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Unglaubliche CO2-Dreckschleuder: Das Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine.

Treibhausgase 

G20 verpesten die Atmosphäre - und tun fast nichts

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Die Regierungschefs ignorieren beim G20-Gipfel den Klimawandel. Neue Allianzen und Demos weltweit könnten das ändern. Der Leitartikel.

Die G20-Staaten sind die Topeinheizer des Planeten. Die 20 großen Industrie- und Schwellenländer emittieren zusammen rund 80 Prozent der Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre. Um Fortschritte beim Klimaschutz zu erreichen, und die Sache brennt bekanntermaßen, ist ein G20-Gipfel das richtige Forum. Zumindest in der Theorie. Denn in dieser überschaubaren Gruppe ließe sich viel schneller eine Einigung über die notwendigen Treibhausgasreduktionen erreichen als auf den UN-Klimaverhandlungen, in denen seit 1995 zehnmal so viele Staaten miteinander verhandeln.

Könnte, hätte, würde. Der G20-Gipfel, der am Wochenende im japanischen Osaka stattfindet, droht das Thema völlig zu vergeigen. Der Entwurf von Gastgeber Japan für die Abschlusserklärung fällt in der Weltfrage Klimaschutz weit hinter die Positionen früherer Treffen dieser Art zurück. In dem Text heißt es nur, die G20 wolle sich den globalen Herausforderungen stellen, „unter anderem dem Klimawandel“. Beim letzten Gipfel hatte immerhin noch ein Bekenntnis zum Paris-Klimavertrag und zum 1,5-Grad-Limit der Erderwärmung im Abschlusskommuniqué gestanden; nur US-Präsident Donald Trump ließ seinen Nach-mir-die-Sintflut-Kurs als abweichende Meinung hineinschreiben. 

Einknicken vor Trumps Klima-Ignoranz 

Nun also der Rollback. Die Japaner haben Angst, Trump zu vergrätzen, mit dem sie ein Handelsabkommen abschließen wollen. So gießen sie Weichspüler über den Text, und statt einen Fokus auf erneuerbare Energien zu legen wie beim letzten Mal kommen nun „alle Technologien in Betracht“, also auch Trumps geliebte „saubere Kohle“. Ein Fiasko, denn es ist nicht zu erwarten, dass die Trump-Gegner auf dem Gipfel den großen Konflikt mit dem Gastgeber und dem Zampano aus USA wagen, um klimapolitisch das Gesicht zu wahren.

Eigentlich hätte Japan Grund genug, ganz anders zu agieren. Experten der japanischen Wetterbehörde zeigten erst kürzlich in einer Studie, dass die Hitzewelle, die das Land im Sommer 2018 in Griff hielt und laut Gesundheitsministerium 1032 Tote forderte, „ohne den menschengemachten Klimawandel niemals passiert wäre“. Doch auch die anderen G20-Staaten hätten Grund genug, endlich umzusteuern. Im vergangenen Jahr gab es auf fast allen Kontinenten dramatische Klimaveränderungen, darunter der Dürresommer in Europa und die Waldbrandserie in Kalifornien. In diesem Jahr setzt sich das nahtlos fort, mit extremen Hitzewellen in Australien und Indien. 

Jeder weiß es - und nichts passiert  

Diagnose: Bei der G20 herrscht Klima-Amnesie. Diese Krankheit korrespondiert mit dem Kriechgang bei der turnusmäßigen UN-Klimakonferenz in Bonn. Hier ging es um Streitpunkte, die bis zum Inkrafttreten des Paris-Abkommens im nächsten Jahr gelöst werden müssen. Doch die Verhandler kamen kaum vorwärts, ja, wiederholt wurde von notorischen Bremserstaaten sogar die breit abgesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel infrage gestellt. Treffend kommentierte die Umweltstiftung WWF: „Die Klimakrise rast mit der Wucht eines Orkans auf uns zu - und wir debattieren, ob wir die Fenster lieber zunageln oder zuschrauben sollen.“

Wäre man Zyniker, man würde hier nur mit den Schultern zucken. Das kennt man schließlich schon seit fast 30 Jahren. Rio, Kyoto, Paris - tolle Beschlüsse zu Treibhausgassparen, gefolgt von real steigende Emissionen. Es ist dramatisch: Heute liegt der CO2- Ausstoß über 60 Prozent höher als 1992 bei der Unterzeichnung er Weltklimakonvention, die eine gefährliche Störung des Klimasystems verhindern sollte. Selbst die in der Mitte des Jahrzehnts aufgekeimte Hoffnung, der globale CO2-Ausstoß habe seinen „Peak“ erreicht, trog. Seit drei Jahren geht es damit wieder aufwärts.

Jugendliche wollen sich nicht länger verulken lassen 

Die wirkliche Hoffnung liegt darin, dass die Zyniker nicht die Oberhand behalten. Der offensichtliche Unwillen der „Staatenlenker“, den Klimawandel in noch erträglichen Bahnen zu halten, erzeugt in der Öffentlichkeit weltweit Widerstand. Vor allem in der jungen Generation, die ihre Zukunft zu Recht bedroht sieht und den Klimaschutz nicht mehr den „Profis“ überlassen will, die ihn drei Jahrzehnte lang verschleppt haben. In vielen Ländern ist der Druck auf die Politik im vergangenen Jahr enorm gewachsen, nun wirklich umzusteuern. In Großbritannien zum Beispiel, wo das Parlament den „Klimanotstand“ ausgerufen hat. In Australien, wo das Klimathema den jüngsten Wahlkampf beherrschte. In Finnland, das bereits bis 2035 „klimaneutral“ sein will.

Auch Deutschland steht, wenn die Zeichen nicht trügen, nach einem Jahrzehnt des Stillstands vor einer Renaissance als Klimaschutzvorreiter. Die Schülerstreiks und der Aufschwung der Grünen haben die Bundesregierung extrem unter Druck gesetzt. Sie muss in den nächsten Wochen und Monaten liefern - mit einem radikalen Klimakonzept für 2030 inclusive CO2-Bepreisung. Das wäre dann auch eine gute Voraussetzung, um international auch innerhalb der G20 neue Vorreiterallianzen etwa mit China zu schmieden, bei denen man auf Trumps Launen keine Rücksicht nehmen muss.

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