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Die gesperrte Tauentzienstraße in Berlin nach einem illegalen Autorennen.

Urteil gegen Raser

Kein Allheilmittel gegen rasenden Männlichkeitswahn

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Nach einem illegalen tödlichen Autorennen in Berlin werden die zwei Raser zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Doch das Wegsperren allein ist kein Allheilmittel gegen den rasenden Männlichkeitswahn. Ein Kommentar.

War das Mord? Vielleicht hatten die Berliner Richter gute Gründe, die jetzt die tödliche Raserei von zwei durchgeknallten Typen als schwerste aller Straftaten eingestuft haben. Die Überprüfung durch die nächste Instanz wird es zeigen.

Unabhängig davon darf vermutet werden, dass die Höchststrafe bei vielen braven Autofahrern (und selbst bei weniger braven) auf Zustimmung stößt. Ebenso wie der Plan der Politik, die Strafen für illegale Autorennen deutlich zu verschärfen.

Doch so verständlich dieser Reflex sein mag: Niemand sollte glauben, dass das Wegsperren ein Allheilmittel gegen den rasenden Männlichkeitswahn sei.

Die Psychologin, die einen der Berliner Täter begutachtet hat, nennt das Auto „eine neue, äußere Hülle“, die „den Selbstwert erhöht“. Das ist keine Rechtfertigung, aber es deutet auf eines hin: Leute, die so etwas nötig haben, sind durch drohende Strafen oft nicht abzuschrecken. 

Und wenn das so ist; wenn man die Verfolgung einer unterausgestatteten Polizei überlässt; wenn man sich über Aggressionen im Straßenverkehr wundert, während der Ego-Trip anderswo als Maß aller Dinge gilt – dann sollte man wenigstens etwas tun gegen die Werbung für fett motorisierte Dreckschleudern, die der Sonne entgegenrasen. Und gegen die Dreckschleudern selbst. Sonst wird es mit der Vorbeugung nichts, „lebenslang“ hin oder her.

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