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Gastbeitrag

Klimaschutz beginnt in der Schule

  • VonNina Kolleck
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  • Mareike Well
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Klimabildung befähigt dazu, den Wandel zu verstehen und gegen ihn vorzugehen. Außerdem verhindert sie "Klimaskeptiker".

Der angekündigte Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen hat dem Klimawandel erneut internationale Aufmerksamkeit verschafft. Mit seinen klimaskeptischen Parolen hat US-Präsident Donald Trump weltweiten Widerstand gegen seinen Alleingang entfacht und die Unterstützung des Pariser Abkommens durch alle anderen Unterzeichner gefestigt.

Beunruhigend ist allerdings nicht nur, dass sich einige politische Randgruppen einer solchen postfaktischen Leugnungspolitik angeschlossen haben und mehrfach replizierte wissenschaftliche Studien zu delegitimieren oder ignorieren versuchen. Vielmehr ist die gesellschaftliche Aufmerksamkeit, die die klimaskeptischen Parolen überhaupt erst gewinnen konnten, besorgniserregend.

Sie lenken von den zentralen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen ab, die nun bei der Entwicklung und Implementierung nationaler Klimaschutzpläne anstehen. Und sie zeigen auf, dass der Diskurs über die globale Erwärmung bislang in einer Sprache stattgefunden hat, die von einigen nicht verstanden wurde.

Eine Ursache dafür ist die fehlende Relevanz von Klimabildung. Dies gilt vor allem für die Schule, die die Teilhabe aller Bevölkerungsschichten garantiert. Trotz der Bedeutung des Klimawandels für den Menschen sowie des anhaltenden Interesses der Medien gilt unverändert: Klimabildung spielt in Ländern wie Deutschland und anderen G20 Staaten nur eine minimale Rolle in Schulen.

Ein Verständnis des Klimawandels und seiner gesellschaftlichen und ökologischen Implikationen sowie die Urteils- und Handlungsfähigkeit können nicht durch schnelllebig geführte Debatten erlangt werden. Daher will Klimabildung Kinder, Jugendliche und Erwachsene befähigen, Probleme zu erkennen und entsprechend zu handeln.

Ein fehlendes Grundverständnis für den Klimawandel vergrößert das Risiko, dass wissenschaftliche Ergebnisse nicht ernst genommen werden. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass populistische Politik attraktiv wird. Eine solche Dynamik wird nicht zuletzt durch eine strukturelle Bildungsbenachteiligung verstärkt. Um die Anerkennung wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns zu stärken, müssen wir eine Teilnahme an Bildung für alle Menschen gleichermaßen ermöglichen – nicht nur für die Kinder einer Bildungselite.

Gefährlich wird es, wenn die Gewissheit über den Klimawandel als elitäres Diktum daherkommt, welche „dem einfachen Bürger“ vorschreibt, wie er zu denken habe. Eine dadurch mögliche gesellschaftliche Spaltung bindet Energien, die für die dringenden gesellschaftlichen Debatten dann fehlen. Um die nötige Unterstützung für eine ambitionierte Klimapolitik zu erlangen, müssen wissenschaftlich eindeutige Ergebnisse in einer ehrlichen und verständlichen Sprache kommuniziert werden, muss der Fachjargon gleichsam „übersetzt“ werden.

Auf der globalen Ebene wurde die Relevanz der Klimabildung bereits erkannt: Das im Rahmen der Vereinten Nationen verabschiedete Pariser Abkommen von 2015 nennt die nationale Implementierung von Klimabildung als entscheidende Maßnahme, um die Ziele des Abkommens und der Klimarahmenkonvention zu erreichen.

Nur auf der nationalen Ebene spiegelt sich diese Entwicklung bislang nicht wider. Vor allem in Schulen zeigt sich dies drastisch: Vehemente Diskussionen um Bildungsreformen oder internationale Schulleistungsvergleichsstudien (wie Pisa) sind zwar wichtig, sollten aber nicht vom Kern ablenken: Der Auftrag von Schulen ist auch ein gesellschaftlicher. Er liegt in der Entwicklung der Schülerinnen und Schüler zu mündigen Personen, die sich ein selbstständiges Urteil bilden und verantwortungsvoll handeln.

Ein Land, welches das Pariser Abkommen ernst zu nehmen vorgibt, muss Klimabildung in die Lehrpläne und den Unterricht integrieren. Unsere Forschung muss in einer Sprache vermittelt werden, die verstanden wird, damit die Implikationen der Forschung in faktenbasierte gesellschaftliche Debatten münden können. Es bleibt zu hoffen, dass in Deutschland der Klimawandel systematisch in die Schulprogramme überführt und auf diese Weise verhindert wird, dass künftige Generationen weltfremden Aussagen, wie denen der „Klimaskeptiker“ Gehör schenken.

Nina Kolleck ist Professorin an der Freien Universität Berlin.

Mareike Well ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Bildungsforschung und soziale Systeme der FU Berlin.

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