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Kolumne

Der Kick der Wahrheit

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Ja, das ist schon misslich mit dem Fußball und dem Geld. Aber warum gehen die Funktionäre nicht wenigstens ehrlich damit um?

Eigentlich – machen wir uns nichts vor – gibt es den bezahlten Fußball doch schon immer, oder sagen wir mal, schon sehr lange. Bereits zu meiner Zeit in der C-Jugend wurden wir nach gelungenem Kick ins Sportheim zu Schnitzel und Limo geladen, ein Jahr später floss auch Bier.

Die Mannen um Fritz Walter erhielten nach der gewonnenen Weltmeisterschaft 1954 je 2500 Mark, einen Motorroller, einen Fernseher und einen Lederkoffer. Wechselten Spieler den Verein, waren zwar Ablösesummen verboten, statt dessen sprach man einfach von „Handgeld“.

Die weitere Kommerzialisierung des Fußballs ist bekannt und bringt mittlerweile jeden echten Freund des gepflegten Ballspiels in Wallung. Das ist verständlich, denn die Entwicklungen überschlagen sich. Was heute als absolut unmöglich gilt, wird über Nacht zur Realität.

Da finden simple Drittligaspiele plötzlich montagabends statt, weil TV-Sender ein paar Kröten springen lassen. Da wird ein Spieler für 222 Millionen Euro verkauft, weil ein reicher Ölmagnat die Spendierhosen anhat. Da muss eine Mannschaft hohe Strafen zahlen, weil sie beim Warmmachen die falschen Socken trug.

Da findet eine WM plötzlich im Winter statt, weil man angeblich erst nach der Vergabe an Katar feststellte, dass es in der Wüste heiß ist. Da reisen Mannschaften für zwei Freundschaftsspielchen nach China, weil sich dort trefflich Trikots verkaufen lassen, und, und, und ... Seitenweise könnte man weitere Absonderlichkeiten schildern. Die Weisheit, dass das Geld den Sport regiert, ist in aller Münder – nur nicht in denen derer, die dafür verantwortlich sind. Dabei ist doch das eigentliche Tun längst nicht mehr empörend. Verwerflich ist, es zu leugnen.

Also, werte Verbandsfunktionäre, seid doch wenigstens ehrlich. Sagt ja, wir kriegen viel Geld, und wir stehen dazu. Die Vereine machen euch das doch vor. Bei einem entsprechenden Angebot würden die auch die Großmutter des Platzwarts verkaufen – und die Fans blieben ihrem Club dennoch treu. Öffnet euch, dann bleibt alles, wie es ist, nur ohne Heimlichtuerei.

Mehr noch: Ihr müsst dann nicht mehr euch selbst der Debilität bezichtigen – so wie Franz Beckenbauer, der behauptete, schon immer alles ohne vorheriges Lesen unterschrieben zu haben. Und hört auf mit dem verlogenen Getue, sondern sagt einfach: Die WM ging nach Katar, weil die das meiste bezahlt haben. Es lebt sich besser ohne gespaltene Zunge.

Und wenn ihr dann schon mal dabei seid: Schafft doch die Weltmeisterschaften ganz ab! Der beste Fußball wird eh in den Vereinen gespielt, denn da kicken die Wertvollsten.

Dann erspart ihr euch auch jene ärmlichen Diskussionen um das Mitsingen der Länderliedchen. Und Peinlichkeiten wie dieses heuchlerische Gezackere um die Frage, wie türkisch ein Deutscher sein darf.

Was zählt, ist auf dem Platz, das wusste schon Sepp Herberger. Warum also diese Vermischungen? Es ist doch schon so weit gekommen, dass der Trainer einer Nationalmannschaft sich dazu versteigt, einen Schiedsrichter vor das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag zu wünschen.

Also: Macht Schluss mit diesem unseligen Nationalmannschaftsgekicke. Die Olympischen Spiele der Antike waren auch keine Kämpfe der Nationen. Dort traten die Besten an, und damit basta.

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