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Greta Thunberg kämpft für ihre Zukunft.

Klimaschutz

Die Angst vor Greta

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Greta Thunberg setzt sich für den Klimaschutz ein. Viele unterstützen sie, wenige greifen sie verbal an. Hoffentlich lässt sie sich von den Attacken nicht beeindrucken. Die Kolumne.

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg fand auf dem UN-Klimagipfel 2018 in Kattowitz klare Worte: „Ihr seid nicht erwachsen genug, die Wahrheit auszusprechen.“ Sie richtete ihre Ansage an die internationalen Big Player, die sich bislang eher im Palaver verzetteln, anstatt eine Klimaschutzpolitik als bindend und global umsetzbar zu organisieren.

Im Januar reiste die 16-Jährige weiter nach Davos zum 49. Lobbyistentreffen der Weltwirtschaftselite. „Ich bin hier, um zu sagen, unser Haus brennt“, war ihre Message an die Vertreter der Ölindustrie, doch die hörten die Umweltaktivistin, die die Bewegung „Fridays for Future“ ins Leben rief, nicht an. Ihre Botschaft scheint weniger attraktiv als die flüchtigen Get together mit Alpenpanorama und Schampus.

Verständlich, denn „Verbrechen gegen die Menschheit“ (G.T.) will sich der Ölmulti nicht von einer verzogenen Göre vorhalten lassen, die wohl besser in der Schule lernen sollte, dass Achtung demjenigen gebührt, der die Hoheit über die Ölquelle hat. Stattdessen sorgt sich Greta Thunberg um die Zukunft des Planeten und straft all jene Lügen, die die Jugend als unpolitische Smartphone-Zombies verallgemeinern. Was sie sagt, trifft den Kern des Problems, nämlich die rein auf Eigeninteressen begründete Handlungslethargie entscheidungsrelevanter Eliten.

Eigentlich müssten wir alle vor dieser engagierten jungen Frau ob der eigenen Untätigkeit in Ehrfurcht erstarren, doch würde das eine Empathie voraussetzen, die der kommoden Ignoranz noch nicht geopfert wurde. Oder ist es einfach nur fehlendes Verständnis? In der „Welt“ (25.1.19) orakelt man beispielsweise, dass Greta „eine neue Message“ braucht: „Sonst ist der Hype in nicht allzu ferner Zukunft wieder vorbei.“ Wieso denn eine neue Message? Die Frau hat eine Botschaft, die sich an die Entscheidungsträger richtet. Sie ist kein Popstar, der nächsten Monat eine neue Platte aufnimmt.

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Wirklich widerwärtig ist der Shitstorm, den die Schülerin in den sozialen Netzwerken erfährt, in dem eine autoritäre Herrenmenschenattitude einmal mehr die niedersten Handlungsoptionen als politisches Mittel offenbart. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, wird Thunberg beispielsweise auf dem rechten Blog „Tichys Einblick“ zum Opfer ihrer angeblich erfolglosen Eltern konstruiert. Angepasst sei sie und reine Projektionsfläche linker erwachsener Träume unter Mithilfe eines nebulösen PR-Beraters. Danke für den „Einblick“ in die herrschaftszentrierte Altherrendenke, „Tichy“.

„Ähnlich den Nationalsozialisten schicken die ‚Umweltaktivisten‘ in ihrem gnadenlosen Kampf um den Endsieg inzwischen auch Kinder an die Front“, heißt es, eines drauf setzend, in einem Text, den die AfD Kinzigtal auf Twitter teilt. Und die „Salonkolumnisten“ sprechen gar von „Kindesmissbrauch“, denn „ein 16 Jahre alt gewordenes Mädchen sollte nicht in eine solche Position gebracht werden. Auch dann nicht, wenn es das so will“. Warum wird ihr Handeln hier ins Passive umgetextet? Und warum darf sie sich nicht aktiv ins globale Geschehen einmischen?

Jung, weiblich, mutig, intelligent – davor fürchten sie sich offensichtlich in ihren männlichen Katakomben, weshalb die Angst entweder in hilflose Verachtung umschlägt oder ein herablassender Daddy-Ton den Kümmerer gibt. Bleibt zu hoffen, dass sich Greta Thunberg nicht kirre machen lässt. Denn sie macht alles richtig.

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