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Die brandenburgische Jugendministerin Martina Münch (SPD) unterstützt die Petition und die Forderungen.

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Keine Lizenz, keine Gewalt

Wie eine 17-Jährige eine Petition gegen die Wiedereröffnung der "Haasenburg-Heime" in Brandenburg startete, die wegen Gewalt gegen Jugendliche geschlossen worden waren.

Von Timur Tinç

In drei Wochen will das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in einem einstweiligen Rechtsschutz-Verfahren entscheiden, ob die Haasenburg-Heime mit neuem Konzept wiedereröffnen dürfen. „Das wäre für die Opfer ein Schlag ins Gesicht“, sagt Christina Witt, die mit ihrer Petition eine Lizenz für die Betreiber verhindern will.

Im Alter von 13 Jahren lebte die heute 17-Jährige in einem der Häuser der Haasenburg GmbH, eines privaten Betreibers von geschlossenen Heimen in Brandenburg. Monatelang seien Kinder eingesperrt worden, von Erziehern bloßgestellt, gefesselt und geschlagen worden, erzählt Christina Witt – dazu kam die psychische Gewalt. Zwei Mädchen starben sogar in den Jahren 2005 und 2008. „Etwa sechs Erzieher haben mir einmal die Arme verdreht und mich auf dem Boden festgesetzt. Diese Hilflosigkeit, die ich spürte, kann man nicht beschreiben“, berichtet Witt.

Die Misshandlungen im Heim kamen nach einem Zeitungsartikel der „taz“ ans Tageslicht, Opfer erstatteten Anzeige. Durch den öffentlichen Druck und das Ergebnis einer Untersuchungskommission hat das Jugendministerium Brandenburg den beiden Betreibern die Lizenz entzogen. Aber Christina Witt fiel aus allen Wolken, als sie Anfang April las, dass das Gericht den Betreibern die Lizenz wieder zurückgeben wollte. „Ich wollte zunächst mit einer Freundin aus dem Heim eine Petition per Post starten“, erzählt sie. Nach dem Artikel entschloss sie sich aber, die Online-Petition bei Change zu starten. „Nach dem ersten Tag waren es nur zehn Unterschriften“, berichtet die 17-Jährige. Anschließend habe sie sich mit den Betreibern der Plattform in Kontakt gesetzt, die Petition wurde verbreitet und an Politiker weitergeleitet.

39 260 Unterschriften hat Witt dann innerhalb von nur fünf Tagen gesammelt und Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch (SPD) vergangene Woche übergeben, mit der sie über ihre Erlebnisse und Forderungen sprach. „Es hat sich gelohnt“, berichtet Witt nun. In einem Interview mit der ?taz? sagte die Ministerin: „Ein Träger, der trotz vieler Auflagen die ihm anvertrauten Kinder und Jugendlichen nicht ausreichend schützen kann, darf künftig nicht mehr damit rechnen, seinen Betrieb durch Änderungen der Konzeption vor der Schließung retten zu können.“

In der Sendung Kulturzeit vom Sender 3Sat beschreibt Christina Witt ihre Erfahrungen im Heim.

Der Aufruf findet sich im Internet unter: www.change.org/haasenburg

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