Ältere Frau mit Rollator
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Betriebsrente: Nach einer Scheidung waren Frauen bislang schlechter gestellt.

Kommentar

Klartext aus Karlsruhe

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Mal wieder erinnert das Bundesverfassungsgericht an eine Selbstverständlichkeit: Wenn Betriebsrenten nach einer Scheidung geteilt werden, dürfen Frauen nicht benachteiligt werden. Ein Kommentar.

Ein Blick in die Mitteilung aus Karlsruhe zeigt: Es ist kompliziert, einen einfachen Grundsatz anzuwenden. Bei Scheidungen, so die simple und kluge Regel, werden die Rentenansprüche geteilt. Wer vor allem unentgeltlich für Kinder und Haushalt gesorgt hat – meistens immer noch die Frau –, soll für die Trennung nicht mit Armut bezahlen, während der Mann die Ansprüche aus Erwerbsarbeit alleine einstreicht.

Das ist gerecht und wertet die Sorgearbeit auf. Aber in der Praxis kommt manchmal eben doch etwas anderes heraus, und hier spricht Karlsruhe jetzt Klartext: Das Urteil vom Dienstag zu den Betriebsrenten verleiht den komplexen Regeln ein Stück vom Glanz des Grundgesetzes. Allen Berechnungskriterien muss ein weiteres durch die Familiengerichte beigefügt werden: Die Schlechterstellung einer Seite, meistens der Frau, hat enge Grenzen.

Das löst nicht das grundlegende Problem der ungleichen Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit in der Gesellschaft. Aber es setzt ein Zeichen, dass diese Ungerechtigkeit nicht einfach hinzunehmen ist. Gut so! Der Rest ist Sache der Politik.

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