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Angela Merkel trifft sich am Mittwoch mit der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff.
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Angela Merkel trifft sich am Mittwoch mit der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff.

Erneuerbare Energien

Klimakanzlerin kann ihren Titel aufpolieren

Setzt sich Merkel beim Besuch in Brasilien für Solarenergie ein, bringt sie die Wirtschaft und den Klimaschutz voran. Ein Gastbeitrag vom Geschäftsführer des Climate Observatory.

Von Carlos Rittl

Wenn sich am Mittwoch Angela Merkel und Dilma Rousseff treffen, dann haben die beiden mächtigsten Frauen der Welt die Chance, ein starkes Signal für die Klimakonferenz in Paris Ende dieses Jahres zu senden – und gleichzeitig etwas für die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Länder zu tun. Deutschland und Brasilien haben wiederholt eine wichtige Rolle in der internationalen Klimadiplomatie gespielt, und sind selber Vorreiter bei Klimaschutz und Energiewende: Deutschland mit einem beispiellosen Ausbau der Erneuerbaren, Brasilien mit seinen jüngsten Erfolgen, den Waldverlust im Amazonas um 70 Prozent zu drosseln.

Derzeit steht Brasilien mit Blick auf Klimaschutz und Energiesicherheit aber am Scheideweg. Das südamerikanische Land muss entscheiden, ob es den Ausbau der Erneuerbaren beschleunigen – oder stattdessen den Anteil von fossilen Brennstoffen, Wasserkraft und Atomkraftwerken in seinem Energiemix steigern will. Der Energiesektor ist derzeit die am schnellsten wachsende Emissionsquelle in Brasilien. Das ist wohl teilweise dem Klimawandel geschuldet.

Eine seit vier Jahren andauernde Trockenperiode senkt die Energieproduktion aus Staudämmen. Aus Sorge um die Energiesicherheit hat die Regierung Rousseff daraufhin mehrere fossile Kraftwerke ans Netz gebracht, und erstmals seit zehn Jahren neue Kapazitäten für Kohlekraftwerke ausgeschrieben. Im Energie-Fahrplan der Regierung bis 2023 sind deshalb 70 Prozent aller Investitionen in fossile Brennstoffe im Transport- und Energiesektor vorgesehen.

Bei der Solar-Energie ist hingegen nur ein Kapazitäts-Zuwachs von 3,5 Gigawatt geplant. Das steht nicht nur im fundamentalen Widerspruch zum gigantischen Potential für Sonnenenergie in Brasilien – Dachanlagen alleine könnten laut Regierungs-Zahlen 182 Gigawatt bringen –, sondern widerspricht auch ökonomischen Realitäten: bei einer Versteigerung im vergangenen Jahr haben Photovoltaik-Projekte Strom für 71,6 US Dollar pro Megawattstunde angeboten, fast gleichauf mit Kohlestrom, für den 69,3 US Dollar verlangt wurde. Dass die Kosten für Solarstrom in der Zukunft weiter massiv fallen werden, das hat vor einigen Monaten eine Studie der „Agora Energiewende“ gezeigt.

Doch was aus Regierungskreisen bisher nach außen dringt, gibt sehr wenig Anlass zur Hoffnung, dass Brasilien dieses enorme Potential schnell heben möchte. Deutschland könnte hier den Unterschied machen – durch eine strategische Klima- und Energie-Allianz mit Brasilien. Die beiden Länder haben sich schon in der Vergangenheit erfolgreich bei Umweltfragen zusammen getan, bei der Kontrolle der Entwaldung im Amazonas genauso wie bei der Einführung von Solarheizungen in Brasilien.

Eine erneuerte Klima- und Energie-Allianz der beiden Staaten sollte darauf abzielen, die Nutzung von Photovoltaik in Brasilien massiv anzukurbeln. In Deutschland ist die installierte Solar-Kapazität in nur 15 Jahren von 115 Megawatt auf fast 40 000 Megawatt angestiegen. Brasilien hat die Fachkräfte und die regulatorischen Rahmenbedingungen – und nicht zu vergessen: die Sonneneinstrahlung – um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen.

Investitionen und Know-how aus Deutschland könnten diese Entwicklung mit anstoßen. Mehr noch als in der Vergangenheit würde diese Allianz wirtschaftliche Interessen bedienen – auf beiden Seiten. Brasilien könnte die wirtschaftlich sinnvollste Form der Energieversorgung ausbauen. Deutschen Unternehmen und Investoren bietet der riesige brasilianische Markt große Chancen. Und zusammen könnten die beiden Länder dem Rest der Welt zeigen, dass ein weitgehend auf Erneuerbaren beruhendes Energiesystem funktionieren kann.

Ihre Vorreiterrolle sollten die beiden Länder auch dazu nutzen, ein starkes Signal für die Klimaverhandlungen in Paris zu senden. Kanzlerin Merkel hat bereits die G 7 davon überzeugt, sich für die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft auszusprechen. Dieses historische Versprechen wird seine volle Wirkung aber nur dann entfalten, wenn von Paris ebenfalls ein starkes Signal zur Dekarbonisierung ausgeht. Deutschland und Brasilien könnten sich gemeinsam für ein Ziel von 100 Prozent Erneuerbaren und Netto-Null-Emissionen bis 2050 einsetzen. Ein gemeinsamer Vorstoß eines Industrie- und einem Schwellenlandes würde international große Beachtung finden.

Es sieht aber so aus, als müsste unsere Präsidentin von so viel Ambition erst noch überzeugt werden. Viele Stimmen in der Administration sprechen sich dafür aus, dass der nationale Beitrag Brasiliens für das Klimaschutzabkommen in Paris eine Emissions-Obergrenze für das Jahr 2030 enthält – Dilma Rousseff hat sich dazu noch nicht geäußert.

Mit dem Climate Observatory, einer Koalition brasilianischer Klima-NGO, haben wir gezeigt, dass eine Begrenzung auf eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid (CO2) bis 2030 möglich ist. Dazu müsste der Anteil der Erneuerbaren von derzeit 12 auf 40 Prozent steigen.

Wie gesagt: Brasilien und Deutschland könnten wie kaum ein andere Staaten ökonomisch von ambitionierten Klima- und Energie-Zielen profitieren – mit gut bezahlten Jobs, Exportchancen, und einer sicheren Energiezukunft. Dass sie zusätzlich dazu beitragen, die Welt vor den katastrophalen Folgen des Klimawandels zu schützen, sollte der Attraktivität der Sache keinen Abbruch tun.

Carlos Rittl ist Geschäftsführer des Climate Observatory, einer Koalition von 37 brasilianischen NGOs, die zu Klimafragen arbeiten.

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