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Die Reservate der Indigenen umfassen immerhin fast so viel Fläche wie ein Drittel Deutschlands. (Archiv)

Jair Bolsonaro

Keinen Zentimeter Land für die Indigenen

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Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat nicht vor, sanft mit Minderheiten und Umwelt umzugehen. Ganz im Gegenteil. Die Kolumne von Manfred Niekisch, Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

Noch zwei Monate, dann wird richtig aufgeräumt. Denn am 1. Januar beginnt die Amtszeit des gerade frisch gewählten Präsidenten Brasiliens. Hauptmann der Reserve Jair Bolsonaro will sein Land gründlich umbauen.

Schon vor seiner Wahl ließ er keinen Zweifel, dass er Homosexuelle und ethnische Minderheiten nicht besonders mag und von Schwarzen nicht viel hält. Auch seine frauenfeindlichen Äußerungen haben den Wahlsieg nicht verhindert. Immerhin sicherte er einer Parlamentarierin zu, sie nicht zu vergewaltigen. Mit der Begründung, sie sei es nicht wert. Dass er ein Befürworter von Folter ist, passt auch gut ins Bild von diesem „Trump der Tropen“.

Indianerfeinde wittern politischen Rückenwind

Die Hoffnung auf ein Ende von Korruption und Gewaltkriminalität hat alle Befürchtungen, der ehemalige Fallschirmspringer drohe eine Diktatur zu errichten, bei mehr als der Hälfte der Wähler glatt weggefegt. Da hilft es wenig, dass die Unterstützer des neuen Präsidenten von den Gegnern Bolsonazis genannt werden.

Schon jetzt ist klar, dass er im Umweltbereich Entscheidungen zu treffen gedenkt, die sich vor Ort als katastrophal erweisen werden und die sich weltweit höchst negativ auswirken werden. Die Einbindung des Umweltministeriums in das Landwirtschaftsministerium ist einer der destruktiven Schritte, die er soeben angekündigt hat.

Straßen will er in Amazonien bauen und die weitere Abholzung fördern. Holzfirmen, Großgrundbesitzer und Rinderzüchter sind begeistert. Weniger begeistert sind die Indigenen. Denn was sie erwartet, hat sich unmittelbar nach dem Wahlsieg bereits gezeigt. In mehreren ihrer Reservate kam es zu bewaffneten Überfällen und Einschüchterungsaktionen, eine Schule und eine Sanitätsstation gingen in Flammen auf, es gab Verletzte.

Die Indianerfeinde wittern politischen Rückenwind. Und das zu Recht. Denn Bolsonaro hat angekündigt, die Sonderrechte der Indigenen abzubauen. Die Verfassung garantiert ihnen bisher Selbstbestimmung zur Fortführung ihres traditionellen Lebens sowie Eigentums- und Nutzungsrechte an ihrem Land. Die Indianerreservate umfassen immerhin fast so viel Fläche wie ein Drittel Deutschlands. Nun soll an die schlimme Politik der Militärdiktatur angeknüpft werden, die man mit ihrem Ende 1985 für immer überwunden glaubte.

Keinen Zentimeter Land für die Indigenen ist das Motto. Das ist konsequent, denn die Indianer schützen ihre Wälder, die für ihr kulturelles und physisches Überleben unabdingbar sind und global sehr bedeutsam für das Klima.

Schluss soll jetzt sein mit dem Geschwafel vom Klimaschutz, aus dem Weltklimavertrag wird Brasilien aussteigen. Und aus den Vereinten Nationen (UN), diesem Debattierclub von Kommunisten. Klare Worte, Herr (baldiger) Präsident!

Es gibt ernsthafte Stimmen in Brasilien, die behaupten, dass Bolsonaro nicht gewonnen hätte, wenn die Wahl nur ein paar Wochen später stattgefunden hätte. Denn bis dahin hätte er sich mit seinen Äußerungen so weit ins Abseits geschossen, dass die Mehrheit der Bevölkerung aufgewacht wäre.

Hätte, wäre: irreale Konjunktive nach einer demokratischen Wahl. Dass die Realpolitik seinen Vorhaben irgendwann Grenzen setzt, ist eine Hoffnung, die auch in einem anderen großen Land derzeit nicht so richtig funktioniert. Der Fallschirmspringer müsste schon selbst die Reißleine ziehen, um sanfter auf dem Boden zu landen.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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