Kolumne

Warum Wasserstoff noch lange nicht der Treibstoff der Zukunft ist

  • vonManfred Niekisch
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Es ist ein Irrglaube, Wasserstoff sei der Treibstoff der Zukunft. Erst einmal brauchen wir Ökostrom überall, bevor seine Herstellung sinnvoll ist. Die Kolumne.

Er kommt in den buntesten Farben daher, der Wasserstoff. Eigentlich ist er ein farbloses Gas. In der öffentlichen Diskussion schillert er jedoch in den Farben grün, blau, grau und türkis. Als das neue Erdöl wird er gefeiert, als der Treibstoff der Zukunft.

Für die Verkehrswende sei er unbedingt notwendig, beteuert Verkehrsminister Andreas Scheuer. Dann könnten die Klimaziele erreicht werden. Er irrlichtert damit nicht allein. Wirtschaftsminister Peter Altmaier, der blauen Wasserstoff favorisiert, scheint ebenfalls etwas übersehen zu haben.

Vor der viel gelobten positiven Wirkung auf das Klima steht erst einmal die Frage, wo der Wasserstoff herkommt. Er liegt nicht irgendwo herum und wartet darauf, abgepumpt zu werden. Für seine Gewinnung gibt es verschiedene Verfahren, die alle sehr energieaufwendig sind.

Wasserstoff: Unterschiedliche Arten der Produktion

Und damit ergibt sich die Kernfrage, wie die Energie erzeugt wird, ohne die er nicht gewonnen werden kann. Die verschiedenen Farben, mit denen Wasserstoff bezeichnet wird, besagen nichts über sein Aussehen. Sie beziehen sich auf die Art der Produktion und die Energiequellen.

Nur beim grünen Wasserstoff bestehen aus Umwelt- und Klimasicht keine Hemmnisse, denn da kommt der Strom für die Elektrolyse, also die Zerlegung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, aus erneuerbaren Quellen. Zudem entsteht dabei kein klimaschädliches Kohlendioxid.

Bei den Versionen grau, blau und türkis ist beides nicht gegeben. Entstehendes Kohlendioxid ginge in die Atmosphäre oder müsste gespeichert, womöglich in unterirdischen Kammern verpresst werden. Was für ein gefährlicher Aufwand, der mit höchsten Risiken und negativen Wirkungen für das Klima sowie hohen Kosten behaftet ist.

grüner Wasserstoff:

wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt. Dafür wird nur Strom aus erneuerbaren Energien eingesetzt.

grauer Wasserstoff:

wird durch den Einsatz fossiler Brennstoffe gewonnen, in der Regel wird Erdgas durch Hitze in Wasserstoff und CO2 umgewandelt. Das entstandene CO2 wird an die Umwelt abgegeben.

blauer Wasserstoff:

wird (wie grauer Wasserstoff) durch den Einsatz fossiler Brennstoffe gewonnen. Allerdings wird das entstandene CO2 abgeschieden und gespeichert - es gelangt nicht in die Atmosphäre.

türkiser Wasserstoff:

wird über die thermische Spaltung von Methan (Methanpyrolyse) hergestellt. Statt CO2 entsteht fester Kohlenstoff.

Wasserstoff: Energiekonzerne sehen ihre Chance

Bundesforschungsministerin Karliczek (CDU) und Stefan Kaufmann, Innovationsbeauftrager „Grüner Wasserstoff“, stellen den Forschungsstand zu Wasserstoff vor.

Und schon wittern im Hype um Wasserstoff die Fossilien der Energiekonzerne ihre Chance. Denn mit den fossilen Energieträgern Erdöl, Erdgas und Kohle, auch mit Atomstrom ließe sich das vermeintliche Wundermittel billiger herstellen, man könnte die alten Anlagen weiter fahren und die bestehende Infrastruktur noch länger gewinnbringend nutzen.

Also genau das tun, was uns einen ganz wesentlichen Teil der Klimakrise eingebrockt hat. Die Verfechter solcher Argumente betreiben üble Augenwischerei. Es wäre schließlich viel billiger, Strom direkt zu nutzen, statt den absurden Umweg über die Wasserstoffherstellung zu nehmen. Schäden an Klima und Umwelt entstehen dann schon gleich bei der Energiegewinnung.

Grüner Wasserstoff ist zu wertvoll für Autos

Doch, wir brauchen ihn als umweltfreundliche Energiequelle, den grünen Wasserstoff. Insofern ist es gut, dass das Bundeskabinett nun eine Wasserstoffstrategie verabschiedet hat. Der grüne Wasserstoff soll dabei im Fokus stehen. Das reicht nicht!

Ihm muss die alleinige Entwicklung gelten. Klimaneutral gewonnen, ist Wasserstoff sinnvoll einsetzbar zum Beispiel in Schiffen und in der Stahlindustrie. Zur Verbrennung in Autos ist er viel zu wertvoll und teuer.

Der Spuk muss endlich aus den Köpfen verschwinden. Verkehrswende geht ganz anders! Überhaupt muss zuerst genügend Ökostrom zur Verfügung stehen, um allen Strom aus fossilen und atomaren Energieträgern zu ersetzen. Erst danach wird grüner Wasserstoff sinnvoll.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Wolfgang Kumm/dpa

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