Der von der Bundesgesellschaft für Endlagerung vorgelegte Zwischenbericht stellt einen ersten Meilenstein der neuen Endlagersuche dar.
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Der von der Bundesgesellschaft für Endlagerung vorgelegte Zwischenbericht stellt einen ersten Meilenstein der neuen Endlagersuche dar.

Gastbeitrag

Kein zweites Gorleben

  • vonSylvia Kotting-Uhl
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Die neue Suche nach einem Lager für radioaktiven Abfall nimmt Fahrt auf. Es lohnt sich, dabei konstruktiv mitzumachen. Der Gastbeitrag von Sylvia Kotting-Uhl.

Der Salzstock Gorleben wird kein Endlager für hochradioaktiven Atommüll. Auf diesen Satz habe ich wie viele Tausend andere Menschen jahrzehntelang gewartet und dafür gekämpft. Mit wissenschaftlichen Expertisen, mit einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss und viel persönlichem Einsatz.

Dass nun Gorleben offiziell nicht mehr für die Endlagersuche infrage kommt, zeigt, wie richtig unser jahrzehntelanger Widerstand gegen Gorleben war und wie wichtig die Forderung nach einem offenen, transparenten und vor allem wissenschaftsbasierten Verfahren. Gorleben ist wissenschaftlich belegt einer der am schlechtesten geeigneten Salzstöcke für ein Endlager in Deutschland.

Der von der Bundesgesellschaft für Endlagerung vorgelegte Zwischenbericht stellt einen ersten Meilenstein der neuen Endlagersuche dar. Nach dem Gorleben-Desaster wurden erstmals potenziell geeignete Endlagerregionen aufgrund geologischer Fakten und nicht nach Gutdünken benannt. In weiteren vergleichenden Auswahlschritten wird der Kreis möglicher Endlagerstandorte wissenschaftsbasiert immer kleiner werden.

Die Autorin

Sylvia Kotting-Uhl (Grüne) ist Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Bundestag.

Der Schlussstrich unter Gorleben darf nun nicht falsch verstanden werden. Er ist nicht das Ergebnis des Widerstands. Umgekehrt wird sehr wohl ein Schuh daraus: Ohne den Widerstand wäre der Salzstock Gorleben ein Endlager geworden – ein Endlager mit unwägbaren Defiziten. Aber der Schlussstrich ist das Ergebnis des wissenschaftlichen Vergleichs mit anderen Standorten. Eines Vergleichs, dem alle anderen potenziellen Standorte unterzogen wurden und weiter unterzogen werden. Der wissenschaftliche Vergleich, transparent und überprüfbar, bildet das zentrale Element der 2017 neu gestarteten Standortsuche.

Deshalb stellt der Ausschluss von Gorleben nun nicht die Aufforderung an die in potenziellen Endlagerregionen lebenden Menschen dar, ihre Energie auf Widerstand zu konzentrieren. Vielmehr sollten sie sich auf das Verfahren einlassen und es kritisch-konstruktiv begleiten. Nicht nur das Endlager Gorleben ist beendet, auch die Methode Gorleben.

Das neue Verfahren wird aufwendig und anspruchsvoll. Um es zum Erfolg zu führen – einem klar nach wissenschaftlichen Kriterien definierten bestmöglichen Standort für die Endlagerung hochradioaktiver Anfälle –, benötigt es Unterstützung. Nicht nur aus der Bundespolitik und allen Bundesländern – Bayern eingeschlossen –, sondern besonders aus der Zivilgesellschaft.

Regiert vor Ort das Nimby-Prinzip (Not in my backyard), wird es schwer. Nehmen die Bürgerinnen und Bürger das Verfahren im Grundsatz an, begleiten sie es kritisch-konstruktiv, verbessern sie es wo nötig, besteht eine große Chance auf den bestmöglichen Schutz vor der Langzeitwirkung der hochradioaktiven Abfälle. Die für alle offene, digitale Fachkonferenz zum Zwischenbericht an diesem Wochenende bietet die erste Gelegenheit dazu.

https://www.endlagersuche-infoplattform.de

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