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Die Frankfurter Feuerwehr während ihres Einsatzes an Silvester.

Feuerwehr

Keine Plattform für Rechte

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Die Feuerwehr hat hehre Aufgaben wie Löschen und Bergen. Doch ist es nötig, auf Twitter jeden Einsatz live zu dokumentieren? Die Kolumne.

Eigentlich finde ich die Feuerwehr famos. Klar, erst mal war ich wie alle kleinen Jungs von den roten Autos mit dem Tatütata fasziniert. Zudem zündelte ich gerne. Und wer gerne zündelt, der löscht auch gerne. Gute Köche mögen schließlich auch gutes Essen. Später aber wurde es ernst. Ich absolvierte meinen Zivildienst beim Roten Kreuz, und oftmals rückten wir zusammen mit der Feuerwehr aus. Der Löschzug vorneweg, ich zur „Eigensicherung“ der Kameraden mit dem Rettungswagen hinterher. Das war groß. Seit dieser Zeit bin ich tief in meinem Inneren ein bisschen Feuerwehrmann. Ich kriege zwar schon Höhenangst, wenn ich nur das Wort „Halbleiter“ lese, dennoch fühle ich mich irgendwie dazugehörig.

Kein Wunder also, dass ich mich immer mal wieder auf den Websites der diversen Wehren herumtreibe. Ich sehe mir deren Fuhrparks an, gerne auch Bilder von historischen Fahrzeugen und besonderen Einsätzen. Und damit nähern wir uns langsam dem Problem. Seit einiger Zeit nämlich genügt es vielen Feuerwehren ja nicht mehr, eine Seite im Netz zu haben, sie unterhalten zusätzlich auch noch einen Twitter-Dienst. Auch in Frankfurt.

Und ebenda stolperte ich dieser Tage auf Kommentare zu einem Vorfall am Nachmittag des 31. Dezember. Besoffene Knallköpfe hatten im Bahnhofsviertel Feuerwerkskörper auf Einsatzkräfte der Feuerwehr geworfen. Keine Frage, ein Schwachsinn sondergleichen, der bestraft gehört, so hart das Gesetz dies zulässt.

Kameradschaft der Brandschützer

Einigen aus der Twitter-Community wäre dies aber zu wenig, und die Schuldigen waren schnell ausgemacht. Zu lesen waren dann da zum Beispiel Anmerkungen wie „Eben berichtete ZDF von 1000 kontrollierten Nordafrikanern. Aber die haben sicher nichts damit zu tun“, „FFM ist bunt! Und deswegen hat die Feuerwehr hier auch nicht den Mund aufzumachen“, „Die Kollegen von der Polizei soll endlich mal den Knüppel schwingen“, „Knüppel frei ohne Verluste drauf!“ oder „Empfehle Anschaffung eines Leopard 2 A6 zwecks Gegenmaßnahmen“. Die Frage stellt sich: Wer hat den größeren Sprung in der Schüssel? Die besoffenen Böllerwerfer im Bahnhofsviertel – oder jene die solche Straftäter am liebsten mit Panzern ummähen würden?

Ich möchte der Frankfurter Feuerwehr nun nicht unterstellen, dass solche Leute aus ihren Reihen stammen, auch wenn der Duktus der Einträge eine gewisse Zugehörigkeit zur Kameradschaft der Brandschützer erahnen lässt. Aber das Web ist weit, und die Schar der Feuerschützer riesig, besonders jene der Freiwilligen. Das Problem ist ein anderes: Ist es nötig, auf Twitter jeden Einsatz live und minutiös zu dokumentieren? Haben die, die das machen, bei einem Notfall nichts Besseres zu tun?

Außerdem: Wir sind doch hier im richtigen Leben und nicht bei RTL 2. Und wenn das wirklich gemacht werden soll, muss man dann auch noch ein Podium schaffen, wo jeder Depp seinen rassistischen Senf verbreiten kann? Reicht nicht die Verbreitung der reinen Nachricht, ohne Platz für Kommentare zu lassen, die zudem für immer und ewig im Netz stehen?

Eine Feuerwehr hat viele hehre Aufgaben. Löschen, Bergen, Schützen, Vorbeugen, Höhenrettung, Tierrettung, Wasserrettung und vieles mehr. Faschistoiden Vollidioten eine Plattform zu bieten, gehört aber gewiss nicht dazu.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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