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Und immer weiter Emissionen in die Atmosphäre blasen: Braunkohlekraftwerk Niederaussem von RWE.

Erderwärmung

Das Klima und der böse Wolf

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Was macht die Politik mit der Erderwärmung? Braucht sie noch einen Videobeweis, dass es so etwas gibt? Aber Vorsicht: Videos haben auch schon Abstiege ausgelöst. Die Kolumne. 

Kaum flogen ihnen am Abend die miserablen Ergebnisse der Europawahl um die Ohren, wachten die beiden einst großen Volksparteien auf. Ach so, das Engagement im Klimaschutz habe man dem Wähler nicht richtig vermitteln können. Wohl wahr, aber da gab es ja auch kaum etwas zu vermitteln.

Jetzt quält man sich in Klausuren mit der Frage, wie man das in Zukunft besser machen könne. Das ist ja wohl ein später Witz, denn die internationalen Verpflichtungen, die Klimaziele sind beschlossen und jeder Politiker, jeder Minister müsste längst wissen, was er zu tun hat.

Es geht natürlich auch um die Frage, wer die Parteien künftig führen soll. Allgemein dürfte sich herumgesprochen haben, dass AKK nicht das Kürzel ist für Angela Klima-Kanzlerin. Derweil zettelt die wirkliche AKK schon mal eine Diskussion an über Meinungsfreiheit im Internet.

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Was für ein freiheitlich-demokratisches Grundverständnis! Wir machen einfach weiter keine Klimapolitik und verpassen denen, die sie per Internet einfordern, einen Maulkorb.

Man könnte einen Videobeweis fordern, dass es den Klimawandel wirklich gibt. Damit Schluss ist mit Worthülsen und Herumgeeiere. Video-Beweise sind in der Bundesliga zwar nicht unumstritten, funktionieren aber meist recht gut und werden deswegen immer häufiger zu Rate gezogen.

Per Videobeweis stieg Union Berlin auf in die Bundesliga und der Stuttgarter VfB stieg ab. Solidarisch mit dem VfB könnte sich der österreichische Bundeskanzler zeigen. Auch er flog aus der ersten Liga aufgrund eines – wenngleich etwas anders gelagerten – Videobeweises.

Dennoch stößt der Videobeweis an Grenzen. Wünschenswert, aber leider kaum realisierbar ist er aktuell besonders für die Wölfe. Die dürfen jetzt ohne jeden Beweis abgeschossen werden, wenn auch nur der vage Verdacht besteht, ein solches Untier (oder ein Mitglied aus dessen Rudel) habe ein Nutztier gerissen. Was hat sich das Bundeskabinett nur dabei gedacht, einen solchen Beschluss zu fassen? Mit einem Stündchen Biologieunterricht hätte es die Wahrheit über den Wolf erfahren können. Ganz unaufgeregt und sachlich. Im nachgewiesenen Schadensfall bliebe statt Panik und Geschrei immer noch der finanzielle Ausgleich durch die öffentliche Hand.

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Hätten die Kabinettsmitglieder, die diesen unsachlichen und leichtfertigen Beschluss gefasst haben, genauso viel Angst vor den Folgen des Klimawandels wie vor dem bösen Wolf, dann sähe die Klimapolitik in Deutschland sicher viel konsequenter aus.

Für den Klimawandel bedarf es keines Videobeweises, er manifestiert sich überall und täglich. Ob es der mutigen 16-jährigen Howey Ou gelingt, auch in China eine Massenbewegung auszulösen? Mit Greta und dem Terminator setzt sie sich an die Spitze einer Bewegung, welche den dauerbremsenden Politikern den Weg weisen soll.

Die täten gut daran, Klimaschutz schleunigst ernst zu nehmen. Sonst würden sich die früheren Volksparteien noch weiter vom Volkswillen entfernen, und die nächste Wahl in Deutschland könnte für sie in einem weiteren Debakel enden. Dazu bedürfte es keines Videobeweises. Filmen ist in den Wahlkabinen ohnehin verboten. Der Wahlzettel genügt.

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