dann hätten wir politische Glasklarheit im Land. Denn wie wusste man schon im Mittelalter? In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod.

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