Kommentar

Kein Schlussstrich

  • Markus Decker
    vonMarkus Decker
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Die Stasiunterlagenbehörde wird zwar formell aufgelöst, aber dieser Teil der gesamtdeutschen Geschichte wird dennoch weiter aufgearbeitet. Ein Kommentar.

Manchen aus der Bürgerrechtsbewegung der verblichenen DDR blutet in diesen Tagen das Herz. Im Juni wird Wirklichkeit, was der Bundestag am Donnerstag beschlossen hat: Die Stasiunterlagenbehörde wird formell aufgelöst.

Das ist aber kein Schlussstrich. Die Akten werden ins Bundesarchiv überführt. Außerdem können Akten dann nicht nur im Osten sein, sondern auch im Westen eingesehen werden, an den Standorten des Archivs in Bayreuth, Freiburg, Koblenz und Ludwigsburg. Und an die Stelle des nach Joachim Gauck und Marianne Birthler mit Roland Jahn letzten Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen tritt ein Opferbeauftragter, der beim Bundestag angesiedelt sein wird. Er soll die Interessen der einst Inhaftierten oder anderweitig durch die Diktatur Geschädigten vertreten und das Thema in der Öffentlichkeit halten.

All das wird den Schmerz jener Dissidenten nicht lindern, denen das Symbol einer mühsam errungenen eigenen Behörde nach dem Sturm auf die Stasizentrale am 15. Januar 1990 wichtig ist und bleibt. Doch bei Lichte besehen gibt es in der Sache keinen Grund zur Trauer. Die Überführung der Akten ist ein Schritt nach vorn – in Richtung Aufarbeitung einer DDR-Geschichte, die immer auch eine gesamtdeutsche Geschichte war.

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