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So flauschig: Koalas sind der Inbegriff des Kuschelfaktors - und bedroht.

Kolumne

Koalas sind chancenlos bei großen Feuern

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Koalas könnten niedlicher nicht sein und haben dennoch keine starke Lobby. Madonna und die ESC-Fans könnten das ändern. Die Kolumne.

Es klingt ziemlich widersprüchlich. Sie trinken nicht und sind doch Opfer der Dürre. In der Tat, Koalas kommen ohne Trinkwasser aus. Kein Plüschtierfabrikant hätte diese niedlichsten aller niedlichen Tiere mit ihren runden Körperformen, ihrem flauschigen Fell und wuschelig-zerfransten Ohren besser gestalten können, um seine Umsätze in schwindelnde Höhen zu treiben. Sie sind die Tierart mit dem größten gefühlten Kuschelfaktor.

Das war nicht immer so. Seit der Besiedlung Australiens durch Europäer vor über 200 Jahren wurden sie wegen ihres Felles erlegt. Allein in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts fielen mehr als zwei Millionen von ihnen der Pelzmode zum Opfer. Die Ureinwohner Australiens hatten Koalas immer gejagt und gegessen. Sie begegneten ihnen aber wie jedem anderen Tier mit Respekt und Pragmatismus.

Koalas leiden unter Inzuchtproblemen

Bei den knappen Ressourcen waren Koalas eine leicht zu erschließende Quelle für tierisches Eiweiß. Ihre Populationen steckten das locker weg. Anders war das beim Aderlass durch die Neusiedler. Er führte vielerorts zur lokalen Ausrottung dieser auf Eukalyptus spezialisierten Vegetarier.

Als die eingewanderte weiße Bevölkerung zur Besinnung kam und merkte, was sie angerichtet hatte, begann sie, die Teddy-Vorbilder dann doch zu schützen. Das Ganze kam nur ein bisschen spät. Zwar stiegen die Bestandszahlen wieder an, aber der Aufbau ging von relativ wenigen Überlebenden aus, weswegen die Koalas heute unter Inzuchtproblemen leiden.

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Verschärft wird das Dilemma durch die zunehmende Verinselung der Eukalyptuswälder. Selbst wenn diese ausreichend Futter bieten, sind sie nicht mehr genügend vernetzt, um den genetischen Austausch zwischen den zersplitterten Gruppen zu erlauben. Da Koalas auch in den Bauminseln der Städte vorkommen, stellen der Straßenverkehr und Swimmingpools weitere Gefahrenquellen dar.

Kuschelfaktor hilft Koalas nicht - vielleicht aber die ESC-Fans?

Dazu kommt die Dürre als neuer, besonders wichtiger Gefährdungsfaktor. Sie führt zu den verheerenden Waldbränden, die uns in den Abendnachrichten mit dramatischen Bildern gezeigt werden. Die langsamen, baumbewohnenden Koalas haben keine Chance, den großen Feuern zu entrinnen.

Australische Naturschützer schlagen jetzt Alarm. Höchstens 100 000 dieser vermeintlichen Kuscheltiere soll es noch geben. Genauere Zahlen gibt es nicht. Was erschreckt ist insbesondere die Geschwindigkeit, mit der die Bestände zurückgehen. Besserer Schutz der Lebensräume lautet die zentrale Forderung. Die Gesetze würden wohl ausreichen, aber es fehlt an Geld und politischem Willen, diese durchzusetzen.

Weil Australien beim Eurovision Song Contest (ESC) eine so große Fangemeinde hat, durfte das Land nun zum wiederholten Mal ausnahmsweise an diesem europäischen Musikklamauk teilnehmen. Niemand wird das als Einmischung in innereuropäische Angelegenheiten verstehen, zumal unsere Antipoden ja nicht gewonnen haben. Würden alle ESC-Fans von Albanien bis Zypern für den Schutz der Koalas demonstrieren, könnten australische Politiker den Aufschrei nicht überhören. Und Madonnas falsche Töne würden darin untergehen.

Da den Koalas ihr Kuschelfaktor bisher nicht geholfen hat, brauchen sie jetzt andere, wirksame Unterstützung. So könnte Madonna ihre Millionengage dem Schutz der Koalas spenden, sozusagen als Schadenersatz für ihren schrägen Auftritt. Dann hätte sie doch noch etwas Gutes getan.

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