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Kampfsport stärkt das Selbstbewusstsein.

Onlinepetition

Kampfsport als Pflichtfach

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Frauenverachtende Sprüche, sexuelle Übergriffe - junge Mädchen sind vielen Gefahren ausgesetzt. Stefanie Schiller hat eine Idee, wie man dem begegnen könnte.

Es reicht, es ist „not okay“: Irgendwo zwischen öffentlichem Personennahverkehr und Twitter hat Stefanie Schiller den Entschluss gefasst, aktiv zu werden und eine Petition zu verfassen. „Ich fahre seit eineinhalb Monaten regelmäßig S-Bahn“, erzählt die 19-Jährige aus München, die eine Ausbildung zur Kommunikationsdesignerin macht. „Frauen werden da von Männern oft wie ein Stück Fleisch angeschaut.“

Und nicht immer bleibt es dabei: Schiller liest seit einigen Tagen auf Twitter die tausenden Berichte von Frauen über ihre erste Erfahrungen mit sexuellen Belästigungen und Übergriffen. Sie werden dort als Reaktion auf die frauenverachtenden Äußerungen von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump unter dem Schlagwort #notokay geteilt. Da sei ihr klar geworden, wie groß das Problem ist – und wie jung die Betroffenen oft sind.

„Das darf einfach kein Standard sein!“, schreibt sie wenig später in die Begründung ihrer Petition. Und: „Ich glaube, dass der einzige Weg über die Schule führt.“ Die junge Frau will zweierlei erreichen: Alle Mädchen an deutschen Schulen sollen ein Jahr lang statt des regulären Sportunterrichts Grundlagen der Selbstverteidigung lernen.

Schiller hat selbst die Erfahrung gemacht, wie Kampfsport das Selbstbewusstsein erhöht. „Man hat nicht das Gefühl, man muss vor Männern brav sein“, sagt sie. „Wenn Mädchen früh lernen, für sich einzustehen, verleiht das ein ganz anderes Selbstwertgefühl.“ Klar ist ihr dabei dennoch: „Die Schuld liegt aber nie bei den Opfern, es müssen sich nicht die potenziellen Opfer ändern, sondern die Täter.“ Schiller will gleichzeitig erreichen, dass in der Schule Jungs und Mädchen gemeinsam im Unterricht über Geschlechterrollen, Sexismus, Respekt sprechen.

Es ist die erste Petition, die sie initiiert hat, berichtet Schiller. Sie richtet sich an die Kultusministerien der Länder, die für die Lehrpläne zuständig sind. Kurz nach dem Freischalten waren bereits mehr als Tausend Unterschriften darunter. „Ich war schon überrascht“, sagt sie. Jetzt hofft Schiller, dass es noch mehr werden – und dass das Thema ernstgenommen wird.

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