Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Angela Merkel (CDU) oder Peer Steinbrück (SPD): wer zur Wahl steht, ist klar. Aber was steht eigentlich zur Wahl?
+
Angela Merkel (CDU) oder Peer Steinbrück (SPD): wer zur Wahl steht, ist klar. Aber was steht eigentlich zur Wahl?

Auslese

Kampf ohne Kontroverse

  • VonDaniel Haufler
    schließen

Hamed Abdel-Samad, Juli Zeh und Herfried Münkler sprechen über die Bundestagswahl. Und bündeln ihr Gespräch in dem Band: "Was steht zur Wahl?"

Die Bundestagswahlen sind entschieden – glaubt man den Umfragen. Angela Merkel bleibt Kanzlerin, und selbst die FDP kann sich mal wieder in die Regierung retten. Vielleicht beschäftigen sich die Medien deshalb immer öfter mit den Charakteren der Protagonisten oder den kuriosesten Werbemitteln der Parteien.

Hamed Abdel-Samad, Juli Zeh und Herfried Münkler interessiert das zum Glück nicht. Bei einem anregenden Gespräch auf Schloss Hardenberg stellten sie sich vielmehr der Frage „Was steht zur Wahl?“ und dokumentieren das Ergebnis nun in einem kleinen Band.

Die Frage lässt sich so einfach nicht beantworten, findet Münkler. Deutschland sei „so aufgestellt, dass Wahlentscheidungen, die zu Regierungswechseln geführt haben, keine fundamentalen Kurswechsel zur Folge hatten“. So fehle auch in diesem Wahlkampf weitgehend, ja womöglich mehr denn je die Polarisierung.

Kein großer Unterschied

Das jedoch liege auch daran, wie die Politik den Bürgern verkauft werde, ergänzt Juli Zeh. Kontroverse Themen würden ausgespart: Wollen wir Europa? Wollen wir den Euro? Die traditionellen Parteien verweigerten das Nachdenken über Alternativen. Also glaubten die meisten Menschen nicht, „dass es einen großen Unterschied macht, wen sie wählen“.

Oder in den Worten von Abdel-Samad: Es ist eine „Wahl zwischen Coca-Cola und Coca-Cola light“. Das quasi rot-grüne Regierungsprogramm der letzten vier Jahre bestätigt das. Von der Homo-Ehe über den Atomausstieg bis hin zur Abschaffung der Wehrpflicht – „das sind nun wahrlich keine genuin christdemokratischen Anliegen“, meint Zeh. Ein klare Lagerentscheidung sei da nicht mehr möglich.

Das ist auch Folge des gesellschaftlichen Wandels. Die klassischen Partei-Klientelen sind verschwunden. „Die Bezugspunkte der heutigen SPD sind fundamental andere, als dies vor einem halben Jahrhundert der Fall war“, sagt Münkler. Das gelte auch für die CDU.

In dieser sich verändernden Tektonik tauchen neue Segmente auf, sei es die Piraten-Partei oder die Alternative für Deutschland. Auch ihnen widmen sich die Diskutanten, allerdings ohne große Hoffnungen auf deren Bestand zu setzen. Für Abdel-Samad sind sie lediglich Verhinderer, keine engagierten Verfechter einer progressiven Sache. Umso mehr komme es auf die Bürger selbst an, die gegen den politischen Stillstand ankämpften. Eine schöne Idee, die für Juli Zeh aber auf einem zu utopischen Menschenbild basiert.

Wie also weiter? Münkler erinnert an Denker wie Ralf Dahrendorf, die den Konflikt als Mechanismus beschrieben haben, der das Sattwerden verhindert. Die Botschaft kann demnach nur lauten: Mehr Konflikt wagen!

Hamed Abdel-Samad, Juli Zeh, Herfried Münker: Was steht zur Wahl? Herder Verlag, Freiburg 2013, 96 Seiten, 10 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare