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Mit Atomkraft den Klimawandel bekämpfen? Bis heute ist die Frage der Endlager vollkommen ungelöst. (Symbolbild)

KOLUMNE

Mit Atomkraft den Klimawandel bekämpfen? Welch strahlender Unsinn

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Den Klimawandel mit Atomkraft bekämpfen? Wer auf solche Ideen kommt, verschließt die Augen vor der einen Gefahr, um die andere zu bekämpfen.

Es gibt so manche Wörter, die im Duden stehen, ohne dass sie in den Sprachgebrauch Eingang gefunden hätten. Kryosphäre ist so ein Begriff. Er beschreibt die Eismassen, welche die Erdoberfläche bedecken. Wer allerdings in den vergangenen Wochen aufmerksam die Meldungen der Medien verfolgt hat, dem dürften das Wort und seine Bedeutung für unseren Globus inzwischen geläufig sein. Denn der Weltklimarat hat nun auch für die Kryosphäre und die Ozeane einen Sonderbericht vorgelegt. Dazu wertete der Rat fast 7000 Veröffentlichungen aus. Er forscht ja nicht selbst, sondern trägt veröffentlichtes Wissen zusammen, bereitet es auf und schafft so eine Gesamtschau. Das sich ergebende Bild ist gleichermaßen erschreckend wie Hoffnung machend.

Der Klimawandel ist kein Szenario der Zukunft, sondern der Gegenwart

Es dürfte sich ja schon vorher herumgesprochen haben, was mit dem Meeresspiegel passiert, wenn die Gletscher und die Eispanzer der Pole abschmelzen. Er steigt. Das ist kein Zukunftsszenario, sondern findet bereits statt. Deswegen betrachtet der Bericht besonders die Wirkungen des Phänomens auf tiefliegende Regionen der Erde. Und auf die Hochgebirgsregionen, denn auch dort droht erhebliches Ungemach. Vordergründig sind dies Lawinen und Erdrutsche, aber auch die Wasserversorgung und die Energiegewinnung geraten in Gefahr.

Klimawandel: Noch immer zögern Politiker und Entscheider

Man kann sich kaum vorstellen, dass es noch immer Entscheidungsträger gibt, die zögerlich an den Klimaschutz herangehen oder ihn gar in Abrede stellen. Allein die schlagwortartigen Kurzfassungen, die der Weltklimarat extra für sie erarbeitet hat, sollten schon ausreichen, ihnen den dringenden Handlungsbedarf klarzumachen. Aber es gibt offenbar noch zu viele Ignoranten, die den Bericht gar nicht erst zur Kenntnis nehmen.

Im deutschen Bundestag sitzen da Parteien in Gelb und Blau, letztere eingefärbt mit Brauntönen, die Fakten mit kruder Polemik vom Tisch wischen. Wären Gelb und Blau nicht auch die Farben des Fußballvereins, für den einst sogar Diego Maradona, der Mann mit der „Hand Gottes“, gespielt hat, müsste man sie sowieso als für die Zukunft völlig unpassend einstufen.

Den Klimawandel mit Atomkraft bekämpfen? Die Frage der Endlager ist bis dato völlig ungelöst

Leider bringen jedoch ganz aktuell auch andersfarbige Parteien jetzt wieder eine Lösung zur Reduktion der Treibhausgasemissionen ins Spiel, deren erwiesene Risiken diese doch längst ein für allemal hätten diskreditieren müssen. Sogar die Grünen im EU-Parlament sind gespalten über die Frage, ob eine Wiederbelebung der Atomkraft nicht ein geeignetes Mittel wäre zur Bekämpfung des vom EU-Parlament ausgerufenen Klimanotstands. Das Gedankenspiel – und ein solches bleibt es hoffentlich – funktioniert überhaupt nur, wenn man beiseite schiebt, dass die Frage der Endlagerstätten bis heute völlig ungelöst ist.

Der Bericht des Weltklimarats äußert sich zu solch abenteuerlichen Lösungsvorschlägen nicht. Immerhin propagiert er, dass mit der Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels die Folgen der Erderwärmung einigermaßen beherrschbar wären. Eine wirklich gute Nachricht ist das angesichts des unentschlossenen Herumeierns der meisten Regierungen leider nicht.

Die Amerikaner trotzen Donald Trump und seiner Energie-Politik: In den USA nimmt die Nutzung von grünem Strom immer mehr zu. In Madrid beginnt unterdessen die 25. UN-Klimakonferenz.

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