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Kapitalismus? „Gefällt mir“

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Der „Like“-Button als Signum der Unterwerfung.

Kleine Münzen sind seine Sachen nicht. In seinem Buch über die Müdigkeitsgesellschaft führte der in Berlin lebende koreanische Philosoph Byung-Chul Han mit theoretischem Furor aus, dass der philosophische Geist des Negativismus von einem obsessiven Positivismus abgelöst worden sei. Gut drauf zu sein ist die Eintrittskarte zu einem erfolgreichen Leben, aber  auch die Verpflichtung auf eine gesellschaftliche Norm. Und das Regime des positiven Denkens ist nicht zimperlich. Der Wille zum unbedingten Mithalten erzeugt eine erschöpfte Gesellschaft, die Verlockungen der Freiheit erweisen sich als bloße Illusion.

„Die Freiheit wird eine Episode gewesen sein“, heißt es auch in Byung-Chul Hans aktuellem Essay. Das Versprechen auf Freiheit ist das Lockmittel zur Unterwerfung. „Die smarte Macht mit freiheitlichem, freundlichem Aussehen, die anregt und verführt, ist wirksamer als jene Macht, die anordnet, androht und verordnet. Der Like-Button ist ihr Signum.“ Man ergibt sich der neuen Herrschaft der Vernetzung, indem man konsumiert und kommuniziert. Die Trennung zwischen Arbeit und Privatem ist aufgehoben, Pausen gibt es nicht.

Der Neoliberalismus, so eine von Byung-Chul Hans kaskadenartig hingeworfenen Thesen, „ist der Kapitalismus des ‚Gefällt mir‘.“ Die Körper werden aus dem unmittelbaren Produktionsprozess entlassen und zum Gegenstand ästhetischer und gesundheitlicher Optimierung. „Sexness und Fitness werden zu neuen ökonomischen Ressourcen, die es zu vermehren, zu vermarkten und auszubeuten gilt.“

Byung-Chul Hans Essay ist ein feuriges Deutungsangebot zur digitalen Ökonomie, die unverdächtig und harmlos daherkommt, in ihrem Zugriff auf alle Lebensbereiche aber ein totalitaristisches Regime errichtet hat, in dem die Machttechniken des Strafens und Überwachens von den Einzelnen gleich selbst besorgt werden. Im Zeitalter der Psychopolitik – ein Begriff, der als eine Art Fortschreibung von Michel Foucaults Biopolitik zu verstehen ist –, hat die Disziplinarmacht abgedankt, und die Zwänge zur Selbstoptimierung sind an ihre Stelle getreten.

Byung-Chul Hans Denken lebt von Einfällen und Assoziationen, und so sind seine Essays stets unterhaltsam und anregend. Und doch bleibt ein etwas fader Beigeschmack zurück, weil sie in genau jener verführerischen Leichtigkeit daherkommen, die der Autor als Merkmale der Regime ausgemacht hat, die auf eine restlose Verwertung unserer charakterlichen und psychischem Ressourcen hinauslaufen.

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