+
Demonstration Fridays for Future: Klimawandel und Migration sind Kernthemen für die Zukunft.

Kolumne

Klimawandel und Migration - Kernthemen der Zukunft

  • schließen

Es hat mit dem Wetter nichts zu tun, aber von Menschen gemacht ist es auch: das Misstrauen gegen Migranten, das die Gesellschaft zu vergiften droht.

Wollen wir ausnahmsweise vom Wetter reden? Über allen Themen dieser Zeit wölbt sich der Klimawandel. Man könnte meinen, nichts sei wichtiger. Was sind schon Gesundheits- oder Sozialpolitik, Diskussionen um den Brexit, mögliche Kanzlerkandidatinnen, wenn über allem der Klimawandel droht? Was nützt alle Anstrengung auf anderem Gebiet, wenn wir alle bald einer menschengemachten Katastrophe zum Opfer fallen?

Wir müssen sofort gegensteuern. Das Klima zu retten, alle dazu zu drängen, dafür das Möglichste zu tun, hat Priorität. Was dazu nötig ist? Die Einsicht der Bevölkerung, eine Umstrukturierung der Wirtschaft, neue Technologien und eine zukunftsweisende Politik.

Demokratie nur für den weißen Norden?

Dennoch bleiben die anderen Probleme bestehen. Und manchmal haben auch sie mit dem Klimawandel zu tun. Die Veränderung der globalen Temperatur wird dazu führen, dass große Gebiete vor allem im globalen Süden unbewohnbar werden. Die zwei Grad Temperaturanstieg machen den Unterschied zwischen bewohnbar und unbewohnbar aus. Klimaflüchtlinge gibt es schon heute und es werden mit Sicherheit mehr.

Wenn sich der globale Norden nicht darauf einstellt – was dann? Wenn Rechtsextreme die Agenda darüber bestimmen, was ihrer Ansicht nach „erträglich“ ist und was nicht, was für eine Art Demokratie verteidigen wir dann für die Zukunft? Eine nur für den weißen Norden?

Lesen Sie auch
- Der Gastbeitrag: Runter von der Klimaschutzbremse!
- Klimaschutz: Geringverdiener entlasten - Verbrauch und Kapital belasten!

So jedenfalls deutet es sich an. Nach dem fatalen Migrationspaket, das kürzlich verabschiedet wurde, wollen die Regierungsparteien im Bundestag demnächst weitere Gesetzesänderungen beschließen, durch die im Staatsangehörigkeitsrecht der Anspruch auf Einbürgerung eingeschränkt werden soll. Zu den Voraussetzungen für Einbürgerung soll künftig zählen: Ausländer müssten eine „Einordnung in die deutschen Lebensverhältnisse“ gewährleisten.

Was soll das? Ein Leitkultur-Paragraf, der Beamten willkürlichen Spielraum für „Daumen hoch, Daumen runter“ gibt? Was sind deutsche Lebensverhältnisse? Und was sind un-deutsche?

Zukunftsfähig sieht anders aus

Außerdem soll eine Einbürgerung künftig zehn Jahre lang auf Widerruf stattfinden. Staatsbürgerschaft auf Probe? Das widerspricht, um es diplomatisch zu sagen, der Idee, durch Einbürgerung demokratische, gleiche Lebensverhältnisse zu schaffen. Es widerspricht dem Gedanken des Zusammenhalts und der Gleichwertigkeit.

Auch dass sich nur noch Menschen einbürgern lassen können, deren Identität eindeutig geklärt ist, bedeutet, dass viele Geflüchtete auf absehbare Zeit keine Staatsbürger werden können. Integrationspolitisch ist auch das nicht sinnvoll, zumal Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten noch immer viel zu wenige Menschen einbürgert.

Zukunftsfähig sieht anders aus. Ja, Klimawandel und Migration sind Kernthemen für die Zukunft. Darauf gibt es nur zwei Antworten: Entweder man leugnet oder verflucht sie, wie es die sogenannten Rechtspopulisten tun, oder man gestaltet sie. Entweder man versaut das Klima – das des Wetters wie das in der Gesellschaft –, indem Abwehr, Ignoranz und Furcht vor den rechten Populisten die Politik bestimmen, oder die Bedingungen, Debatten und Gesetze stellen sich diesen Herausforderungen.

Sonst sind bald die nächsten Krisen im gesellschaftlichen Klima da. Und sie werden ebenso menschengemacht sein wie die mit dem Wetter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare