+
Wasser, Nahrung und fruchtbare Böden sind knapp.

Umweltpolitik

Andere Klima-Politik könnte Flüchtlingen den Heimweg ebnen

  • schließen

Zukunftsgewandte Regierungen sind überfällig. Sie könnten mit entschlossener Umweltpolitik sogar Flüchtlingen den Heimweg ebnen. Die Kolumne.

Alle Flüchtlinge zurück nach Hause! Nicht weil sie abgeschoben werden, nicht weil sie nicht erwünscht sind. Nein, ganz freiwillig, weil sie in ihrer Heimat wieder in Sicherheit leben können. Was für ein schöner Traum! In manchen Teilen der Welt verhindern Kriege das. Oder totalitäre Regierungen. Solange es die gibt, wird es Flüchtlinge geben.

Aber derzeit fliehen viele Menschen ja deswegen nach Europa, weil in ihren Herkunftsländern die Armut groß ist, Hunger und Krankheiten das Überleben bedrohen. Dass dies so ist, hat viele Ursachen. Dazu gehören ungerechte Landverteilung, der Mangel an Wasser und Nahrung, an fruchtbaren Böden und anderen Grundbedingungen für ein menschenwürdiges Leben. Grundbedingungen, welche von der biologischen Vielfalt und funktionierenden Ökosystemen bereitgestellt werden.

Wie viele Papiere müssen der Weltklimarat und der Welt-Biodiversitätsrat IPBES noch produzieren, die das belegen? Der neueste Bericht des IPBES schlug hohe Wellen. Eine Million Arten stirbt aus! Das wissen wir eigentlich schon länger, nur haben die Politiker vor dieser Realität bisher die Augen verschlossen. Wie sonst wäre erklärlich, dass die notwendigen Entscheidungen nicht getroffen wurden? Jetzt kommt kein Politiker mehr an diesem Bericht vorbei.

Und das ist das Positive an diesem Papier. Es zeigt nicht nur auf, welche die Treiber des Artensterbens sind, sondern auch, wie ihnen begegnet werden kann. Kann? Nein, muss! Der Klimawandel ist ein wichtiger Treiber, mit vielen, weitreichenden Folgen. Neben Gifteinsatz, falscher Landnutzung, Übernutzung der Ressourcen machen durch ihn bedingte Klimaextreme und dramatische Wetterereignisse, in deren Folge Dürre und Überschwemmungen, Menschen in ihren angestammten Lebensräumen das Überleben schwer.

Dahin sollen sie ohne Rücksicht auf ihre Chancenlosigkeit zurückgeschickt werden? Das Thema spaltet unsere Gesellschaft, weil viele der Meinung sind, wir können diesen Flüchtlingsstrom nicht verkraften. Wer so denkt, müsste sich ganz konsequent für Klimaschutz und gegen das Artensterben engagieren. So lassen sich Fluchtursachen bekämpfen, nicht durch Ausweisung.

Verbraucherinnen und Verbraucher können mit ihrem Verhalten vieles bewegen. Und sie können von ihren Regierungen einfordern, dass diese Sorge tragen für die Lebensqualität dieser und kommender Generationen.

Ein Gesundheitsminister, der ebenso aktiv gegen die Gesundheitsgefahren durch reaktiven Stickstoff aus der Landwirtschaft handelt wie er für die Masern-Impfpflicht eintritt, ein Verkehrsminister der die Verkehrswende einläutet statt über den Rechtsabbiegerpfeil für Radfahrer zu sinnieren, eine Landwirtschaftsministerin, die mit der gleichen Vehemenz, mit der sie den präventiven Abschuss von Wölfen fordert, das Glyphosat verbannt und den Düngemitteleinsatz verringert, ein Wirtschaftsminister, der den Kohleausstieg forciert statt die Fusion von Großunternehmen anzupeilen, ein Bauminister, der seine Zuständigkeit erkennt und den Flächenverbrauch reduziert, eine Kanzlerin, die Klimapolitik und Biodiversitätsschutz entschlossen zur Chefin-Sache macht statt mit gelähmten Flügeln das Ende ihrer Amtszeit zu erwarten – der Fantasie für ein Kabinett der Zukunftsgestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Es ist höchste Zeit, dass diese Fantasie nun Realität wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare