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Wer für den Frieden marschiert, marschiert auch gegen den Klimawandel.

Ostermärsche

Gemeinsam die herrschende Politik aus der gewohnten Bahn werfen

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Der Klimawandel wird die Kämpfe um Wasser und fruchtbare Böden verschärfen. Das für Rüstung ausgegebene Geld wird gebraucht, um die Klimakatastrophe noch zu stoppen. Die Friedens- und die Klimabewegung haben diese Zusammenhänge erkannt. Warum marschieren sie nicht gemeinsam? Ein Kommentar.

Bei „Fridays for Future“ steht der Friede schon im zweiten Satz: „Eine ungebremste Erderwärmung ist eine enorme Gefahr für Frieden und Wohlstand weltweit“, heißt es im Forderungskatalog der Klimabewegung. Umgekehrt steht das Klima bei der Friedensbewegung zwar nicht am Anfang, aber in den Aufrufen zu den Ostermärschen für Abrüstung kommt es vor: Man sehe sich „im engen Schulterschluss“ mit der Forderung nach „einer sozial-ökologischen Wende als Beitrag gegen den menschheitsbedrohenden Klimawandel“, heißt es bei der Koordinationsstelle der Ostermärsche.

Ja, der Klimawandel ist ein Konflikttreiber, die Kämpfe um Wasser und fruchtbare Böden wird er verschärfen. Und ja, das für Rüstung ausgegebene Geld würde dringend gebraucht, um die Klimakatastrophe noch zu stoppen. Die Friedens- und die Klimabewegung haben diese Zusammenhänge erkannt, natürlich. Nur: Warum marschieren sie getrennt?

Die Frage ist nicht als Vorwurf gemeint. Die Ostermärsche haben ihre Tradition, ihre eigene Sprache, ihre Rituale. Die Jugendlichen, die für das Klima auf die Straße gehen, sind mit ganz anderen Erfahrungen und Kommunikationsformen großgeworden.

Wer sich aber bewusst macht, wie existenziell Bedrohungen wie Klimawandel und Krieg für die Menschheit sind, muss zu dem Schluss kommen: Diejenigen, die sich bewegen gegen das „Weiter so“, müssen Wege finden, auf denen sie gemeinsam marschieren. Den Druck, der nötig ist, um die herrschende Politik aus der gewohnten Bahn zu werfen, können sie nur zusammen aufbauen.

Fragen der Gerechtigkeit

Das gilt nicht nur für Ökologie und Frieden, sondern auch für die große Frage der Gerechtigkeit. Natürlich werden Verteilungskämpfe noch härter, wenn Klimawandel und/oder Krieg vorhandene Ressourcen zerstören. Das wird es noch schwerer machen, ein Recht auf bezahlbares Wohnen, eine gute Gesundheitsversorgung oder auskömmliche Grundsicherung durchzusetzen.

An vielen Stellen in der Gesellschaft, auch der deutschen, bewegt sich etwas. Zöge man aus den Forderungen all der Umwelt-, Friedens-, Gerechtigkeitskämpfer eine Summe, ergäbe sich wahrscheinlich die Kontur eines Gesellschaftsmodells, das den Kapitalismus im Sinne humaner Werte zumindest zähmen würde.

Und doch ist jede Bewegung mehr als genug damit beschäftigt, ihren eigenen Forderungen Gehör zu verschaffen. Aber das wird nicht reichen. Höchste Zeit, dass sich freitags massenweise friedensbewegte Lehrer unter die Klima-Demonstranten mischen. Es wäre immerhin ein Anfang. Und der leicht ausgelaugten Friedensbewegung könnte es sogar helfen.

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