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Linke-Kontrahentinnen Wagenknecht (li.), Kipping.

Linke-Parteitag

Kein Kompromiss in Sicht

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Zwischen der unrealistischen Losung "offene Grenzen" und Sahra Wagenknechts bereitwilliger Anpassung an den Rechtstrend tut sich in der Linken ein Vakuum auf. Ein Kommentar.

Die Zusammenkunft der Linken in Leipzig war wie so vieles an der Partei widersprüchlich. Während die Delegierten den flüchtlingspolitischen Kurs der Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger stützten, brachten sie den beiden bei ihrer Wiederwahl eine herbe Schlappe bei.

So widersprüchlich, wie es scheint, ist das freilich gar nicht. Dahinter verbirgt sich die Überzeugung einer Mehrheit in der Partei, dass Sahra Wagenknecht unverzichtbar sei. Dies wiederum geht vor allem zu Kippings Lasten. Denn sie hat Wagenknecht zuletzt am vehementesten widersprochen - und hätte sich den jüngsten Seitenhieb auf Oskar Lafontaine besser verkniffen. 

Doch beschädigt sind auch Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Wagenknecht, weil sie inhaltlich isoliert ist, Bartsch, weil manche seiner Reformer-Freunde ihn für einen Opportunisten halten. Es gibt jedenfalls niemanden in der Linken, der von dem Dauerstreit an der Spitze profitiert. Die sächsische Landeschefin Antje Feiks sagte zurecht: „Die öffentlichen Kämpfe – sie schaden uns, und sie lähmen.“

Sie haben überdies verhindert, dass die Partei zu einer überzeugenden Position in der Flüchtlingspolitik findet. Zwischen Kippings und Riexingers unrealistischer Losung „offene Grenzen“ und Wagenknechts bereitwilliger Anpassung an den Rechtstrend tut sich ein Vakuum auf, das die Linke mit einem moralisch überzeugenden und wirklichkeitstauglichen Konzept füllen könnte und füllen müsste. Das Misstrauen und die Polarisierung zwischen dem Führungspersonal sind jedoch so groß, dass sachliche Lösungen gar nicht in Betracht gezogen werden. Gut ist das nicht. Und wenn die Linke nicht an ihren Neurosen arbeitet, dann wird es auch nicht besser.

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