Damit grünes Kino kein Kopfkino bleibt, müssen auch die Förderstrukturen überprüft werden.
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Damit grünes Kino kein Kopfkino bleibt, müssen auch die Förderstrukturen überprüft werden.

Gastbeitrag

Was können Kinoliebhaber tun, um das Klima zu schützen? 

  • vonTabea Rößner
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Auch Filmemacher und -liebhaber müssen das Klima schützen. Deshalb werden die Streifen künftig anders produziert werden. Ein Gastbeitrag. 

Nun geht es Schlag auf Schlag. Heute unterzeichnen Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die Film- und Fernsehbranche eine Erklärung zur Nachhaltigkeit in der Film- und Serienproduktion, morgen werden die 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin eröffnet und am Freitag geht Fridays for Future wieder auf die Straße. Das hat keinen Zusammenhang? Hat es doch!

Klimaschutz geht alle an, jeden Einzelnen, aber auch jede Wirtschaftsbranche. Die Filmbranche ist mit rund neun Milliarden Euro Umsatz jährlich nicht nur ein bedeutender Wirtschaftszweig in Deutschland, sondern auch ein besonders ressourcenintensiver. Der Dreh einer Stunde Fernsehfilm erzeugt schnell ein paar Tonnen CO2 mehr, als ein Bundesbürger im Jahr verursacht – ganz abgesehen davon, dass diese gut elf Tonnen CO2-Emissionen pro Person und Jahr deutlich zu viele sind, um die Klimaziele zu erreichen. Bei Kinofilmen sind die Emissionen in der Regel sogar acht Mal so hoch. Und bei Blockbustern können sogar mehrere tausend Tonnen CO2 anfallen. Und das allein in der Produktion, da ist der Kinobesuch noch nicht mit eingerechnet.

Damit grünes Kino kein Kopfkino bleibt, müssen auch die Förderstrukturen überprüft werden

Aber Kino muss keine Sünde sein. Initiativen aus der Filmbranche zeigen Wege auf, wie Filmproduktion und Kino nicht zulasten der Umwelt gehen. Wo aber andere Wirtschaftszweige bei der Umstellung an die Hand genommen werden, wird die Filmbranche, insbesondere die kleinen Akteure, alleine gelassen.

Der Vorstoß der Kulturstaatsministerin ist zu begrüßen, aber eine allgemeine Absichtserklärung reicht nicht mehr aus. Es braucht konkrete Maßnahmen. Die Grünen-Bundestagsfraktion hat welche ausformuliert und zeigt auf, wo die Bundesregierung und die öffentliche Förderung in Ländern und Kommunen wichtige Weichen stellen sollten.

Tabea Rößner ist Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen und seit 2009 Mitglied des Bundestages.

Grüner wird’s nicht von allein. Es braucht Beratung, und die gibt es noch viel zu wenig. Dabei ist Nachhaltigkeit kein Add-on mehr, sondern sollte in allen Wirtschaftsbereichen auf der Managementebene angesiedelt sein. So auch beim Film. Aber die Anzahl an grünen Beraterinnen und Beratern ist noch gering.

Daher müssen sie sowohl für den Filmdreh als auch den Abspielort Kino verstärkt ausgebildet und als eigenständiges Gewerk etabliert werden. Ein grüner Berater berät eine Filmproduktion in allen Phasen der Filmentstehung.

Anreize für den Klimaschutz 

Dabei kann viel mehr getan werden, als Klimaschutz nur vom umweltfreundlichen Catering her zu denken. Vegetarisches Essen und Mehrweggeschirr sind gute Initiativen, aber nicht die großen Stellschrauben. Beim Blick auf die CO2-Bilanz wird deutlich, dass Transport und Energie eine viel entscheidendere Rolle spielen.

Hier müssen Anreize für ressourcenschonendes Handeln geschaffen werden, besonders in Zeiten da Fliegen billiger ist als Zugfahren. Es gibt aber schon Regisseure, die Schauspieler nur unter Vertrag nehmen, wenn diese mit der Bahn zum Drehort anreisen. Das wird aber alles torpediert, wenn am Set wieder der alte Dieselgenerator zum Einsatz kommt, weil ein Festanschluss mit Ökostrom für die Produktion zu teuer ist oder es schlichtweg keinen Akku-Generator vor Ort gibt. Hier gilt es dringend Regulierungen zu überarbeiten.

Keine Zukunftsvision sollte es mehr sein, dass in der Energiebilanz einer Produktion die Beleuchtung kaum noch ins Gewicht fällt. LED-Scheinwerfer ermöglichen Energieeinsparungen bis zu 90 Prozent. Leider werden sie noch zu selten angeboten. Hier gilt es die Technikverleiher bei der Anschaffung zu unterstützen sowie den Einsatz von umweltfreundlicher Technik zu fördern.

Filme ringen um Finanzierung 

Damit grünes Kino kein Kopfkino bleibt, müssen auch die Förderstrukturen überprüft werden. Viele Filme ringen um jeden Cent ihrer Finanzierung. Aufgrund der föderalen Aufstellung der deutschen Filmförderung, die für die Länder immer auch Standortförderung ist, tingeln Filmsets durch die Bundesrepublik mit dem Ziel, hier und dort einen Fördergroschen einzusammeln. Ökologisch gesehen ist das nicht nachhaltig. Modelle, bei denen sich die Landesförderungen gegenseitig anerkennen und ausgleichen, sollten diskutiert werden.

Ob ein Film nachhaltig produziert wurde, das sieht man ihm nicht an. An der Popcorn-Theke im Kino kann man hingegen erahnen, wie es das Kino mit der Nachhaltigkeit hält. In Zeiten von Fridays for Future kann so ein ökologisches Betreiberkonzept ein attraktives Alleinstellungsmerkmal für ein Kino sein. Ein bundesweites „Grünen Kino“-Label könnte dem Publikum auf einem Blick zeigen, welches Kino umweltfreundlich wirtschaftet. So schließt sich auch die Klammer von Monika Grütters zu den Fridays-for-Future-Aktivisten. Also: Grüner Film ab!

Die Berlinale-Affäre um ihren ersten Leiter Alfred Bauer wirft auch ein Licht auf die späte Bundesrepublik.

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