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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer: "Ja" zu Lufttaxis.

Kolumne

Knapp bekleidet in die Zukunft

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Der Verkehrsminister lässt mit Dessous für Fahrradhelme werben. Ein gelungener Beitrag zur Verwirrung - oder doch intelligente Anpassung an die Klimaerwärmung?

Da hat die Europäische Union Grenzwerte für die Emission von Stickoxiden festgesetzt, und die vorherige sowie die jetzige Bundesregierung haben sich international zum Klimaschutz verpflichtet und konkrete Ziele beschlossen. Diese werden zwar sicher verfehlt, aber immerhin bestehen sie auf dem Papier. Und jetzt kommt ein Mitglied dieser Bundesregierung in Gestalt des Verkehrsministers daher und stellt vieles davon in Frage – ohne Begründungen, die auch nur annähernd wissenschaftlich tragbar wären. Lobbyinteressen ersetzen Fakten. Da liegt es in der Logik des Hauses, dass die Verkehrskommission zum Klimaschutz gerade gescheitert ist. Sollte das Verkehrsministerium folglich nicht besser umbenannt werden in Verwirrministerium?

Mehr noch, Minister Scheuer outet sich als Befürworter von Lufttaxis. Die sind aber eher geeignet, das Verkehrschaos zu vergrößern. Was er eigentlich anstreben sollte, nämlich die Verkehrsprobleme in Deutschland zu lösen, Mobilität zu gewährleisten und die Klimaschädlichkeit des Verkehrs zu reduzieren, wird mit den Lufttaxis nicht gelingen. Der Minister untergräbt Beschlüsse seiner eigenen Regierung.

In all dem schädlichen Durcheinander tritt er nun diese unsägliche Kampagne für Fahrradhelme los. Solche Kopfschützer sind eine sinnvolle Sache, aber ob zu ihrer Bewerbung leicht bekleidete Models Erfolg versprechen, darf bezweifelt werden. Statt angesichts der massiven Kritik von Politikerkollegen und der Öffentlichkeit zurückzurudern, verteidigt er diese peinliche Werbung auch noch. Will er mit den Dessous Nebenschauplätze schaffen, die publikumswirksam von den Ungereimtheiten seiner Politik ablenken? Hoffentlich verliert der Herr Minister dabei nicht selbst den Durchblick.

Zumal diese Kampagne die verkehrspolitische Verwirrung noch vergrößert. Erwartet der von Lufttaxis begeisterte Verantwortungsträger, dass deren Pilotinnen und Piloten künftig nur verordnete Dessous tragen und einen Helm? Oder werden die Lufttaxis so sicher sein, dass kein Helm gebraucht wird? Werden die Passagierzahlen deswegen steigen, weil die Pilotinnen und Piloten ihr Gefährt in Reizwäsche steuern? Oder gibt es gar kein Flugpersonal mehr, weil die Dinger autonom fliegen? Wäre das aber nicht eine vertane Chance für die Dessous- und Helmindustrie? Fragen über Fragen. Dabei wäre es so wichtig, dass aus diesem Ressort endlich einmal zukunftsweisende Antworten kommen.

Gut, man muss natürlich die Vorteile der Flugtaxis gerecht bewerten. Das Geräusch ihrer Rotoren würde endlich den derzeitigen hässlichen Straßenlärm übertönen. Einige Menschen, wenn auch wohl kaum die ganz große Mehrheit, kämen pünktlich zu ihren Terminen. Und auf dem Weg dorthin könnten die Rotoren lästige Tauben, die mit ihrem Kot Baudenkmäler zerstörenden Ratten der Lüfte, schrappschrapp, so ganz nebenbei schreddern. Man könnte grüne Landeplätze anlegen und das Thema „Lebenswerte Stadt“ bekäme insgesamt endlich Aufwind. Komisch eigentlich, dass diese Vorzüge in der Pressearbeit des Verkehrsministeriums bisher nicht stärker herausgestellt werden.

Das Tragen von netter Unterwäsche, die dann keine mehr wäre, weil ja nichts darüber getragen wird, ließe sich sogar als eine intelligente Anpassung an die Klimaerwärmung feiern. Dazu farblich passende Helme und die Zukunft wird sicher bunt und schön.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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