Weihnachten

Keine Geschenke, kein Stress?

  • Petra Kohse
    vonPetra Kohse
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Weihnachten schenken wir uns nichts. Dieses familiäre Motto hielt nicht lange. Die Kolumne.

Schon kurz nach den Herbstferien beschloss ich, mich dieses Jahr in der Adventszeit endlich einmal nicht so hetzen zu lassen. Niemals wieder ratlos in einem Laden herumstehen und dann irgendetwas Unverbindliches kaufen – nur um die gleichen Produkte in der Gegenlieferung am Weihnachtsabend selbst unter dem Tannenbaum zu finden! Zeitersparnis ist das höchste Gut für alle: Es soll wenigstens unter Erwachsenen diesmal keine Geschenke geben müssen!

Im Oktober wollte ich damit allerdings noch nicht gleich hausieren gehen. Das hätte ja gewirkt, als dächte ich, die anderen seien ganzjährig mit dem Gedanken an Weihnachtsgeschenke für mich befasst. Ich würde das Thema im November ansprechen. Und vielleicht lieber nur gegenüber der Familie, damit nicht der Eindruck entstehe, ich erwartete Geschenke von Freunden geradezu.

Meine Mutter fand den Vorschlag sehr gut, als ich am Wochenende des ersten Advents mit ihr telefonierte. Die veganen Kekse, die sie gerade für mich backte, würde sie mir dann eben sofort schicken, ich selber würde ohnehin kaum zum Backen kommen, bei all dem Stress, den ich wohl hätte.

Auch meine Schwester fand die Idee hervorragend, obwohl wir uns doch am vierten Advent alle auf halber Strecke treffen würden, in Bamberg, und die Päckchen diesmal leicht hätten austauschen können. Aber es sei wirklich viel besser, wenn wir dann einfach gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt gingen und uns dort etwas gönnten. Mit gemischten Gefühlen strich ich meine Schwester und meine Mutter samt den dazugehörigen Männern von meiner Weihnachtsliste, nahm mir aber vor, vielleicht eine selbst gemachte Kleinigkeit mit nach Bamberg zu nehmen, kein Weihnachtsgeschenk natürlich, aber so etwas wie ein Mitbringsel.

Einige Tage nach dem Telefonat mit meiner Mutter kam eine E-Mail von ihr. Welches meine Lieblingsmarmelade sei. Und ob ich immer noch Yoga mache. Sie habe in der Stadt etwas gesehen und da sie ja jetzt sowieso ein Päckchen schicke, könne ruhig noch etwas mehr hinein. Aber nicht dass ich das missverstehe: das sei nur ein adventlicher Gruß.

Am selben Abend machte ich nach der Arbeit einen Abstecher ins Reformhaus, um Zutaten für eine Körpercreme zu kaufen, die man sehr leicht selbst herstellen kann, wie ich auf smarticular.net gelesen hatte, ein Link, den ich – weniger Plastik im Badezimmer! – von einer Freundin bekommen hatte.

Mit mehreren medizinisch aussehenden, aber als Aufbewahrungsboxen sicher hübsch zweitzuverwertenden Plastikbehältern kam ich nach Hause und schickte, weil ich heute keine Zeit zum Kochen haben würde, meine Tochter zum Chinesen.

Da ich mich bereits mit der doch gar nicht so einfachen Cremezubereitung befasste und sie nebenbei mit Bekannten aus der „Fridays-for-Future“-Gruppe chattete, vergaß sie leider, eigene Behältnisse mitzunehmen, brachte dafür aber außer der Essenstüte voller Aluschalen auch zwei Päckchen und ein großes Paket mit, die beim Nachbarn für uns abgegeben worden waren. Das Paket war von meiner Mutter, die Päckchen von Freundinnen, auf einem kleben goldene Sterne…

Die Creme ist okay geworden. Aber es ist nicht genug. Ich muss mehr Zutaten kaufen. Vielleicht noch jeweils ein Buch dazu. Und irgendetwas für die Männer.

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