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Klimawandel: „Ökodiktatur“ - eine diffamierende Wortwahl 

Klimawandel

„Ökodiktatur“ - eine diffamierende Wortwahl 

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In Chile und Argentinien ist die Demokratie nicht in Gefahr. Diktaturen bringen keine Lösung und das üble Wort von der Ökodiktatur schon gar nicht.

Da sind sich alle einig. Die chilenische Regierung hat richtig entschieden und den Klimagipfel im Dezember abgesagt. Verhandlungen in einem zur Festung ausgebauten Kongresszentrum, bewacht von Militär und Polizei, während draußen womöglich Autos und Häuser brennen, jedenfalls wütende Menschen in Massen protestieren, das ist kein Klima für einen Klimagipfel.

Klimagipfel - Riesenveranstaltung mit dem Flugzeug

Einerlei wo er nun stattfindet kommt wieder die Überlegung auf, ob es überhaupt weiterhin sinnvoll ist, jährlich eine solche Riesenveranstaltung abzuhalten, mit all den Flugreisen der Delegierten. Selbst hehre Verhandlungsziele können keine Kompensation des dadurch bedingten CO2-Ausstoßes sein. Es müssen gleichzeitig aber Vorschläge auf den Tisch, welches Format die internationalen Verhandlungen stattdessen haben sollten. Denn ohne geht es nicht.

Die Fahrpreiserhöhung für die U-Bahnen in der Hauptstadt Santiago löste einen Sturm aus, in dem sich lange aufgestaute soziale Probleme ihren gewaltsamen Weg in die Straßen bahnten. Da kann man froh sein, dass in Chiles Nachbarland Argentinien die Präsidentschaftswahlen am letzten Sonntag völlig friedlich verliefen.

Diktaturen lösen keine Probleme

Auch das frühere Traumland vieler europäischer Auswanderer hat seit Jahren mit riesigen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, die Zahl der Armen nimmt ständig zu. Die Frage, welche Regierung das Problem lösen kann, spaltet die blau-weiß-blaue Republik. Der Stimmenunterschied der beiden Spitzenkandidaten war deutlich geringer als viele erwartet hatten. Die Anhänger des Gewinners feierten die ganze Nacht durch auf den Straßen von Buenos Aires, die Verlierer akzeptierten das Ergebnis ohne Wutausbrüche. Doch der Frieden ist brüchig.

In beiden Ländern zeigt sich aber auch, dass die Demokratie gefestigt ist und die Gefahr einer Militärdiktatur nicht mehr besteht. Noch frisch sind die Wunden, die Erinnerung an Folter und zehntausende für immer verschwundene Opfer, welche die Generäle zu verantworten haben. Auch in anderen Ländern Südamerikas brodeln schwere Unruhen. Bolivien, Ecuador und Venezuela kommen nicht zur Ruhe, in Kolumbien droht ein Rückfall in die Bürgerkriegszeiten und in Brasilien hat sich bereits gezeigt, dass der ängstliche Ruf nach einem starken Mann, der Ordnung schafft, durchaus Erfolg haben kann. Mit dem Effekt, dass man gleich den Regenwald abfackelt wie nie zuvor.

Warnungen vor einer Ökodiktatur

Noch nirgends hat eine Diktatur irgendwelche Probleme des Volkes gelöst. Diktatoren haben die Angewohnheit, vor allem für sich zu arbeiten und nicht für das Wohl der Allgemeinheit. Einen wirksamen Schutz von Klima und Umwelt kann man, das zeigen Geschichte und Gegenwart, schon deswegen von ihnen nicht erwarten.

Werden in Deutschland Forderungen nach einem konsequenten Umweltschutz erhoben, bringen sich deren Gegner allzu oft mit Warnungen vor einer Ökodiktatur in Stellung. Was für eine üble, diffamierende Wortwahl, was für ein böswilliger, aberwitziger Unsinn. Die Ressourcen der Erde sind beschränkt, das steht seit Jahren fest. Und auch, dass wir global in einem Rahmen handeln müssen, der die menschliche Sphäre lebenswert für alle erhält.

Der Entwicklung und dem Wachstum sind natürliche Grenzen gesetzt. Sie zu erkennen und innerhalb dieser Grenzen demokratisch zu regieren, muss der Anspruch jeder Regierung sein, die es mit der Zukunft ernst meint.

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