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Wie 2022 im Rückblick kein Putin-Jahr wird

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Von: Joachim Wille

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Ein Plakat des russischen Präsidenten Wladimir Putin liegt beschädigt auf dem Boden.
Ein Plakat des russischen Präsidenten Wladimir Putin liegt beschädigt auf dem Boden. © dpa/(Symbolbild)

Es gibt Grund für Optimismus: Im Jahr 2022 hat die Weltgemeinschaft endlich begriffen, was mit dem Klimawandel für die Erdbevölkerung auf dem Spiel steht.

Frankfurt – Wie wird 2022 ins Geschichtsbuch eingehen? Als Jahr, in dem ein irrer Moskauer Despot Europa ins vorige Jahrhundert zurückbombte, mit Tausenden Toten, Millionen Flüchtlingen und einer Renaissance der Kohle- und Atomkraft-Nutzung als Kollateralschaden? Oder als Jahr, in dem die westlichen Demokratien dieser brutalen Mischung aus Nationalismus, Imperialismus und Umweltzerstörung Einhalt geboten und die Basis legten, um den klimafreundlichen Energien zum Durchbruch zu verhelfen?

Das zu entscheiden, ist es noch zu früh. Immerhin, es gibt durchaus Hoffnung, dass Putin mit seinem verheerenden Angriff auf die Ukraine und die Menschlichkeit nicht das letzte Wort haben wird. 2022 hat eine Reihe guter Nachrichten gebracht, die zeigen, dass die Weltgemeinschaft begriffen hat, was für die inzwischen acht Milliarden Menschen auf dem Spiel steht. Und dabei geht es nicht um Waffen, sondern um die Stabilität des Klimasystems Erde.

Putin-Schock beherrscht alles in Europa

In Europa beherrschte der Putin-Schock nach dem 24. Februar alles. Kohle hochfahren, LNG-Terminals planen, von Erdgas auf Öl umstellen – das prägte die Debatte. Daher ging fast unter, dass in anderen Erdteilen klimapolitische Geschichte geschrieben wurde. Die USA riefen im August die Zeitenwende aus. Präsident Bidens „Inflation Reduction Act“, mit 369 Milliarden Dollar für grüne Technologien und Infrastruktur, hat das Potenzial, bis 2030 rund 80 Prozent des Energieverbrauchs des Landes umzustellen.

Auch Australien ging unter seinem neuen Labor-Premier Albanese auf Pro-Klimaschutz-Kurs. Es hat nun ein Klimagesetz, das den CO2-Ausstoß bis 2030 um 43 Prozent – verglichen mit 2005 – senken soll. Indien wiederum erließ ein Gesetz, das die Nutzung sauberer Energiequellen und Gebäude-Energiesparmaßnahmen vorschreibt, sowie ein nationales CO2-Handelssystem einführt.

Schafft Deutschland es, die Klima-Vorreiterrolle zu halten?

Ob Europa und Deutschland es schaffen, trotz Kohle-Renaissance und LNG-Investitionen ihre Klima-Vorreiterrolle zu halten und den Umstieg auf Erneuerbare sogar noch zu beschleunigen? Das haben sie unter dem Eindruck von Putins fossiler Aggression ja versprochen. Immerhin, es gibt nun das EU-Klimagesetz mit dem Ziel von minus 55-Prozent CO2 bis 2030. Und die jüngste Einigung zum verschärften Emissionshandel. Und hierzulande ein erneuerbares „Osterpaket“.

Ja, und nun muss das alles „nur“ noch umgesetzt werden, damit 2022 im Rückblick kein Putin-Jahr wird. (Joachim Wille)

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